Fauré Quartett - Bilder einer Ausstellung (Foto: Musikverlag)

Fauré Quartett: Pictures at an Exhibition

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 04.11.2018 ca. 15.20 Uhr

Es ist eines der wohl bekanntesten Stücke klassischer Musik, das beim Hörern sofort Bilder wachruft: Die wackelige Hütte der Baba Yaga auf ihren Hühnerstelzen, das gruselige alte Schloss oder das feudale Stadttor von Kiew mit seinem Glockenturm. Bilder des Malers Viktor Hartmann, denen der russische Romantiker Modest Mussorgsky mit seinen Bildern einer Ausstellung ein Denkmal gesetzt hat. Ein Werk mit vielen Farben und Stimmungen, das schon unzählige  Arrangeure zu neuen Fassungen inspiriert hat. Dirk Mommertz, Pianist des Fauré Quartetts, hat die Bilder einer Ausstellung mit Liebe zum Detail zusammen mit dem Kollegen Grigory Gruzman zum ersten Mal für seine Ensemblebesetzung - Violine, Bratsche, Cello und Klavier - bearbeitet.

Bei allen Millionen Klangfarben, die wir als Pianisten glücklicherweise auf diesem wundervollen Instrument zaubern können, ist meine künstlerische Stimme inzwischen eigentlich das Klavierquartett geworden. Warum soll ich es damit nicht ausdrücken, damit habe ich viel mehr zu sagen. Dadurch kann ich noch viel mehr machen. Und dadurch ist das entstanden, und man hat die Möglichkeit, was Tempi, Transparenz, und den Reichtum von Farben angeht, dass man damit noch mal auf eine ganz andere Ebene kommt als im Original.

Und das macht Dirk Mommertz in seiner Version ziemlich plastisch, in dem er die Hörer emotional mitreißt und für allerlei Gänsehautmomente sorgt. Selten hat man den Gnom so herzzerreißend heulen und jammern gehört, oder das lebhafte Gewirr schreiender Verkäufer und streitender Marktfrauen im hektischen Treiben des Marktplatzes von Limoges hautnah miterlebt.

Fauré Quartett (Foto: Tim Klöcker/Pressefoto)
Fauré Quartett

Ich kann mich erinnern, ich hab den Freischütz gehört, 1985 bei der Wiedereröffnung der Dresdner Semperoper. Ich war ein kleines Kind, und das war verbunden mit einer sehr extremen Aufführung, die auch live im Fernsehen übertragen wurde. Und da gab‘s die Wolfsschluchtszene, und ich habe vor Angst geschrien. Mich hat diese Musik zutiefst getroffen. Ich weiß noch, meine Eltern waren ganz erschrocken, wie diese Musik auf mich gewirkt hat. Musik kann eine extreme Wirkung entfalten, und wenn man in die Extreme gehen möchte, ist Mussorgsky ganz sicher ein Stück, das sich dafür anbietet

Pfeifender Wind, knarzende Böden, Kücklein, die in ihren Eierschalen ausrutschen und sich aufrappeln - all das haben Dirk Mommertz und Grigory Gruzman mit viel Effekt in ihre neue Fassung eingebaut. Deshalb spielt das Fauré Quartett diese auf den Leib geschneiderte Version auch so gerne im Konzert. Mit "verkleidetem" Klavier - mit bunter Pop-Art-Bemalung in rot, gelb, weiß und schwarz. Das Publikum ist begeistert, erzählt Dirk Mommertz. Kein Zufall, dass die CD inzwischen auf Platz 7 der Klassikcharts zu finden ist.

Manche sagen, ich war erst mal skeptisch, weil ich dachte, die Orchesterfassung hat schon alles gesagt. Und dann sagen Sie, ich habe das Stück heute komplett neu gehört. Und ich freu mich besonders, wenn jemand kommt, und sagt, das ist jetzt keine Lieblings-Fassung geworden. Weil das jetzt einfach mein Klangbild von den Bildern einer Ausstellung geworden, und  ich bin damit aufgewachsen und innerlich verbunden.


Pictures at an Exhibition: Fauré Quartett

Modest Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung
Sergej Rachmaninow: Etudes-Tableaux

In Bearbeitungen für Klavierquartett von Dirk Mommertz (Ersteinspielung)

Das Fauré Quartett:
Dirk Mommertz (Klavier)
Erika Geldsetzer (Violine)
Sascha Frömbling (Viola)
Konstantin Heidrich (Violoncello)

Label: Berlin Classics
Vertrieb: Edel:Kultur
Bestellnummer: 0301116BC

Mehr Infos unter:
https://berlin-classics-music.com/de/releases/pictures-at-an-exhibition-2/
http://www.faurequartett.de/de/


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

Artikel mit anderen teilen