Johannes Pramsohler (Foto: Paul Foster-Williams)

Johannes Pramsohler: Französische Barocksonaten

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 26.08.2018 ca. 15.20 Uhr

Er gilt als einer der innovativsten und umtriebigsten Musiker im Bereich der Alten Musik: der Südtiroler Geiger Johannes Pramsohler. Der 38-Jährige brennt für bislang unentdecktes Repertoire für kleine Besetzungen, forscht unermüdlich und produziert CDs wie am Fließband, bei seinem eigenen Label Audax Records, das in diesem Jahr seinen fünften Geburtstag feiert. Werke von Ristori, Meister, Albicastro, Montanari oder Mondonville hat er schon aufgenommen.

Johannes Pramsohler, Philippe Grisvard  (Foto: Matthew Brookes)

"Uns liegt es sehr fern, Programme zu machen, die betitelt sind mit 'Ein Fest für den König' oder so was, wir haben keine romantische Sicht auf diese Epoche des Barock. Eine CD mit was einzuspielen, was schon hundertmal gemacht wurde, nur, um das ein bisschen anders zu machen als andere - wir wollen immer neues aufzeigen, Lücken schließen. Schauen, wieso ist Bach überhaupt so ein Genie geworden, der ist ja nicht so geboren. Der hatte ja eine Familie, ein Umfeld. Und so betrachten wir eben Komponisten und auch Instrumente. Zum Beispiel, wie die Geige sich entwickelt. hat. Wie hat das Geigenspiel in Deutschland ausgesehen, wie in Italien, wie wurden die Stile vermischt und wie ist das alles vor sich gegangen."

Was Johannes Pramsohler mit seinem Ensemble Diderot oder auch in Duo-Besetzung mit dem Cembalisten Philippe Grisvard anpackt, hat dementsprechend Hand und Fuß. Aus dem großen Schatz von ausgegrabenen Manuskripten wählt der in Paris lebende Geiger und Ensembleleiter sorgfältig aus. Aktuell unter anderem französische Sonaten für Cembalo und Violine - bereits mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik und dem diapason d'or ausgezeichnet.

Johannes Pramsohler (Foto: Paul Foster-Williams)

"Es war ja bei zwei unserer CDs die Geige im Mittelpunkt und Philippe hat Continuo gespielt, und dann war der Wunsch, das Cembalo in den Mittelpunkt zu rücken. Und eben ausgegangen von den Sonaten von Mondonville haben wir geschaut, was war da sonst noch und sind auf unglaublich viel Repertoire gestoßen. Und wir haben uns dann eben gesagt, wir konzentrieren uns auf 20 Jahre, 1740 bis 1760, da war die Geige noch wichtig, danach ist sie obsolet geworden. Das Repertoire hat uns nicht mehr interessiert. Dann haben wir das eingeengt und uns für diese Komponisten entschieden."

Joseph de Mondonville, Luc Marchand, Jacques Duphly, Louis-Gabriel Guillemain, Michel Corette und Charles-François Clément - alles Komponisten aus der Zeit von Louis XV, die das Repertoire mit heute selten gehörten und bislang selten aufgenommenen Perlen bereichert haben - darunter sogar zwei Ersteinspielungen. Auch wenn das Cembalo vordergründig ist, heißt das für Johannes Pramsohler nicht, dass er sich bei diesen Stücken gemütlich zurücklehnen könnte. Im Gegenteil.

"Manchmal sind das Triosonaten, wo ich eine zweite Geige dazu spiele. Aber ganz oft ist es wirklich, dass die Geige so Einwürfe hat und das musikalische Geschehen nicht bestimmt, sondern überhöht und verdichtet. Als Geiger ist das eine große Herausforderung. Man hat keine durchgehende Melodie, sondern man hat bei Guillemain zum Beispiel ganz kurze virtuose Einwürfe, da kommt ein Takt mit einem Terzenlauf, der perfekt sein muss, nicht wie ein Violinkonzert, wo man Anlauf nehmen kann."

CD Cover: 'Französische Sonaten' Johannes Pramsohler, Philippe Grisvard  (Foto: Audax Records)

"Französische Sonaten für Cembalo und Violine"

Werke von Mondonville,Guillemain, Balbastre, Duphly, Corrette, Marchand und Clément

Johannes Pramsohler, Violine
Philippe Grisvard, Cembalo

Label: Audax Records (Vertrieb Harmonia Mundi)
Bestellnummer ADX 13710

Mehr Infos auf:
http://johannespramsohler.com/de/


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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