Anne Sophie Mutter und Krzysztof Penderecki (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)

Anne-Sophie Mutter: Hommage à Penderecki

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 12.08.2018 ca. 15.20 Uhr

Die Geige ist für sie die "Verlängerung ihrer Seele", "die größte Entdeckung" ihres Lebens. Anne Sophie Mutter ist eine lebende Legende des Klassikbetriebs, seit 42 Jahren auf der Bühne. Und das mit beständiger Qualität, künstlerisch konsequenter Repertoirepflege - unaufgeregt, eloquent und sympathisch. Ihren engen Künstlerfreundschaften trägt die Münchenerin immer wieder gerne auf CDs Rechnung, aktuell mit einer Hommage zum 85. Geburtstag des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki.

"Es gibt natürlich ehrlich gesagt keine Worte, die beschreiben können, was passiert, wenn ich Pendereckis Musik höre. Es ist Musik, die nicht in Worte gefasst werden kann. Die aber, und das macht den Zauber aus, auch für den Zuhörer, der dieser Musik zum ersten Mal begegnet, Spuren hinterlässt, die einfach aufwühlt und berührt, die wunderbar ist! Es ist der Kitt, der die Menschheit zusammenhält."

Und, es sei hyperintellektuelle Musik, so Anne Sophie Mutter, die im Verborgenen ihr raffiniertes Spiel mit unseren Ohren treibe.

Anne Sophie Mutter (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)
Anne Sophie Mutter im Gespräch mit Krzysztof Penderecki (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)


"Ich meine damit, dass man an der Oberfläche wahrnimmt, dass sich eine wunderbar sinnliche Musik entfaltet, da gibt es ja auch gerade in der Sonate sehr elegische Melodien, sarkastische Momente, aber darunter ist dieses vernetzte, dieses vielschichtige. Wenn man das im Querschnitt, sieht, diese vielen Sedimentschichten, meint man, man ist im Grand Canyon. Das macht die Musik auch so wuchtig. Das ist ein bisschen wie bei dem großen Michelangelo. Michelangelo hat Leichen sediert, Franz Marc tote Pferde, um den Körper zu verstehen. Und darum sind die Pferde von Franz Marc so voller Leben. Und Penderecki weiß, was unter der Oberfläche brodelt."

Und auch, was er seinen Interpreten an virtuosen Bösartigkeiten abverlangen kann. Für Anne Sophie Mutter ist seine Musik eine physische und psychologische Herausforderung.

"Beethoven hat aus der Sicht des Pianisten geschrieben, das macht das Violinkonzert auch so sperrig und ungeigerisch. Penderecki schreibt schon sehr geigerisch Er ist Geiger, war Geiger, wollte Geiger werden, hat sich dann aber für den interessanteren Beruf entschieden und lässt geigen. Aber er macht es uns Geigerkollegen schon sehr schwer, das macht er gerne und das ist auch gut so. Das sind Dinge, die zwar gut liegen, aber die extrem schwer sind. Und ich geb‘s ungern zu, aber ich kam da schon an meine Grenzen. Aber ich bin sehr froh darüber, denn Grenzen sind dazu da, dass man sie sprengt!"

Die CD-Hommage an ihren Freund und Musikerkollegen hat Anne Sophie Mutter sehr umfassend und persönlich gestaltet - und chronologisch.

"Ich hatte das große Glück, dass er seit der Uraufführung der Metamorphosen, dem 2. Violinkonzert noch einige andere Werke geschrieben hat, eben die 2. Sonate 2000, und la follia, dieses wahnwitzige Solowerk, und auch das sehr virtuose, amüsante konzertante Duo für Geige und Kontrabass. Und ich wollte ihn auf eine sehr persönliche Art und Weise ehren, in dem ich "nur" Werke spiele, die er für mich komponiert hat,, und die mein Leben so bedeutend verändert haben, als Musiker und auch als Mensch, weil man ja über die Partitur über sich selbst hinaus wächst und sich neu erfährt. Und das hat nicht auf eine CD gepasst, und so ist diese Hommage à Penderecki zu einer 2er-CD-Box geworden."

Unser CD Tipp der Woche - Anne Sophie Mutter und ihr persönlicher Blick auf Krzysztof Penderecki zum 85. Geburtstag.
Das ausführliche Gespräch hören Sie am kommenden Dienstag, 14.08.2018 in der SR 2 MusikWelt ab 11.20 Uhr.

Anne Sophie Mutter - Hommage à Penderecki (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)

Infos zur CD:

Anne-Sophie Mutter: Hommage à Penderecki
Doppel-CD zum 85. Geburtstag

La Follia für Violine solo, Metamorphosen: Konzert für Violine und Orchester Nr. 2, Violinsonate Nr. 2, Duo concertante für Violine und Kontrabass

Mit Anne-Sophie Mutter, Roman Patkoló, Lambert Orkis, London Symphony Orchestra, Krzysztof Penderecki

Deutsche Grammophon (DG)
Bestellnummer: 00028948351633

Mehr dazu auch auf:
https://www.anne-sophie-mutter.de

Anne Sophie Mutter (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)
Anne Sophie Mutter (Foto: Deutsche Grammophon/Bartek Barczyk)


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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