Michael Sanderling (Foto: Marco Borggreve)

Beethoven & Schostakowitsch 5 - Michael Sanderling/Dresdner Philharmonie

Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Von Gabi Szarvas  

Sendung: Sonntag 01.07.2018 ca. 15.20 Uhr

Man kennt und schätzt ihn hier in Saarbrücken, und das seit vielen Jahren. Insbesondere am Pult unserer Deutschen Radio Philharmonie ist Michael Sanderling immer wieder gerne gesehen. Der letzte Besuch ist erst ein paar Tage her - und der nächste steht schon vor der Tür. Denn die Schubertiade orchestral der letzten Saison-Matinee wird am 8. Juli wiederholt - zur Eröffnung des Festivals Rheinvokal in Koblenz. Als Sohn des legendären Dirigenten Kurt Sanderling zog es ihn zunächst insOrchester, als Solocellist des Leipziger Gewandhausorchesters und später des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Inzwischen gehört er zu den gefragtesten Dirigenten unserer Zeit, aktuell als Chef der Dresdner Philharmonie. Seit einigen Monaten schon ist er mit einem CD-Großprojekt beschäftigt, das auch mit Dimitri Schostakowitsch zu tun hat, einem seiner Leib- und Magenkomponisten.

Für mich ist er der letzte große Sinfoniker überhaupt, und das hat mich dazu bewogen, im Vorgriff auf das Beethoven-Jubiläum 2020, in wieweit der für mich erste Sinfoniker mit dem letzten Sinfoniker verbunden ist. Und daraus entstanden ist die Idee einer kombinierten CD-Aufnahme von allen Beethoven- und Schostakowitsch-Sinfonien.

Michael Sanderling (Foto: Marco Borggreve)

Auf der neuesten Sony-Veröffentlichung stellt Michael Sanderling die jeweils 5. von beiden Komponisten gegenüber. Und damit zwei sinfonische Meilensteine, die innere Konflikte zum Thema haben, und sich durch die Nacht zum Licht  kämpfen. Für Beethoven war es seine beginnende Taubheit, für Schostakowitsch die öffentliche Diffamierung seiner Oper Lady MacBeth durch einen Prawda-Artikel und damit auch das stalinistische Regime als vulgär, formalistisch und chaotisch.

So wurde die 5. Sinfonie in d-moll für Schostakowitsch zum Befreiungsschlag auf dem Papier. Wegen seiner ständigen Angst vor einer Verhaftung  schlief er in Straßenkleidern, stets zur Flucht bereit. Die einzige Möglichkeit, seiner Kritik freien Lauf zu lassen, war in Tönen. So schrieb er eine mit großem Jubel endende Sinfonie, wie von ihm erwartet - und versteckt seine eigentliche Botschaft zwischen den Zeilen. Der Jubel ist unter Drohungen erzwungen. Man müsse schon ein kompletter Trottel sein, sagte Schostakowitsch selbst, um das nicht zu hören.

Schostakowitschs 5. Sinfonie trifft auf Beethovens 5. - Teil der Gesamtaufnahme aller Sinfonien beider Komponisten, die Michael Sanderling für das Label Sony realisiert, auflaufend auf das Beethoven-Jahr 2020.

CD Cover: Michael Sanderling - Beethoven & Schostakowitsch 5 (Foto: Sony Classics)

Infos zur CD:

Ludwig van Beethoven & Dimitri Schostakowitsch: Sinfonien Nr. 5

Dresdner Philharmonie
Leitung: Michael Sanderling

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Sinfonie Nr. 5 in c-Moll, Op. 67

Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975)
Sinfonie Nr. 5 in d-Moll, Op. 47

Label: Sony Classical
Bestellnummer: 88985492782

Mehr Infos dazu auch unter:
https://www.sonyclassical.de/sonyclassical_neu/CD/19075820802.html

MichaelSanderling & Dresdner Philharmonie  (Foto: Jörg Simanowski)


Der CD-Tipp der Woche in Canapé

Jeden Sonntag stellen Ihnen unsere Moderatoren um 15.20 Uhr im Kulturmagazin "Canapé" den SR 2 KulturRadio CD-Tipp der Woche vor.

Redaktion: Gabi Szarvas

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