SR 2-Kolumnist Brunner (Foto: SR)

„Private Botschaften“

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 06.01.2023 16:45 Uhr

Nr. 917

Nicht dass Sie denken, ich wüsste genau, was Frau Lambrecht uns allen als Silvesterbotschaft aus Berlin per Instagram-Video geschickt hat. Rücksichtslose Berlinerinnen und Berliner haben weite Teile ihrer Ansprache mit ihrer dämlichen Knallerei unverständlich gemacht. Dummerweise waren ausgerechnet die Textstellen nur zu gut verständlich, über die sich jetzt notorisch Dauererregte wie Markus Söder und sein CDU-Kompagnon Friedrich Merz notorisch dauererregen: Rücktritt bzw. Entlassung der Verteidigungsministerin fordern sie, sofort und ohne Wenn, Aber und Entweder-Oder!

Allerdings versichert Olaf Scholz uns ja ernsthaft – anders kann er ja auch nicht - , dass es sich bei Christine Lambrecht um „eine erstklassige Verteidigungsministerin“ handele. Was ja heißt: Besseres ist nicht da. Erstklassigeres als Erstklassiges kann es nun mal nicht geben. Was sollte ein Rücktritt also bringen? Außerdem hat das Ministerium, dem Frau Lambrecht vorsteht, ja nun ebenso ausdrücklich wie eindrücklich festgestellt, dass es sich bei dem Silvesterkracher der Ministerin um ein rein privates Statement gehandelt habe. Also eben nicht ein Video der Ministerin war, sondern ein privater Instagram-Post der Privatfrau Christine Lambrecht, die sich ganz privat mal an die Bevölkerung gewendet hat.

Kennen wir ja von anderen Privatleuten auch: Markus Söder postet Spaghetti-Eis ja auch nicht als Ministerpräsident und streichelt auch nicht im Auftrag der Wähler:innen wehrlose Hundewelpen. Es war ja auch ganz privat, was Tom Buhrow vor zwei Monaten im Hamburger Übersee-Club über die ARD zu sagen hatte. Zwei Seelen wohnen auch in der Brust von Politiker:innen, mindestens. Allerdings kann man sich auch als Privatmensch blamieren.

Nun gehört es zu meinen Neujahrsvorsätzen, dass ich 2023 freundlicher und hilfsbereiter mit meinen Mitmenschen umgehen möchte. Zu denen durchaus auch Frau Lambrecht mit ihren Formulierungsnöten zählt. Für die es dank der frisch an den Start gegangenen Künstlichen Intelligenz „Chatbot GPT“ nun leichte und kostenlose Hilfe gibt. Hier der Vorschlag der KI für eine Silvesteransprache der Verteidigungsministerin:

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wir begrüßen das neue Jahr und blicken zuversichtlich auf die Zukunft. Als Verteidigungsministerin möchte ich mich bei allen bedanken, die sich für die Sicherheit und den Schutz unseres Landes einsetzen. Unsere Streitkräfte arbeiten rund um die Uhr, um sicherzustellen, dass wir alle in Frieden und Freiheit leben können. In diesem Jahr werden wir weiterhin daran arbeiten, unsere Sicherheitsarchitektur zu stärken und die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern zu vertiefen. Wir werden auch weiterhin in die Modernisierung und Ausstattung unserer Streitkräfte investieren, um sicherzustellen, dass wir immer in der Lage sind, unsere nationalen Interessen zu verteidigen und unsere Bürgerinnen und Bürger zu schützen.Wir danken Ihnen allen für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung und wünschen Ihnen ein glückliches und friedliches neues Jahr. Mit den besten Grüßen, Ihre Verteidigungsministerin.“

Ist doch nicht schlecht, oder? Hätte Frau Lambrecht diesen Text gesprochen – Söder und Merz wären vermutlich beeindruckt gewesen. Zudem, merkt meine Nachbarin Barscheck an, hätte es der Gesamtwirkung auch keinerlei Abbruch getan, wenn dabei einzelne Passagen überböllert worden wären. Wir freuen uns jedenfalls schon auf weitere schöne Texte im gerade begonnenen Jahr. Lieber Künstliche Intelligenz als natürliche Dummheit, finden jedenfalls Barscheck und ich.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 06.01.2023 und in "Der Morgen" am 31.12.2022 auf SR 2 KulturRadio.

 


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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