SR 2-Kolumnist Brunner (Foto: SR)

„Wer zahlt denn da?“

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 10.06.2022 16:45 Uhr

Nr. 887

Nicht dass Sie denken, ich erwartete Dankbarkeit von Ihnen. Aber wenn Sie wenigstens ab und zu mal einen Gedanken daran verschwendeten, was ich für Sie... Also, Sie haben jetzt so richtig nicht was davon, aber dafür kann ich nichts. Es war anders geplant. Und wenn das so gelaufen wäre, dann hätte ich Ihnen so einige Liter Sprit spendiert. Obwohl, bzw. weil ich gar nicht Auto fahre. Aber trotzdem natürlich auch von meinen Steuergeldern der Tankrabatt bezahlt wird.

Gut, das ist nichts Außergewöhnliches. Ich bezahle ja auch Bischofsgehälter mit, obwohl ich notorischer Ungläubiger bin, subventioniere trotz Flugangst das Kerosin für die Lufthansa und andere, und auch zur Anschaffung von Waffen und Militärstiefeln werden meine Steuergroschen ohne Rücksicht auf meine pazifistische Grundhaltung verwendet. Was will man machen?

Aber zurück zum Tankrabatt. Das ist kompliziert. Fängt schon mit dem Begriff an: Ich bin es gewöhnt, dass durch einen Rabatt irgendwas billiger wird. Gut, ich bin alt und entstamme einer Generation, in der noch Rabattmärkchen vom SPAR-Laden an der Ecke angeleckt und in ein Heftchen geklebt wurden. Aber trotzdem hat sich die Bedeutung des Wortes Rabatt nicht grundlegend geändert. Bei genauerem Hinsehen hat sich der Sprit ja auch verbilligt. Nur halt nicht für die Tankerinnen und Tanker. Sondern nur für die Mineralölkonzerne, die weniger Abgaben dafür zahlen müssen und deswegen mehr verdienen.

Das nennt der FOCUS: „Der Tankrabatt ist verpufft“. Kann man natürlich so schreiben, wenn man ein neoliberales Magazin ist, muss man vielleicht sogar, aber verpufft ist da gar nix. Da hat es nicht irgendwo im Himmel über Shellelfaral „Puff“ gemacht und weg waren die Milliarden. Nee, die sind noch da und stecken in den Taschen der Minerölkonzerne. Statt Ihnen als Bürgerinnen und Bürgern zu Gute zu kommen. Denn dafür hatte ja eigentlich unser freundlicher und sorgender Staat drei Milliarden Euro eingesetzt.

Entschuldigung, während ich das gerade so schreibe: Das ist ja eigentlich unser Geld, mit dem der Rabatt bezahlt wird. Steuermittel eben. Was letztlich heißt, wir haben unsere Ersparnis an der Tankstelle selber bezahlt. Bzw. hätten, weil ja nix mit Sparen war. Also haben wir die Kohle stattdessen den Konzernen in den gierigen Schlund geworfen. Und das Benzin ist weiterhin teuer. Blöd. Aber da kann man nun leider nichts machen, sagt das Bundeskartellamt, das die in magischem Gleichklang steigenden und sinkenden Preise so gut wie aller Marken schon seit Jahrzehnten beobachtet, aber keine Absprachen feststellen kann. Und hohe Preise sind nun mal nicht verboten, sagt das Amt.

Frau Künast von den Grünen will deshalb einen Rabatt-Stop zumindest diskutieren. Das ist natürlich ein berechtigter Wunsch und durchaus sinnvoll. Allerdings haben wir die FDP in der Regierung und bis mit der eine eventuelle Rücknahme einer Steuersenkung fertig diskutiert ist, platzen die Geldspeicher der Mineralölkonzerne und Sie schieben Ihre schönen Karossen über die Autobahn. Das wäre zwar gesund für Sie und gut für die Umwelt, aber vermutlich ist es nicht das, was Sie möchten.

Schon ist ein neues Wort in der Debatte aufgetaucht: Übergewinnsteuer. Heißt: Wir holen uns die allzu dreisten Krisengewinne - zum Beispiel die eingesackten Steuerrabatte für den Sprit – über eine zusätzliche Steuer wieder zurück. Auch eine Super-Idee! Findet sogar Jens Spahn gut. Allerdings haben wir die FDP in der Regierung und... aber das sagte ich, glaube ich, schon.

Meine Nachbarin Barscheck jedenfalls freut sich schon darauf, mit ihrem Fahrrad mal wieder über die Autobahn zu flitzen. Wie damals in den guten alten Zeiten der Ölkrise. War ja nicht alles schlecht früher.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 10.06.2022 und in "Der Morgen" am 11.06.2022 auf SR 2 KulturRadio.

 


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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