SR 2-Kolumnist Brunner (Foto: SR)

"Gute Nachrichten"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 22.04.2022 15:20 Uhr

Nr. 880

Nicht dass Sie denken, ich brauchte nicht auch ab und zu mal gute Nachrichten. Natürlich. Gerade jetzt, in dieser Zeit. Wo Ostern gerade vorbei ist. Was ja, gemäß der Botschaft unserer christlichen Kirchen, das Fest der guten Nachrichten ist. Nicht nur, dass schon das Wort "Evangelium" genau das bedeutet, "gute Nachricht", auch innerhalb der Evangelien ist die Ostergeschichte ja die mit der besonders guten Nachricht. Nämlich: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus ist auferstanden und hat sein Grab verlassen.


"Gute Nachrichten"
Podcast [SR 2, Peter Tiefenbrunner, 22.04.2022, Länge: 04:08 Min.]
"Gute Nachrichten"


Gut, es war niemand dabei. Und wir müssen uns auf die Berichte von vier Menschen verlassen, die nicht nur auch nicht dabei waren, sondern die zum Zeitpunkt der angeblichen Auferstehung noch gar nicht geboren waren. Aber gut, wer will kann es glauben. Dummerweise liefert die katholische Kirche mehr oder weniger gleichzeitig ziemlich ungute Nachrichten. Speziell unser derzeitiger Lieblingskardinal Woelki hat wohl eine Million Euro für die Begleichung von Spielschulden eines Priesters ausgegeben. Fürsorgepflicht für einen spielsüchtigen Mitbruder.

Das ist natürlich lobenswert. Wenn es denn Woelkis eigenes Geld gewesen wäre, dass er aus brüderlichem Mitgefühl bezahlt hätte. Aber nee, bei 13.800 Euro Monatsgehalt hat es dafür natürlich nicht gereicht, da musste schon das Kirchensäckel herhalten. Ja, meinetwegen auch das. Aber ausgerechnet ein Topf, der für die Entschädigungszahlungen von Opfern kirchlichen Missbrauchs gedacht war, hätte es vielleicht nicht gerade sein müssen. Verständlich, dass zwar nur noch weniger als die Hälfte der Gläubigen auch an Jesu Auferstehung glauben, aber deutlich mehr zumindest, dass der Heiland sich angesichts der Vorgänge in seiner Kirche im Grabe umdreht. Mehrfach.

Aber egal. Auch im weltlichen Bereich gibt es sie noch die guten Nachrichten. Vor ein paar Tagen konnten wir beispielsweise lesen, dass Amazon in Europa für das Jahr 2021 keine Einkommensteuern bezahlt hat. Nix, null, nada, keinen Cent. Super, oder? Auf jeden Fall für den Konzern und Jeff Bezos, der den Laden zwar nicht mehr leitet, aber immer noch gut mitkassiert. Und warum hat der Versandhändler keine Steuern bezahlt? Weil er keinen Gewinn gemacht hat. Sondern im Gegenteil bittere 1,2 Milliarden Verlust.

Uns Nicht-BWL-Studierten kommen da zwei Fragen in den Kopf: Erstens: Wie kann das sein, bei dem sprunghaften Anstieg des Geschäftes in den und durch die Corona-Zeiten? Und zweitens: Wenn es so ist, warum machen die immer weiter bei diesen schrecklichen Verlusten? Ersteres liegt an den "Kosten für Roh- und Betriebsstoffe" sowie "externen Kosten", sagt der Konzern. Und zum zweiten: Man investiert ja, schafft Arbeitsplätze und hofft auf spätere Gewinne. Für die man dann auch weniger Steuern zahlen muss, weil man aus diesem Jahr Steuergutschriften darauf anrechnen darf. Klar.

Meine Nachbarin Barscheck fragt, was denn mit den beschlossenen 15 Prozent Mindeststeuern sei, die die G20-Staaten beschlossen hätten. Die sollen frühestens ab 2023 kommen und auch nur gelten, wenn ein Unternehmen mindestens zehn Prozent Gewinn macht. Und das hat Amazon ja nun leider nicht geschafft. Kann man nix machen. Doch, sagt meine Nachbarin, die schon lange nichts bei dem Unternehmen bestellt. Auch weil sie findet, dass es den Namen der frühfeministischen Frauenkriegerinnen für seine kapitalistischen Gewinnabsichten missbraucht. Stimmt aber gar nicht, Jeff Bezos wollte seine Firma nur möglichst weit vorne im Alphabet ansiedeln. Der Ruf der Amazonen bleibt unangetastet. Und das ist doch auch eine gute Nachricht.


Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 22.04.2022 und in "Der Morgen" am 23.04.2022 auf SR 2 KulturRadio.

 


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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