Brunners Welt (Foto: SR)

"Da brummt doch was"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 27.08.2021 16:20 Uhr

Nr. 847

Nicht dass Sie denken, ich fände Windräder schön. Genauso wenig übrigens wie Heizkraftwerke, Autobahnzubringer, Stromleitungen, Müllverbrennungsanlagen oder Handymasten. Sehen einfach nicht gut aus, die Dinger und machen allesamt Lärm oder Gestank oder Strahlung oder sind giftig. Will man nicht haben, schon gar nicht vor der Haustür. Ist klar.

"Da brummt doch was"
Podcast [SR 2, Peter Tiefenbrunner, 27.08.2021, Länge: 03:54 Min.]
"Da brummt doch was"

Das Problem ist nur, dass wir es gerne warm haben, schnell auf der Autobahn sein, immer und für alles Strom auf der Dose haben wollen und Funklöcher für eine Verletzung der Menschenrechte halten. Aber alles Öko und Bio. Sie merken schon, da gibt es Zündstoff. Und weil Wahlkampf ist, zündelt man auch in der saarländischen Regierungskoalition. Aktuell geht's mal wieder um die WEA, die "Windenergieanlagen", die Stromspargel im Land.

Das seien nun genug, meint die CDU, mehr ginge nicht, das Saarland sei voll. Jetzt müsste man eben Photovoltaik auf die saarländischen Dächer bauen und die Wände besser dämmen. Klar. Das hätte man sicher in den letzten Jahren schon vorantreiben können, auf Rathäusern, Schulen und Ministerien zum Beispiel. Hat man nur sehr zögerlich, aber was soll's, deswegen wird die Forderung ja nicht weniger richtig. Und, wie gesagt, es ist Wahlkampf, und für Windkraft-Bauvorhaben gebe es keine "konfliktfreien" Flächen mehr, und Konflikte mit den potenziellen Wählerinnen und Wählern kann man grade gar nicht brauchen. Ist auch klar.

Dass allerdings ausgerechnet die Landtags-Linke sich an die Seite der Schwarzen stellt, namentlich Oskar Lafontaine, verblüfft mich schon ein bisschen. "Windräder beeinträchtigen die Gesundheit der Menschen und das Landschaftsbild und führen zu Vermögensverlusten bei Eigenheimbesitzern", sagt der Linkenchef. Woher weiß er das? Okay, die Sache mit dem Landschaftsbild, aber die Gesundheitsgefahr? Das ist zumindest doch sehr umstritten.

Dass der gerne gegen die Windräder angeführte Infraschall uns Krankheiten von Schlafstörungen bis Schwindel bringt, ist längst nicht bewiesen. Eine von Windrad-Gegnern viel zitierte Studie aus dem Jahr 2005 hat sich leider verrechnet. Um mehr als den Faktor 1000. Schädigungen von Gewebezellen des Herzens wurden zwar festgestellt, aber nur im Labor und bei Schalldruckpegeln von weit über 100 dB. Den schafft so ein Windrad nicht. Die heimische Waschmaschine oder Klimaanlage jedenfalls hält bei den Tieftönern locker mit. Wie übrigens auch Straßenlärm, Meeresbrandung oder der Wind am Waldrand. Da ist noch Forschungsbedarf.

Was den Wertverlust des Eigenheims betrifft, der unserem Oskar offenbar umtreibt, sieht es ähnlich aus: 30 Prozent Verluste hat da der "Landesverband Haus und Grund" aus Württemberg schon gemenetekelt. Konkrete Fälle waren dort allerdings nicht bekannt, und 85 Prozent der befragten Makler hatten noch nie mit einer betroffenen Immobilie zu tun gehabt. Hmm.

"Ja, aber die Vögel!", rufen die Tierschützer. Stimmt: Bis zu 100.000 Vögel werden pro Jahr von den Windkrafträdern bei uns geschreddert. Das will man nicht. Genauso wenig, wie die 70 Millionen, die jährlich dem Straßen-und Bahnverkehr zum Opfer fallen oder die 100 Millionen, die Jahr für Jahr gegen die Glasscheiben unserer Gebäude klatschen. Oder von unseren niedlichen Katzen und Katern gemeuchelt werden.


Ein Thema u. a. in der Sendung "Der Nachmittag" am 27.08.2021 auf SR 2 KulturRadio.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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