Brunners Welt (Foto: SR)

"Schiffbruch an der Saar"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 25.06.2021 16:20 Uhr

Nr. 838

Nicht dass Sie denken, ich sei ein fanatischer Asterix-Fan. Aber natürlich sind auch mir etliche der Figuren in dem gallischen Dorf und drumherum ans Herz gewachsen. Troubadix, der gern geknebelte Sänger beispielsweise, Gutemiene, die wackere Frau des Häuptlings Majestix, und ganz besonders die Piraten, die regelmäßig von Asterix und seinen Kumpels versenkt werden. Oder sich auch gerne einmal in vorauseilender Hoffnungslosigkeit selbst versenken.

"Schiffbruch an der Saar"
Podcast [SR 2, Peter Tiefenbrunner, 24.06.2021, Länge: 03:50 Min.]
"Schiffbruch an der Saar"

Gerade wieder musste ich an diese vom Schicksal gebeutelte Truppe denken, als die saarländischen Grünen auf ihrem Parteitag nicht nur gleich zwei Kandidatinnen scheitern ließen, sondern im Anschluss auch noch den längst abgemusterten Hubert Ulrich auf das Schild hoben. Eben jene grüne Altlast also, von dem schon Cohn-Bendit anno 2009 gesagt hat, er halte ihn für "eine zweifelhafte Persönlichkeit. Er ist ein Mafioso". Das war zu Zeiten, als der Kreisverband Ulrichs mysteriöserweise auf Mitgliederzahlen angeschwollen war, an die nicht einmal die Frankfurter Grünen herankamen. Was dem grünen Hubert aber dabei half, die Jamaika-Koalition zu schmieden, sehr zum Wohlgefallen des schwerreichen FDP-Ostermanns, bei dem er auch noch angestellt war. Manch einer wird sich vielleicht noch erinnern.

Effizienter jedenfalls, als ausgerechnet diese dubiose Figur zum aktuellen Spitzenkandidaten zu machen, hätte man die Selbstversenkung des ohnehin schon eher müde herum dümpelnden Saar-Grünen-Kahns kaum bewerkstelligen können. "Auf Hubert Ulrich freut sich in Berlin niemand", schallt es aus der Berliner Parteizentrale. Sein Come-back sei "ein echtes Problem" und weder Baerbock noch Habeck wollen an gemeinsamen Veranstaltungen mit Ulrich teilnehmen. Mit leisem Gluckern verschwindet der Kahn endgültig in den trüben Fluten. Ob er bis zu den Landtagswahlen 2022 noch einmal zu heben sein wird? Eher gewinnt das havarierte Schwimmschiff an Saarbrückens Promenade das nächste Drachenbootrennen.

Wer nun auf der Suche nach aussichtsreicher Opposition den Blick aus dem Mastkorb über die Fluten der Saar schweifen lässt, wird auch backbords kaum fündig. Die saarländische Linke hat sich nämlich schon kurz zuvor ebenso säuberlich aufgerieben. Da hat Steuermann Lutze den alten Captain Lafontaine aufgefordert, nun endlich die Brücke zu verlassen - sprich aus der Partei auszutreten! Worauf der nun wieder lautstark davor warnte, diese seine eigene Partei zu wählen. Lutze sei ein Betrüger, die Linke "unter die Räuber gefallen".

Auch Sahra Wagenknecht wird von einigen Genossen der Parteiaustritt nahegelegt, wegen unbotmäßiger Anmerkungen zur Parteilinie in ihrem letzten Buch. Meine Nachbarin Barscheck fragt sich dabei, wie viele von Sarahs Kritikern mehr von ihrem Buch gelesen haben, als ein paar knackige Zitate. Wie auch immer, auch der Linken-Dampfer nimmt nicht gerade eindeutig Kurs auf die Berliner Regierungsbank. So steht zu befürchten, dass es mit dem häufig verkündeten Neuanfang auch diesmal so recht nichts werden wird.

Die gallischen Piraten hatten wenigstens einen nachvollziehbaren Grund dafür, die eigenen Planken zu zerhacken. Die bekannten kampfstarken Helden aus dem kleinen Dorf nämlich. Die oppositionellen Schipper an der Saar brauchen zum Absaufen keine Gegner – die kriegen das ganz alleine hin. Hey Ho und ne Buddel voll Rum!


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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