Brunners Welt (Foto: SR)

"Unter Masken"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 26.03.2021 16:40 Uhr

Nr. 825

Nicht dass Sie denken, mir machten die Corona-Masken besonders zu schaffen. Oder besser: der Mund-Nasen-Schutz, ein Begriff, den man vielen Zeitgenossen gar nicht oft genug unter den freiliegenden Riechkolben reiben kann. Nach fast einem Jahr mit dem Virus ist mir beim Verlassen der Wohnung der Griff zur Maske ebenso selbstverständlich geworden, wie das Einstecken von Schlüsselbund, Geldbörse und Zahnbürste. Letzteres eine alte Angewohnheit aus vergangener Jugendzeit.

Erinnern Sie sich noch an die Anfänge? Als uns Verwandte, Arbeitskolleginnen und Nachbarinnen mit meist recht eigenwillig gestalteten Stoffteilen versorgten, die wir uns dann vors Gesicht hängten. Natürlich war auch damals schon klar, dass diese sogenannten "Alltagsmasken" nicht den höchsten Anforderungen an Virenschutz genügten, aber: hey, es war nichts anderes da. Nicht einmal Krankenhauspersonal hatte genügend Profischutz! Der letzte Blick so manches Patienten dürfte vor der Narkose auf die Reste eines graukarierten Küchenhandtuchs gefallen sein. Sei's drum, die meisten haben das überlebt.

Inzwischen ist der Dresscode für den Corona-Maskenball ja deutlich strenger geworden: Mit einer simplen OP-Maske können Sie nicht einmal mehr am Gemüsestand landen – es sei denn, die Marktfrau spricht sie vernehmlich mit "Herr Dr." an. Sonst gilt strikt FFP 2 – die weißen Hundeschnauzen stören uns beim Schlangestehen schon längst nicht mehr. Auch diese waren zu Beginn knapp auf dem Markt. Es scheint, als ob jede Ankündigung des Krisenministers Spahn, dass irgendetwas zur Krisenbekämpfung essenziell Notwendiges nunmehr auch wirklich oder gar umsonst kommen werde, zum sofortigen Verschwinden der jeweiligen Ware aus den Regalen führe.

Eigentlich unverständlich, denn dank des ominösen Paragrafen 14, Abs. 4.3 der Vergabeordnung sind öffentliche Ausschreibungen in der Krise ausgesetzt. Aufträge können freihändig vergeben werden – wovon Herr Spahn auch ausgiebig Gebrauch machte. Als er dann aus dem Kaufrausch wieder erwachte, hatte er für eine schlappe Milliarde eingekauft und musste die Abwicklung des Auftrags ermattet an die Beraterfreunde von Ernst&Young abgeben. Für weitere 9,5 Millionen Euro. Dass in dieser Goldgräberstimmung auch der ein oder andere Parteifreund das Patschehändchen aufhielt, wissen wir nun und es wundert uns nicht wirklich.

Nun, wie auch immer, sicher maskiert sind wir bis zur dritten Welle gekommen, und wo uns einst der Atemschutz Hoffnung spendete, bleibt uns heute nur noch der Impfstoff. bzw. die Impfstoffe, die ebenso wenig in ausreichender Zahl verfügbar sind, wie einst die Gesichtsbedeckung. Hatte nicht auch die Impfstoffe der Minister schon zugesagt? - Blieben uns ja noch die diversen PCR-, Schnell- und Selbsttests zur Überbrückung der Zeit bis zum jeweiligen Impftermin – aber auch da steht eine feste Spahn'sche Zusage im Weg … Unter den Masken knirschen leise die Zähne des Volkes.

Nochmal wegen der Masken: Ist Ihnen eigentlich klar, ob und wenn ja wie man die Dinger nun mehrfach verwenden kann? Bis zu siebenmal, mit jeweils sieben Tagen Tragepause? Oder sollen wir doch den aufgedruckten Code "NR" für "Not reusable" ernst nehmen und die Virentüten nach einmaligem Gebrauch entsorgen? Und wenn ja wo?

Wär jedenfalls wirklich schade um die Girlande im Flur meiner Nachbarin Barscheck mit all den handschriftlich und bunt mit Tragedatum versehenen FFP2-Masken! Aber nur Mut, Schwestern und Brüder im Virenland: Die Impfung ist ja inzwischen Chefinnensache der Kanzlerin. Die lässt das jetzt von einer frisch installierten Taskforce regeln! Geleitet von Jens Spahn und Andi Scheuer. - Sagte ich Andi Scheuer? Sauerstoff! Maske! Schnell!


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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