Brunners Welt (Foto: SR)

"36"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 29.01.2021 16:40 Uhr

Nr. 817

Nicht dass Sie denken, ich hätte noch große Pläne für die Zukunft. Für das Zeugen von Kindern und das Bauen eines Hauses ist es nun doch ein wenig spät. Und Bäume habe ich schon etliche gepflanzt. Wenn auch nicht eigenhändig mit Schäufelchen und Gießkanne, aber erst jüngst wieder über den Baumarkt, der versprochen hat, gleich eine Million davon in den Himmel wachsen zu lassen. Einer davon ist meiner.

Von all dem, was ich mir als Kind so vom Leben gewünscht habe, ist mir das meiste auch erspart geblieben: Reichtum, Ruhm und die heldenhafte Rettung der blonden Nachbarstochter aus den Fängen irgendwelcher unsäglichen Bösewichter – Fehlanzeige. Viele Jahre habe ich auch davon geträumt, zu meinen Lebzeiten dem Besuch eines außerirdischen Raumschiffes beiwohnen zu dürfen. Oder doch wenigstens irgendeine Kontaktaufnahme aus den Weiten des Alls zu erleben. Wie wir alle - außer den Anhängern von Herrn Däniken und den UFO-Gläubigen – wissen, hat sich in dieser Hinsicht bis heute auch noch nicht viel getan.

Dafür konnte ich aber kürzlich von einer wissenschaftlichen Studie lesen, die zu dem doch irgendwie erstaunlichen Ergebnis kam, es gebe 36 intelligente Zivilisationen in unserer Galaxis. 36. Warum gerade 36? Und nicht etwa 42, was ja laut Douglas Adams die Antwort auf „die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ ist. Oder meinetwegen 51, wäre angesichts von etwa 250 Milliarden Sternen in unserer Heimatgalaxis immer noch ein wenig dürftig. Wie sind die Forscher auf diese Zahl gekommen? Man ist einfach davon ausgegangen, dass es überall im Universum etwa solange dauern würde wie auf unserem Planeten, bis sich aus der noch ziemlich doofen Ursuppe eine Spezies entwickelt, die sich zumindest selbst für intelligent hält. Und entsprechend benimmt, also wild in der Gegend herumfunkt, gewaltige Mengen von Energie freisetzt und sich dann noch ein bisschen Zeit lässt mit der Selbstausrottung.

Allerdings weiß niemand, ob wir nun mit fünf Milliarden Jahren eine besonders flotte Evolution hingelegt haben oder ob wir damit in einer galaktischen Pisa-Studie eher auf den hinteren Plätzen landen würden. Die durchschnittliche Entfernung zwischen diesen intelligenten Zivilisationen schätzen die Studienautoren jedenfalls auf etwa 17.000 Lichtjahre. Nicht gerade eine Distanz, über die man mal eben auf ein Bierchen vorbeikommt. Aber, so gibt der Leiter der Studie zu Protokoll, es mache doch Spaß, sich darüber Gedanken zu machen. Bestimmt. Vielleicht ist es aber auch nur gelungen, die am wenigsten hilfreiche Studie aller galaktischen Zivilisationen zu verfassen. Der Kosmos schweigt dazu diplomatisch.

Wir indes haben schon etliche Kontaktversuche ins All gesandt. Schon im 18. Jahrhundert gab es den Vorschlag, in Sibirien eine gewaltige Steckrübenpflanzung in Form des pythagoreischen Lehrsatzes anzulegen. Die wäre allerdings nur von etwaigen Mondbewohnern zu erkennen gewesen. Aber man versucht es weiter: Auf zwei Pioneer-Raumsonden hat man goldene Plaketten angebracht mit Infos über die Menschheit und ihren Lebensort. Zwei andere Sonden tragen je eine Datenplatte mit sich, auf der unter anderem auch Musik von Bach bis Chuck Berry zu hören ist. Keine Reaktion.

Meine Nachbarin Barscheck fragt sich, ob eine wirklich intelligente Zivilisation überhaupt Lust hätte, uns zu kontaktieren. Und zitiert Stephen Hawking: "Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich intelligentes Leben zu etwas entwickeln könnte, dem wir nicht begegnen wollen."


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja