Brunners Welt: "Islamkonferenz"

„Islamkonferenz“

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 13.11.2020 16.20 Uhr

Nr. 807

Nicht dass Sie denken, ich hätte etwas gegen den Islam. Jedenfalls nicht mehr als gegen andere Religionen – aber das sind meine privaten Ansichten. Ebenso wie auch Religion und Glauben private Angelegenheiten sein sollten. Zumindest in einem säkularen Staat wie dem unseren. Zur grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit gehört eben auch, dass man auf die berühmte Gretchenfrage „Nun sag, wie hast du's mit der Religion?“ frank und frei antworten darf: „Och, jetzt eigentlich eher nicht so.“ Andererseits darf natürlich auch jede und jeder an Gott, Allah, Kali und notfalls auch an Zeus oder Teutates glauben und das auch kundtun. Da sollte sich der Staat raushalten und die Religionen wiederum sollten sich aus den Staatsbelangen ebenso raus- wie die Gesetze des Staates einhalten.

Ist aber nicht so, wie wir alle wissen. Es gibt ja Religionsgemeinschaften, die z.B.eine gleichberechtigte Stellung von Frauen ebenso ablehnen wie homosexuelle Lebensgemeinschaften und die der Meinungsfreiheit Grenzen setzen wollen, wenn sogenannte „religiöse Gefühle“ verletzt werden könnten. Einige lassen sich gar ihre Glaubensüberzeugungen von im Ausland befindlichen Institutionen vorschreiben.

Nein, ich rede jetzt nicht von der katholischen Kirche – die ist offenbar für unseren Staat kein Problem. Aber der Islam schon, weswegen jetzt gerade wieder Horst Seehofer zur Islamkonferenz gebeten hat, um dort zu besprechen, wie man einen „deutschen Islam“ auf den Weg bringen könne. Oder wenigstens Imame hierzulande ausbilden, und zwar im Sinne unserer deutschen Werte und Rechte. Statt sie sich aus der Türkei schicken und von dort auch bezahlen zu lassen.  Das Islamkolleg in Osnabrück will demnächst auch schon die ersten Imame schulen. Land und Bund werden sich dabei, so der Beschluss, finanziell beteiligen. Auch wenn Ditib, der größte Islamverband in Deutschland, schon gleich verkündet hat, dass ihre Gemeinden solche Imame nicht anstellen wollen, sondern lieber selber ausbilden. In einem eigenen Kolleg in der Eifel. Das liegt zwar in Deutschland, die künftigen Imame dort haben aber ihr Theologiestudium in der Türkei absolviert. Ob die auch finanziell vom Staat unterstützt werden, ist mir nicht bekannt.

Aber: Bevor jetzt das Geschrei wieder losgeht, warum „der Steuerzahler“ jetzt  für die Ausbildung religiöser Amtsträger aufkommen solle: Ist im Falle der christlichen Kirchen lange geübter Brauch. Wir zahlen die Ausbildung der Religionslehrer ebenso selbstverständlich, wie wir jedes Jahr ca. 500 Millionen Euro für die Gehälter von Bischöfen, Erzbischöfen, Weihbischöfen und Vikaren hinlegen. Und nicht etwa aus den Kirchensteuern, sondern dazu müssen wir alle, ob wir nun an Gott, Allah oder gar nix glauben unser Scherflein beitragen. Ist es denn da nicht nur gerecht, wenn auch der Islam..?

Ja, vielleicht schon. Aber vielleicht könnte man ja auch mal darüber nachdenken, endlich mal ernst zu machen mit der Trennung von Kirche und Staat. Statt noch mehr verschiedene Religionen staatlicherseits zu fördern, ihnen Mitsprache an Gesetzgebung und alle möglichen Sonderrechte einzuräumen und sie unsere Kinder in den Schulen streng nach Konfession voneinander getrennt unterrichten zu lassen. Wie wäre es, wenn  im Rahmen eines gemeinsamen Unterrichts über die verschiedenen Religionen gemeinsame Grundlagen für Kennenlernen und Verständnis gelegt werden?

Für Gretchen immerhin, merkt meine Nachbarin Barscheck an, war  ja der Faust ein „herzlich guter Mann“, obwohl sie ahnte, dass er von der Religion „nicht viel“ halte. Ist doch schon mal was.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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