Brunners Welt (Foto: SR)

"Gut oder Böse"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 28.08.2020 15.20 Uhr

Nr. 796

Nicht dass Sie denken, ich sei ein eingefleischter Fan der großen Filmepen vom finalen Kampf "Gut gegen Böse". Harry Potter gegen Ihn, dessen Name nicht genannt werden darf - also Lord Voldemort. Elben und Hobbits versus den dunklen Herrscher Sauron im "Herr der Ringe" oder der mit dem Lichtschwert ausgetragene Fight gegen die dunkle Seite der Macht. Ich gehöre zu den wenigen Menschen, die es geschafft haben, einen kompletten Star-Wars-Film samt Dolby-Sorround-Getöse im Kino zu verschlafen. Meine Nachbarin Barscheck ist meine Zeugin.

Wenn man sich aber die Nominierungs-Shows der Präsidentschaftskandidaten in den USA anschaut, fühlt man sich doch unversehens in einen solchen Endkampf-Schinken versetzt. Da versichert Joe Biden, er "stehe auf der Seite des Lichts" und werde gegen die Dunkelheit zu Felde ziehen, die – drunter geht’s nicht – den Untergang Amerikas betreibe. May the force be with him!

Er wird sie nötig haben, denn der amtierende Präsident Trump zieht ebenfalls in den letzten Kampf bzw. "die wichtigste Wahl in der Geschichte dieses Landes". Von der er zwar nicht so viel Ahnung hat, wie mehrfach unter Beweis gestellt, aber es ist doch eine Ansage. Er sei der "Verteidiger der Werte des Westens" ist zu hören, sein Gegner dagegen "eine Marionette linksradikaler Politiker", der den Kommunismus einführen, eine "Kulturrevolution" anzetteln und – schlimmer geht’s nimmer - "die Vororte abschaffen" will. Teufel auch. Trump junior weiß sogar: "Joe Biden ist im Grunde das Loch-Ness-Monster des Sumpfes". Was für ein Sumpf? Loch Ness ist ein fischreicher See im schottischen Hochland – aber wurscht: Sumpf ist böse.

Klar ist jedenfalls: Nur Donald Trump kann die Welt retten – vor was auch immer. Die berüchtigte Qanon-Bewegung glaubt fest, er sei auserwählt, die Welt vor demokratischen Satanisten zu retten, die Kinder fressen. Und was sagt der Präsident dazu? "Wenn ich dabei helfen kann, die Welt vor einem Problem zu retten, dann will ich das tun." Nicht dass Sie denken, ich fände dieses amerikanische Polit-Showgehabe gut – aber es macht ja schon was daher.

Bei uns zulande fehlt im ja ebenfalls anstehenden Kandidaten-Rummel für derlei Inszenierungen schlicht das Personal. Allenfalls Friedrich Merz könnte noch als untoter Nosferatu durchgehen, aber sonst? Markus Söder hat sich schon durch zu viele Kuschel-Videos mit Hunden, Katzen und jedwedem Viehzeug, das nicht schnell genug wegkam, als Bösewicht disqualifiziert. Und als lichter Kämpfer gegen das böse Virus sind ihm erst kürzlich ein paar hundert verschlampte Testergebnisse in die Parade gefahren. So ist er halt nur der Kandidat, der laut Umfragen zwar vom Volk gewollt wird, aber – so sagt er – selbst nicht will.

Sein Unions-Konkurrent Armin Laschet dagegen will zwar – wird aber eher nicht gewollt. Und macht auf der nach oben offenen Helden-Skala bestenfalls ein paar Punkte durch einen gewissen Hobbit-Appeal. Olaf Scholz... äh... ja... ist halt Olaf Scholz. Da kann er noch so oft "Wumms" sagen. Auf der grünen Seite der Macht dagegen tobt noch der Kampf zwischen Robert und Annalena. Das heißt, da "tobt" gar nichts, und „gekämpft“ wird auch nicht. Da wird allenfalls solidarisch und freundschaftlich diskutiert, aber möglichst nicht öffentlich und schon gar nicht zu kontrovers. So ein Image kann schon ganz schön nerven! Und dann stellt sich auch noch raus: Das befragte Volk will mehrheitlich eine schwarz-grüne Koalition und als Kanzlerkandidaten den Cem Özdemir. Show-tauglich ist das alles wahrlich nicht so recht. Meine Nachbarin Barscheck vermutet allerdings, dass wir nach dem Showdown in den USA darüber ganz froh sein werden. Kann gut sein.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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