Brunners Welt (Foto: SR)

„Robo-Tick“

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 21.08.2020 16.40 Uhr

Nr. 795

Nicht dass Sie denken, ich machte mir's mal wieder leicht. Würd ich natürlich gerne, aber natürlich nicht auf Kosten anderer. Das heißt folgerichtig, ich müsste es mir auf eigene Kosten leicht machen - und das kann ich mir nicht leisten. Natürlich habe ich mir schon vor Jahren beispielsweise einen Saugroboter zugelegt. So eine kleine Scheibe, die, sobald ich die Wohnung verlasse, zwar brummend, aber ohne Murren, ihre Reinigungstätigkeit aufnimmt. Und bei Nachlassen ihrer Leistungsfähigkeit, also wenn der Akku schwächelt, selbsttätig ihre Ladestation wieder aufsucht und sich fit für den nächsten Einsatz macht. Soweit der Prospekt.

Wegen meiner oben angedeuteten finanziellen Beschränkungen hat es natürlich nicht zur Nummer 1 im Sauger-Ranking gelangt. Mein Blechknecht war aus Plastik und hatte von so einem Ranking noch nie gehört. Also fand ich „Robbie“, wie meine Nachbarin Barscheck und ich das Helferlein getauft hatten, regelmäßig gestrandet im Flur, unter Tischen oder hilf- und stromlos vor einer Teppichkante. Ein Test ergab, dass Robbie in neun von zehn Fällen die Ladestation einfach nicht fand – oder auf der Suche nach ihr die letzte Amperesekunde aus dem Akku verdaddelte, um dann mit einem letzten, wehmütigen Surren zu verenden. Gerne verbrachte er auch seine gesamte theoretisch mögliche Saugzeit zornig brummend halb unter dem Sofa festgeklemmt.

Etliche Wochen musste ich Robbie aus diversen misslichen Lagen retten, von halbverschluckten Kabeln befreien oder wie ein schlafendes Kleinkind auf meinen Armen zum Nuckeln an die Ladestation tragen. Ich gebe zu, es war eher eine Erleichterung, als schließlich gleich zwei der mickrigen Gummiriemen, die Robbies Bürstchen zum Drehen bewegen sollten, materialermüdet rissen. An eine Ersatzteillieferung der koreanischen Herstellerfirma war glücklicherweise nicht zu denken.

Nicht zuletzt wegen dieser Erfahrungen verweigert meine Nachbarin die gemeinsame Anschaffung eines Mähroboters – wäre wohl auch für unser handtellergroßes Grasstück im Hofhypertroph. Meine Hoffnung auf eine rasche Entwicklung – auch preislich - der Robotertechnik ist dennoch ungebrochen. Die Vorstellung, dass ein fröhlich pfeifender Elektrodiener mir morgens den frisch gebrühten Darjeeling ans Bett bringt, nachdem er in der Nacht zuvor die Hemden gebügelt und die Waschmaschine befüllt hat, geht mir nicht aus dem Kopf.

Apropos, aus dem Kopf gehen. Gerade las ich wieder von den Plänen des Herrn Tesla, einen implantierbaren Chip zu entwickeln, der sich mit haarfeinen Tentakeln mit dem Gehirn verbinden und dann vom Smartphone die verschiedensten Inhalte direkt in die Weichware seines Trägers laden können soll. Sprachen beispielsweise – gut, um die multilinguale Gebrauchsanweisung des Teils lesen zu können, wenn Deutsch gerade mal wieder aus war. Ebenso soll die neue Schnittstelle zum Gehirn es möglich machen, Musik direkt im Kopf zu hören. Das gibt es allerdings schon völlig ohne Batterieverbrauch. Man nennt es Ohrwurm und jeder, der schon mal von einem elektronischen Helferlein mit einem einschlägigen Song geweckt wurde, weiß von dem Elend, stundenlang eine Melodie im Kopf zu hören.

Aber abgesehen davon: Tesla verspricht auch, dass man dann endlich nur per Gedanken seinen Rechner steuern kann. Goldene Zeiten für Langsamtipper wie mich. Meine Nachbarin allerdings freut sich schon auf das Ergebnis, sagt sie mit boshaftem Lächeln. Ich weiß zwar nicht, woran sie dabei denkt. Aber vielleicht hat sie sogar Recht. Was einem alles so durch die Birne rauscht beim Tippen – will man vielleicht nicht alles auf dem Schirm haben.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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