Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Frauenpower"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 10.07.2020 15:40 Uhr

Nr. 789

Nicht dass Sie denken, ich gönnte unserer AKK nicht noch einen letzten Knaller vor dem Abgang. Ist ja klar, dass sie ihrer Partei etwas Bleibendes hinterlassen möchte – quasi als Dank für die schönen Jahre als Parteivorsitzende. Also legte sie dem Satzungsausschuss ihrer Partei eine verbindliche Frauenquote auf den Sitzungstisch und – tatsächlich! - das Ding ging durch. Mit 34 zu 7 Stimmen. Nach einem Stufenplan soll bis 2025 eine Frauenquote von 50 Prozent eingeführt werden.

Klar, das Papier muss noch vom Bundesvorstand bestätigt werden. Und vor allem braucht es noch eine Mehrheit auf dem Bundesparteitag im Dezember. Das könnte eng werden – wenn man die schon jetzt leidenschaftlich vorgetragene Kritik hört. Die Präsidentin des CDU-Wirtschaftsrates beispielsweise findet, dass es so was doch angesichts einer Kanzlerin und einer EU-Präsidentin, dreier Bundesministerinnen und einer Parteivorsitzendin gar nicht mehr brauche. Wobei Kanzlerin und Parteivorsitzende allerdings nicht mehr lange im Amt sein werden.

Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten empört sich ebenfalls gegen das dreiste Ansinnen, Parteiämter künftig zur Hälfte mit Frauen zu besetzen! Unter anderem deswegen, weil das nicht den Frauenanteil in der Partei widerspiegeln würde. Das allerdings ist wahr: Nur ein gutes Viertel der CDU-Mitglieder ist weiblich. Weswegen auch schon Bedenken in der Partei laut wurden, man habe, gerade auf der Kreisebene, gar nicht genug Frauen vorrätig.

Was tun? Sollen also wirklich, wie im Entwurf vorgesehen, dann Ämter unbesetzt bleiben? Oder werden in verzweifelten Kreisverbänden dann doch gestandene Mannsbilder im Gebrauch von Puderquaste und Lippenstift unterwiesen und ins kleine Schwarze gequetscht, um leere Sessel im Kreisvorstand zu vermeiden? Man mag es sich gar nicht vorstellen.

In der Tagesschau trat ein ratloser Jung-Abgeordneter vor die Kameras und beklagte, dass eine Frauenquote den Leistungsgedanken aushebele, der doch bestimmend sei für die CDU. Meine Nachbarin Barscheck stellt sich allerdings beim Anblick des smarten Jungmannes die Frage, ob denn wohl tatsächlich alle männlichen Abgeordneten nur aufgrund eigener Leistungen in ihre Ämter gelangt seien – oder ob da nicht Papas Geld und Verbindungen, geschicktes Netzwerken in Parteikreisen oder Seilschaften aus studentischen Verbindungen auch eine gewisse Rolle gespielt haben könnten. Hier und da.

Barscheck mag ohnehin nicht daran glauben, dass die Quote wirklich kommt. Sie hat noch zu gut in Erinnerung, wie ein entsprechender Vorstoß des bayrischen Feministen Söder beim Parteitag im letzten Oktober abgestunken ist. Und welch tosenden Applaus eine Abgeordnete aus Berchtesgaden dort erzielte, als sie vehement „gegen den Narrativ von den bösen Männern“ zu Felde zog. Und damit selbst dem an sich neutralen Wort „Narrativ“ ein männliches Geschlecht verpasste. Gut so – und angemessen in einem Landstrich, der auch gerne „der Butter“ sagt, den sich das bayrische Mannsbild nicht gerne vom Brot nehmen lassen will. Schon gar nicht vom Weibsmensch.

CDU-Generalsekretär Ziemiak ging denn auch in die entscheidende Ausschusssitzung mit den Worten, man werde dort "bis an die Schmerzgrenze" gehen. Anscheinend geht so eine Frauenquote sogar noch ein ganzes Stück darüber. Ein qualvolles Gequieke und Jammern erhebt sich jedenfalls darob, als drohe nun den Unionsmännern – meint meine Nachbarin – die betäubungslose Kastration.

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 10.07.2020 auf SR 2 KulturRadio.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja