Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Hattu Möhrchen?"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 03.07.2020 16:20 Uhr

Nr. 788

Nicht dass Sie denken, ich suchte neue Herausforderungen. Aber nun hat sich die Lage an der Corona-Front im Saarland – gottseidank! - ziemlich entspannt. Auch die mit einer gewissen Aufregung gleich am ersten Tag heruntergeladene Corona-App meldet seit inzwischen mehr als vierzehn Tagen in gleichbleibendem Grün nichts außer "Bisher keine Risikobegegnungen". Da schlumpft man sich dann doch in einen eher beiläufig Corona-bestimmten Alltag mit Abstand und gelegentlicher Maskierung rein. Die vielzitierte "neue Normalität" halt.

Aber jetzt das! Hasenpest im Saarland! Nie gehört davon! Aber schon ein oberflächlicher Faktencheck zeigte: Diese auch Nagerpest oder Lemmingfieber genannte Krankheit gilt als veritable Zoonose, sprich: kann auch Menschen infizieren. Meine Nachbarin Barscheck vermutete sofort Symptome wie eine Verformung der Ohren, das Zurückziehen der Oberlippe über den Nagezähnen oder einen unstillbaren Appetit auf Möhren. Und sah schon in stiller Gier mümmelnde Supermarktbesucher vor sich mit Einkaufswagen voller Karotten und Bettseicher. Aber nein, all das ist es nicht. Stattdessen tatsächlich pestähnliche Symptome wie Geschwüre, hohes Fieber und alle möglichen grippeähnlichen Beschwerden.

Nicht dass ich jetzt eine erneute Panikwelle auslösen möchte: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch scheint ausgeschlossen, Sie müssten sich schon direkt mit wildlebenden Rammlern oder Zibben einlassen. Ganz direkt – indem Sie so ein Tierchen anfassen, sei's zum Streicheln oder zum verzehrgerechten Häuten oder waidmännischen Aufbrechen. Sollten Sie also beim Social-Distancing in der freien saarländischen Natur unabsichtlich Zeuge werden, wie sich Fuchs und Hase Gute-Nacht sagen, müssen Sie nicht gleich das Hasenpanier ergreifen. Sollten sich aber doch mit einem freundlichen Gruß aus der sozialen Distanz ihres Weges trollen.

Ansonsten aber hat die Hasenpest durchaus das Zeug zu einer veritablen Seuche. Samt beachtlicher Mortalitätsrate (unbehandelt!) und hoher Infektionsdichte. Einen Impfstoff gibt es – zumindest in Deutschland - auch nicht. Natürlich hat das RKI bereits Empfehlungen parat – Jäger sollten beim Zerlegen geschossener Tiere Mund-Nasenschutz tragen. Und Handschuhe! Sowie natürlich regelmäßiges und regelgerechtes Händewaschen. Auch einen wohlklingenden Erreger hat die Hasenpest zu bieten: Francisella tularensis. Ein Bakterium, das allerdings mit handelsüblichen Antibiotika beim Menschen gut zu behandeln ist.

Und selbst für die Freunde gepflegter Verschwörungstheorien bietet sich Stoff: In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte das US-Militär Waffensysteme, die das Bakterium als Aerosol verteilen sollten. 1969 schätzte die WHO, dass eine derartige Verteilung von 50 Kilogramm des Bakteriums über einer Stadt mit fünf Millionen Einwohnern 250.000 Kampfunfähige und 19.000 Tote ergäbe. Alles da: Labore, geheime Waffen, USA und WHO. Ans Werk also, werte Kämpferinnen und Kämpfer gegen die sinistren Pläne irgendwelcher Eliten.

Aber bevor ich jetzt doch noch als rodentophober Panikmacher wirke – bitte beruhigen Sie Ihr möglicherweise schon wild klopfendes Hasenherz: Zwar haben wir schon fünf Infizierte im Saarland – aber das sind alles Hasen. Sollten Sie also einschlägige Symptome zeigen, haben Sie wahrscheinlich nicht einmal Corona. Sondern nur einen harmlosen grippalen Infekt. So wie mich nur ordinäre Langeweile zu diesen abwegigen Überlegungen gebracht hat, meint Frau Barscheck. Beim Zubereiten einer großen Schüssel Karottensalat.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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