Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Umzugsstress"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 19.06.2020 15:20 Uhr

Nr. 786

Nicht dass Sie denken, ich hätte unserem Treppenabsatz den Rücken gekehrt. Ich weiß nicht einmal, ob ein regelrechter Umzug unter Corona-Bedingungen überhaupt statthaft wäre und wenn ja, unter Beachtung welcher Sicherheitsvorkehrungen. Wie trägt man eine nur 60 cm breite Waschmaschine zu zweit, ohne sich dabei näher als einen Meter fünfzig zu kommen? Wie hustet man in die Armbeuge, wenn man gerade einen Bücherkarton schleppt? Aber wie dem auch sei, ich trage mich keinesfalls mit irgendwelchen Plänen, der nachbarlichen Gemeinschaft mit Frau Barscheck zu entfliehen.

Trotzdem befinde ich mich mitten in Umzugswirren, allerdings, ganz zeitgemäß, nur virtuell. Nachdem mein alter Rechner mich zunehmend mit Meldungen wie "Kamera nicht gefunden" oder "Kein Mikrofon vorhanden" überrascht hat - meist mitten in Zoom-, Skype- oder  Webex-Konferenzen – oder sich hämisch weigerte, emails herunterzuladen, war der Ankauf eines neuen Elektroknechtes nicht mehr zu vermeiden.

So weit so gut, nur ist das neue Ding zunächst mal dumm wie Brot, bzw. wie Cortana. Das ist die eingebaute elektronische Dame, die die Grundeinrichtung des Rechners im hilfreichen Dialog mit mir durchführen möchte. Allerdings die Hälfte meiner Antworten gar nicht und die andere Hälfte missversteht. Oder auf meine völlig korrekte Namensnennung "Brunner" mit der Ansage reagiert: "Ich helfe dir gerne, diesen Ort zu finden". Seitdem weiß ich, dass es circa zwanzig Unternehmen dieses Namens quer durch die Republik gibt, vom Malermeister bis zum Sonnenschutzanlagenhändler, musste mir allerdings Cortana zuliebe das Pseudonym "Brunsky" zulegen, das sie seltsamerweise sofort akzeptierte.

Und nachdem mir nach mehreren Stunden verzweifelter Einrichtungsversuche der Stoßseufzer "Cortana, lach doch mal" entfuhr, musste ich feststellen, dass die vielseitige Assistentin eine Vielzahl von Lachern drauf hat, von Hexe bis Prinzessin und Pirat, nebst der Lache eines ominösen Steve Urkel, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Was seinem Lachen zufolge auch gut so ist.

Nachdem das muntere Plauderstündchen letztlich doch zum gewünschten Ergebnis geführt hatte, konnte der eigentliche Umzug beginnen. Nicht anders als beim Real-Life-Ortswechsel müssen Ordner vom alten Ort an den neuen transportiert, Text- und Musikbibliotheken neu verräumt werden. Und vor allem Programme neu installiert werden. Wo zum Teufel hatte ich nochmal das liebgewonnenen Sudoko-Spiel her? Und wo genau sind die Dateien meines elektronischen Karteikastens abgelegt? Und die alten emails lassen sich auch nur nach langen Besuchen in den Foren irgendwelcher Computer-Nerds vom alten auf den neuen Rechner übertragen.

Am nächsten Morgen fand mich meine Nachbarin schlafend am Schreibtisch vor, den Kopf auf ein wirres Knäuel von Strom-, Netzwerk- und USB-Kabeln gebettet, inmitten beider Computer und diverser Festplatten. Begleitet vom grässlichen Gelächter eines gewissen Steve Urkel. Praktisch, wie Barscheck nun mal ist, brachte sie wenige Minuten später einen Becher Kaffee und die alte Schreibmaschine ihrer Mutter. Auf der ich dann diesen Leidensbericht verfassen konnte. Ein Ausflug in die Welt des analogen Hackens, der durchaus seinen Reiz hatte.

Wenn nur nicht auf den letzten Metern ausgerechnet die "E"-Taste geklemmt hätte. Abr di paar Sätz wrdn schon noch klappn. Muss ja. Nur di Schlusspoint wird so nix. Mist.... Barbara saß nah am Abhang. Hihihi. Nächst Woch dann nochmal mit Computr. Brunsky.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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