Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Schunkeln im Dunkeln"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 21.02.2020 16:40 Uhr

Nr. 769

Nicht dass Sie denken, ich hätte etwas gegen Frohsinn. Auch wenn ich die alljährlich hereinbrechende Narretei der organisierten Frohnaturen mit einer gewissen Skepsis betrachte. Und wenn ich dann doch einmal darüber nachdenke, den Schunkel-Scherzkeksen eine Chance zu geben, dann kommen mir Frontberichte von den närrischen Kampfhandlungen vor die Augen, wie der aus Auersmacher: "Wissen Sie, warum Frauen über 40 kein Verstecken mehr spielen?“, fragte der örtliche Pastor da bei der Sitzung der katholischen Frauengemeinschaft den Saal. Um dann die Antwort zu liefern: "Weil sie keiner mehr sucht". Brüller, Hochwürden! Laut Pressebericht erntete dieser abgestandene Altherrenwitz "viele Lacher". Wo ist "Maria 2.0", wenn man sie mal brauchen könnte?

Meine Pappnase bleibt auch dieses Jahr wieder auf dem Grabbeltisch im Kaufhaus. Man kann auch Alkohol trinken, ohne lustig zu sein. Außerdem kann ich mich auch über ernstgemeinte Narreteien bestens amüsieren. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beispielsweise plant gerade die Herausgabe eines "Notfallkochbuchs" für den Katastrophenfall. Motto: Was kochen wir Leckeres, wenn uns der gefürchtete "Blackout" trifft? Also wenn uns der böse Russe, Chinese oder Araber per Cyberangriff den Saft abgedreht hat. Auf jeden Fall rechtzeitig vorher noch das Werbe-Video der Laienspielschar der Katastrophenbehörde angucken. Wer die dramatischen Szenen aus der dunklen Einbauküche gesehen hat, geht garantiert deutlich fröhlicher in die stromlose Zeit.

Was also sollen wir im Notfall essen? Mandel-Couscous, empfiehlt der Küchenchef, Pfannkuchen ohne Ei und zum Dessert Cashew-Dattel-Creme, alles natürlich vom Gas- oder Spirituskocher. Meine Nachbarin Barscheck ist von dieser fleischlosen Menüfolge schon mal recht angetan.

Die Wahrheit wird anders aussehen. Zunächst mal wird der blackout für orgienhafte Gelage sorgen: Die Tiefkühltruhe muss ja in den ersten 48 Stunden leer gefressen werden. Also landen die ersten drei Tage wohl Schwenker-, Lyoner- und Bratenvorräte auf dem Teller nebst diversen Fertiggerichten wie Kartoffelgratin oder asiatische Gemüsepfanne. Die glücklichen Besitzer von Gas-Backöfen haben vorher noch die eingelagerten Familienpizzen, Flammkuchen und Ofenbaguettes vertilgt – das Zeug muss als erstes weg.

Und erst dann, nach einem wegen akuter Magenüberdehnung eingelegten Fastentag, geht’s an die weise angelegten haltbaren Notvorräte. Was vermutlich dann doch meistens eher Spaghetti mit Fertigsoße und Käsespätzle sein werden, bevor man vom gewohnten Discounterfraß zur ambitionierten Notfall-Cuisine wechselt. Zumal chefkoch.de ja vom stromlosen Rechner aus nicht mehr erreichbar ist. Und die Kids die Akkus der Notebooks und Tablets längst leer gedaddelt haben – ohne Fernseher.

Übrigens: Wein, Schnaps und Bier - und ja: auch Wasser - halten sich ziemlich lang. Allenfalls die Kühlung könnte zum Problem werden, falls der blackout hinterhältigerweise nicht im Winter stattfindet. Aber zur Not geht’s auch mal lauwarm. Für das "Notfallkochbuch" werden übrigens noch Rezepte gesucht. An die Tasten, liebe Hausfrauen und -Männer! Rezepteschreiben ist doch eine schöne Beschäftigung für die tollen Tage. Dosenhering geht immer! Allez hopp!


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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