Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Blick zurück"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Dienstag 31.12.2019 15:40 Uhr

Nr. 761

Nicht dass Sie denken, ich nähme besonderen Anteil an Preisverleihungen. Veranstaltungen wie die Verleihung der Oscars, Bambis, Goldenen Kameras können mich nicht vor den Fernseher locken. Wer nun und wofür etwa Staatsbelobigungen wie Verdienstkreuze am Band oder ohne bekommt, lese ich gelegentlich, vergesse es aber umgehend wieder. Der Literaturnobelpreis ließ sich dieses Jahr kaum ignorieren dank der Diskussionen, die um Peter Handke entbrannt sind – aber alle anderen Namen der Chemiker, Physiker, Mediziner und anderer Fachkoryphäen waren mir schon entfallen, wenn ich auf der Seite für Vermischtes der jeweiligen Zeitung angelangt war.

Auf das nun vergangene Jahr zurückblickend, zucken mir allerdings schon einige Personen, Begebnisse und Begriffe durchs Gedächtnis, die mir  – je nach Blickwinkel – der Ehrung oder der Schmähung würdig erscheinen.

Ganz oben auf der Liste stehen meine beiden Kandidaten für den Titel „Mann des Jahres“: Zum einen Franck Ribery, der sich durch Verzehren eines in Blattgold gewickelten T-Bone-Steaks pünktlich zum Jahresbeginn vermutlich dauerhafter ins Gedächtnis der Nation eingebrannt hat als durch seine fußballerischen Triumphe. Es bleibt aber festzuhalten: Man wird nicht blöd vom Verzehren eines solchen Gerichtes – man war es schon vorher. Zweiter Mann des Jahres Andreas Scheuer, der Mann, der schneller unterschreibt als sein Schatten. Ihm ist es gelungen, auf dem traditionell nicht mit Geistesgrößen besetzten Stuhl des Verkehrsministers größtmöglichen Schaden anzurichten. Aktuell 560 versenkte Millionen, die der Steuerzahler der unvollendet von uns gegangenen PKW-Maut trauernd in die Grube nachwerfen darf.

Als Akronym des Jahres stelle ich das Doppel „Eskabo“ und „Nowabo“ auf das Siegertreppchen. Nach der Niederlage von Olaf Scholz – kurz: Oscho – hinterlassen die Neuen an der Spitze der SPD uns ratlos, ob sie die Partei nun Pro-Groko führen wollen oder ob die Groko nun doch ein NoGo wird. Oh oh!

Meine Nachbarin Barscheck nominiert zum Mariechen des Jahres die Aktion  „Maria 2.0“, die ihren Kampf um Gleichberechtigung in der katholischen Kirche durch einen Streik mit dem Ziel möglichst leerer Kirchen führten. Ein Ziel, dem die Kirche auch ohne Streik schon recht nahe gekommen ist.

Zum Unwort des Jahres wählt unser Treppenabsatz einstimmig das Wort „Respektrente“. Als anfängliches Heil-Versprechen hoffnungsfroh gestartet, ist sie aus dem Koalitions-Gezerre erwartungsgemäß als Schimäre einer „Grundrente  mit Einkommensprüfung“ wieder zum Vorschein gekommen, die den dank Niedriglohn zu Armutsrentnern gewordenen Alten den Respekt weiterhin versagt.

Das Siegel des Jahres haben wir der Ex-Weinkönigin und aktuellen Botschafterin des Bieres Julia Klöckner zu verdanken. Die Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und kostenlose Nestlè-PR präsentiert ihr „Tierwohl-Siegel“ mit mächtigem Tam-Tam als großen Schritt für den Tierschutz. Wobei der Schritt für die arme Sau auch 2020 nicht allzu groß ausfällt, wenn ihr statt einem Quadratmeter 1,2 zur Verfügung stehen. Und in puncto Ringelschwanz-Entfernung nur eine „Beschleunigung des Einstiegs in den Ausstieg“ winkt. Zum Tierwohl, Frau Klöckner.

Bleibt zum schlechten Ende noch der „Wissenschaftler des Jahres“. Diese Auszeichnung geht unangefochten an den Pneumologen Prof. Dieter Köhler für seine Erkenntnisse zur Unschädlichkeit von allem, was so ein Diesel von sich gibt. Wer hätte das gedacht: So ein Motor „gibt am Auspuff sauberere Luft ab, als er vorne angesaugt hat“. Auch 2020 kaum zu toppen – sollte man meinen. Guten Rutsch also.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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