Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Hang 'em high"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 13.12.2019 16:40 Uhr

Nr. 758

Nicht dass Sie denken, ich hätte eine fatale Liebe zu alten Western, aber well..., wenn in diesen kalten Tagen das Lagerfeuer flackert und der heiße Whiskey in den verbeulten Blechbechern dampft, dann werden sie erzählt, die Geschichten der einsamen Helden, der großherzigen Saloondamen und der gelackten Hochstapler und Quacksalber, die mit ihren Wundermittelchen durch den Westen zogen.

Mit großen Lettern hängen die Zettel in diesen Tagen der trüben Wintersonne an den Hauswänden und die Gazetten im ganzen Land drucken den Aufruf in ihren Seiten: "Wanted! Dead or alive" über dem Bild von Doc Andy, dem Mann, der schneller unterschreibt als sein Schatten. Und der smarte Youngster aus der Bavaria Gang weiß, dass es diesmal um seinen Kopf geht.

Es lief ja bislang nicht schlecht für den Mann mit der markanten Gelfrisur. Seit mehr als eineinhalb Jahren war er als "Der Verkehrsminister" durch das Country gezogen und hatte den Leuten seine obskuren Fläschchen und Pülverchen angeboten gegen die Übel dieses Lebens: Verkehrsinfarkte, miese Luft, Kreisverkehrsstörungen und Bahnkollapse. Aber nun reitet sie wieder, die Crew vom Untersuchungsausschuss. Und sie sind ihm auf den Fersen. Fraglich, ob ihn seine Buddies von der "Motorkutschen Incorporated" diesmal noch einmal raushauen können.

Wehmut trübt seinen stets in die Zukunft gerichteten Blick. Was hatte er nicht alles unbeschadet überstanden. Die Vorstellung eines fliegenden Pferdes, das er unter dem Namen "Flugtaxi" der staunenden Bevölkerung vorgestellt hatte, das aber gar nicht fliegen konnte. Außer höhnischem Gelächter war ihm nichts widerfahren. Auch seine Kampagne für ein zweirädriges Rollbrett namens "E-Skooter", das die von galoppierenden Großpferden verstopften mainroads der townships entlasten sollte, hatte man ihm durchgehen lassen.

Aber jetzt? Ist das das Ende seiner Glückssträhne? Und warum? Nur weil er seinen letzten und größten Coup, "Maut" genannt, vor die Wand gefahren hat? Kann er vielleicht etwas dafür, dass die lausigen zwei Milliarden, die er dem Hauptstadt-Parlament dafür aus den Rippen geleiert hatte, nicht gereicht hätten? Und das Maut-Zeug dann eben doch ein paar Handvoll Dollar mehr hätte kosten sollen? Dass er die dann am Pokertisch versucht hatte, zu beschaffen – well. Anders als mit ein paar gezinkten Karten im Spiel wäre das nicht gegangen. Und dafür, dass ihm die wild gewordenen Rechtsverdreher in Brüsseltown dann zum Schluss noch in die Suppe gespuckt haben, kann er ja nun wirklich erst recht nichts.

Aber Andy wäre nicht Andy, wenn er jetzt kneifen würde. Natürlich wird er zu diesem Untersuchungsausschuss reiten, er wird ihn "begleiten", wie er das nennt. Nicht, ohne vorher den Redakteuren und Schreiberlingen in der Hauptstadt noch einmal klarzumachen, dass seine Weste ebenso rein ist wie der Kragen, an den es ihm nun gehen soll. "Es war kein Fehler" sagte er. "Natürlich kann man jetzt sagen, es ist nicht so gut gelaufen. Es ist schlecht gelaufen". Aber er wird dafür seinen Kopf nicht in die Schlinge stecken, wie ein billiger Pferdedieb.

Das Lagerfeuer ist heruntergebrannt, der Whisky ist alle, und wie die Story ausgeht, werden wir wohl erst später erfahren. Aber die Geschichte von Doc Andy werden sich noch unsere Kindeskinder erzählen. Egal, ob sein Kopf nun in den staubigen Sand der Hauptstadt rollen wird oder ob er doch noch einmal davon kommt und zum guten Schluss unversehrt in die im Feinstaub untergehende Sonne reitet.

Meine Nachbarin Barscheck glaubt schon seit langem, sie sei im falschen Film. Sie mag keine Western. Yippie-ah-hey.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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