Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"2.0"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 17.05.2019 15:20 Uhr

Nr. 728

Nicht dass Sie denken, ich sei ein unverbesserlicher Computerfreak, stets auf der Suche nach den weißen Flecken auf der Landkarte des Digitalisierbaren. Aber woran denken Sie, wenn irgendetwas mit einem nachgestellten 2.0 oder 4.0 in der Debatte auftaucht? An Kühlschränke, die Fehlbestände an Butter, Aufschnitt oder Doppelkorn rechtzeitig online nachladen oder Toaster, die sich die optimale Röstzeit für die eingeschobene Backware aus dem Netz saugen, bevor sie die Heizdrähte glühen lassen!

Was also sollte mir einfallen zu "Maria 2.0"? Eine App, die mir per GPS-Anbindung die nächstgelegene Erscheinung auf den Bildschirm holt? Ein Wallfahrts-Programm, das es dem Gläubigen ermöglicht, seine Bitte um Gesundheit, Reichtum oder die nächste Beförderung direkt an die zuständige Schnittstelle zur Heiligen Jungfrau zu senden?  Ohne, dass er sich auch nur vom Sofa erheben müsste! Weit gefehlt.

"Maria 2.0“ heißt eine Aktion von Frauen, die sich für die Gleichstellung von Frau und Mann in der katholischen Kirche stark machen. Inklusive Diakoninnen- oder gar Priesterinnenweihe. Und das mit Vehemenz. In Münster, so liest man, wollen sechs Frauen den Gottesdienst bestreiken, mit dem erklärten Ziel: "Die Kirche soll so leer wie möglich bleiben". Wenn das Schule macht – es soll ja Gemeinden geben, da wäre die Kirche dann mehr als leer! Aber auch dort, wo die Kirchen noch besser gefüllt sind, wird so ein Streik zu spürbaren Ausfällen führen: Niemand putzt, niemand sorgt für die Blumenarrangements, niemand bäckt den leckeren Kuchen für die Senioren-Bibelstunde, ja, mancherorts entfällt sogar die Lesung aus der Heiligen Schrift. Denn all das besorgen traditionell die Frauen der Gemeinde - immer gern gesehen.

Aber selbst im urkatholischen Köln brach erst kürzlich eine der letzten Männerdomänen ein: Dort dürfen im Dom jetzt Kirchenschweizerinnen ihren Dienst tun. Jene Ordnungshüter, die im prunkvollen Gewand und mit ehrfurchtgebietenden Stöcken in den Händen für den reibungslosen und respektvollen Ablauf des Kirchenbesuches sorgen sollen, sind jetzt HüterInnen.

Aber bevor zu viel Euphorie über die Wandlungsfähigkeit von Mutter Kirche ausbricht: Beim Verkündigungsamt ist und bleibt wohl Schluss! Weil Jesus selbst ja ausschließlich Männer zu Aposteln berufen hat. Und weil das auch in den letzten 2000 Jahren immer so gehandhabt wurde. So schrieb es vor 25 Jahren Papst Johannes Paul II. in seinem apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis". Und zwar, wie die Glaubenskongregation noch 2018 feststellte, im Stande der Unfehlbarkeit. Und das war auch "das letzte klare Wort“ dazu, wie auch der jetzige Franziskus nochmal bestätigt hat.

Selbst meine Nachbarin Barscheck, sonst stets an der Seite kämpferischer Frauen, sieht die "Maria 2.0“-Aktivistinnen eher in der Nachfolge des tragischen Helden Sisyphos. Manche Felsen sollte man erst gar nicht versuchen bergauf zu rollen, sagt sie, sondern lieber liegen lassen und seines Weges gehen. Und fügt hinzu, dass die Apostel natürlich nur Männer waren, weil deren Frauen ja zuhause für das Überleben der verlassenen Familien sorgen mussten.

Und wenn sie liest, dass die Frage der Frauengleichstellung in der Kirche auf jeden Fall zuerst einmal theologisch geklärt werden müsste, ist sie sicher, dass sich da so schnell nichts bewegen wird. Gottes Mühlen mahlen halt langsam – und die der Kirche erst recht. Aber vielleicht klappts ja irgendwann noch. Mit "Maria 11.2".


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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