Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Frettchen und Spione"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 05.04.2019 15:40 Uhr

Nr. 722

Nicht dass Sie denken, ich machte mir häufig Gedanken um Frettchen. Sie wissen schon, diese wuseligen Wesen aus Knopfaugen und Fell. Deren Abstammung vom Iltis sich durch ihre Ausdünstungen deutlich manifestiert. Um die Wahrheit zu sagen, machte ich mir bislang über diese immer mehr als Haustiere in Mode kommenden Geschöpfe ebenso wenig Gedanken wie über den Brexit.

Über den macht sich ja offenbar nicht einmal das britische Parlament welche. Das stimmt halt ab. Immer und immer wieder. Wenn man sie ließe, gerne auch immer wieder über dasselbe. Glücklicherweise hat zumindest das aber Unterhaussprecher John Bercow kürzlich unterbunden, unter Berufung auf eine parlamentarische Regel aus dem Jahr 1604.

Schon beeindruckend, wenn man bedenkt, dass hierzulande im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu dieser Zeit noch weit und breit kein Parlament in Sicht und demzufolge auch keinerlei Regeln vorhanden waren, die Bundestagspräsident Schäuble beispielsweise heute der Kanzlerin oder irgendjemandem um die Ohren schwäbeln könnte.

Jenseits meines Respektes vor der britischen Geschichte aber ist mir das Treiben der Insulaner, wie gesagt, inzwischen ziemlich wurscht. Ob nun mit Deal oder ohne oder Teildeal oder Dealteile oder doch vielleicht gar nicht oder nur ein bisschen die Briten sich aus der EU verabschieden – versteht eh keiner mehr.

Allerdings habe ich gerade ein wenig im Internet geblättert, um mich über etwaige Probleme bei einem möglichen Besuch des britischen Hoheitsgebietes zu informieren. Und stieß dabei auf eine Veröffentlichung der dortigen Regierung unter dem Titel "Bringing your pet dog, cat or ferret to the UK". Also: Was tun, wenn Sie Ihren Hund, ihre Katze oder ihr Frettchen ins United Kingdom mitnehmen wollen? Man bereitet sich also doch auf Nach-Brexit-Zeiten vor und beschäftigt sich zumindest mit den drängendsten Problemen. Zu denen offenbar die Sorgen mit Frettchen reisender Touristen gehören.

Das Frettchen, oder auch: das Frett, ist ohnehin schon zuhause nicht ganz unproblematisch. Es sollte nicht allein gehalten werden, braucht jede Menge Platz zum Austoben, ist nur bedingt stubenrein und benagt gerne Mobiliar, Kabel sowie kleinere Haustiere. Wer mit einem solchen Vieh auf Reisen geht, braucht also auch ganz ohne brexitbedingte Zusatzformalitäten eiserne Nerven.

Empfohlen wird von der britischen Frettchenverwaltung unter den gegebenen Umständen auf jeden Fall mindestens vier Monate vor Reiseantritt mit den notwendigen Vorbereitungen zu beginnen, am besten in ständigem Kontakt mit einem Tierarzt. Auf jeden Fall darf das Tier nicht mehr als fünf Tage vor oder nach Herrchen oder Frauchen den britischen Boden betreten. Na gut, warum sollte es auch? Ferner muss das Frettchen gechippt sein, braucht den Nachweis diverser Impfungen und darf auf keinen Fall in Britannien verkauft, verschenkt oder alleine zur Chips-and-Fish-Bude geschickt werden.

Meine Nachbarin Barscheck machte mich nun darauf aufmerksam, dass das englische Wort "ferret" nicht nur "Frettchen", sondern auch "Spion" bedeuten kann. Wenn Sie also mit Ihrem Spion einen England-Urlaub planen, gelten selbstverständlich andere Regeln. Genaueres erfahren Sie darüber beim MI 5 oder 6 oder GCHQ. Aber auch Ihr Spion sollte natürlich gechippt und nachgewiesenermaßen tollwutfrei sein. Einfacher, Sie lassen den Spion beim Frettchen zuhause – egal ob, was oder wie nun Frau May mit dem Unterhaus noch verhandelt. Es ist eben doch sehr komplex, was mit diesem Brexit noch auf uns zukommen mag. Frettchen hin oder her.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

Artikel mit anderen teilen