Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

„Saubere Zukunft"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 28.12.2018 16:40 Uhr

Nr. 708

Nicht dass Sie denken, ich hielte nichts von traditionellen Bräuchen zum Jahresende. Schlückchen Champagner – gerne. „Dinner for one“ - muss. Gute Vorsätze für die kommenden zwölf Monate – ja, schon, auch. Was das massenweise Zünden von Feuerwerkskörpern angeht – gespalten. Selber greife ich eher nicht zu den Dingern, schon um direkten Konflikten mit meiner Nachbarin Barscheck aus dem Wege zu gehen. Aber gucken, was die anderen so in die Luft jagen, warum nicht? Klar, die Feinstaubbelastung ist gewaltig, aber dafür lassen die meisten zwecks ungezügeltem Silvestervergnügen den dieselbetriebenen SUV in der Garage stehen, das gleicht's vielleicht wieder aus.

Die Tatsache, dass dabei alle Jahre wieder enorme Geldmengen sinnlos verbrannt werden, stört mich weniger. Zum einen geschieht das ohnehin das ganze Jahr über bei Banken, Wirtschaft oder staatlichen Projekten in weitaus größerem Maßstab. Zum anderen hat die Bereitschaft der Hobby-Feuerwerker, Geld für nichts weiter auszugeben, als für bunte Sternchen am Himmel, also für einen Moment der Schönheit, doch auch einen gewissen Charme. Anderes, was ebenso sinnlos ist, steht, liegt oder hängt nach Anschaffung dann noch monate- oder jahrelang irgendwo rum – das Feuerwerk verpufft und ist dann weg. Bis auf den entstandenen Müll, aber der lässt sich ja auch noch nutzbringend verbrennen.

Rückblicke auf das vergangene Jahr verpuffen ebenso rückstandsfrei wie Versuche, vorauszusagen, was das kommende denn so bringen wird. Ob man dafür zum herkömmlichen Bleigießen greift, zu Kristallkugel, Pendel, Kartendeckoder sich die Voraussagen alter oder neuer Propheten zu Gemüte führt – die Zukunft macht, was sie will und verrät es nicht vorher. Das gleiche gilt für die Ansagen vermeintlich seriöser Experten. Der Chefredakteur der Süddeutschen rät, „sich nicht zu fürchten vor etwas, was noch gar nicht eingetreten ist“. Das allerdings ist der evolutionäre Sinn von Furcht – unsere Vorfahren haben unter Opfern gelernt, dass man sich fürchten kann und sollte, bevor einen der Säbelzahntiger gefressen hat. Hinterher ist schwierig.

Eines aber kann man, nach vorliegenden Informationen, über 2019 schon sagen: Es soll in Deutschland das Jahr der Elektromobilität werden. Alle namhaften Hersteller bringen batteriegetriebene Gefährte auf den Markt, aus jedem Prospekt leuchtet uns die schwarze Null beim CO2-Ausstoß entgegen. Das allerdings ist eine Fiktion, ein politischer Beschluss, den die EU zwecks Anreiz zur Entwicklung der Elektrofahrzeuge gefasst hat.

Die Wahrheit ist, dass der Auspuff der schnurrenden Fortbewegungsgeräte nur nicht sichtbar am Wagen angebracht ist, sondern als Schornstein eines Kraftwerkes irgendwo rumsteht und stinkt. Beim momentanen deutschen Strommix verursacht die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom etwa 500 Gramm CO2-Ausstoß. Hinzu kommt, dass die Herstellung des Elektroautos und der Batterien deutlich CO2-intensiver ist, als die eines konventionellen Autos. Gar nicht zu reden vom menschlichen Faktor: Es hat sich gezeigt, dass Fahrer und Fahrerinnen von E-Mobilen deutlich mehr fahren. Ist ja so umweltfreundlich. Die meisten Elektrovehikel werden zudem als Zweitfahrzeuge zugelassen. Also noch mehr Autos auf unseren verstopften Straßen.

Was noch eine Voraussage für die Zukunft erlaubt: Ohne Verkehrskonzepte, die sich auf Bahn, Fahrrad und funktionierenden ÖPNV konzentrieren, werden wir die Sache nicht in den Griff kriegen. Womit wir wieder bei den guten Vorsätzen wären. Prosit Neujahr Ihnen allen.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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