Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"X-mas forever"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 21.12.2018 16:40 Uhr

Nr. 707

Nicht dass Sie denken, ich litte besonders unter vorweihnachtlichem Stress. Nichts, was über das Übliche hinausginge: Die Jagd nach Geschenken im örtlichen Einzelhandel und im Internet, verzweifelte Last-minute-Einkäufe, die leidige Tannenbaumfrage, Warteschlangen vor dem Paketschalter des ehemaligen Postamtes, die sich zuverlässig einstellende Jingle-Bells-Allergie und eine neu dazugekommene Glühweinunverträglichkeit. Also ja: Ich bin gestresst.

Eine frisch veröffentlichte Studie aus der Erholungsforschung – nein, diesen Forschungszweig hab ich mir nicht ausgedacht! - kommt nun aber zu tröstlichen Ergebnissen. Die recreation-Experten fanden heraus, "dass sich in der Adventszeit das Wohlbefinden verbessert und an Weihnachten seinen Höhepunkt hat". Wen zur Lamettahölle haben die Forscher dazu befragt? 150 Tagebücher wurden ausgewertet, erfahre ich. Ja dann. Wer hat denn im Vorweihnachtsrummel Zeit, Tagebuch zu führen? Das können doch nur jene zwanghaften Menschen sein, die bereits Anfang Oktober ihre Schrankfächer mit säuberlich beschrifteten Päckchen gefüllt haben, alphabetisch geordnet von Tante Agathe bis Onkel Zacharias. Und dann den Rest des Jahres dazu nutzen, in Schönschrift ihre Weihnachtsfreude zu protokollieren. Unerträgliche Vorstellung.

Und dann heißt es zum Ende des Berichtes noch, "bei den Befragten, die sich auf Weihnachten freuten, stieg die positive Stimmung schneller an". Wahrlich eine überraschende Erkenntnis und jeden Euro oder Dollar wert, den das Forschungsprojekt zweifellos gekostet haben wird. Man möchte Erholungsforscher sein.

Bevor Sie jetzt wieder behaupten, ich wollte Ihnen die Festfreude verderben: Nichts liegt mir ferner. Aber schon meine Nachbarin Barscheck stellte fest, dass sich der vielbeschworene Weihnachtsfrieden so richtig erst einstellt, wenn die Festtage vorüber sind. Wenn die letzten Verwandten abgereist, das letzte Geschenk umgetauscht und die letzten Kekse in der Biotonne gelandet sind – dann könne von ihr aus das Fest beginnen. Sollte es Ihnen auch so gehen, dann habe ich einen wirklich heißen Tipp für Sie: Am 25. Januar öffnet in Frankfurt am Main die Messe "christmasworld 2019" ihre Pforten.

Vier Tage mit allem, was das Herz mit dem nötigen Abstand vom kalendarisch diktierten Glöckchengeklingel dann wieder stressfrei begehren kann: Weihnachtsdekorationen von Rokoko bis zum "eklektischen Stil", zu dem offenbar farbenfrohe Spielzeugautos, goldene Käfer und auf Seerosenblättern angeordnete knatschbunte Plastiktrinkhalme gehören. Mehr als 1000 Aussteller aus 43 Ländern zeigen auch noch die letzten geschmacklichen Gipfel, zu denen sich das weihnachtsfrohe Gemüt versteigen kann. Und das alles stressfrei, vier Wochen nachdem der ganze Rummel vorbei ist!

Für den frohgemuten Besucher zudem die Möglichkeit, sich als absoluter Trendscout fühlen zu können. Und: Wer außer Ihnen kann sich denn schon ab Januar mental darauf vorbereiten, was ihm spätestens ab November dann wieder aus jedem Schaufenster und in jedem Supermarkt entgegen grinsen wird? Im übrigen lässt sich mit diesem Wissen auch schon gegenwärtig ein großer Stressfaktor abbauen: Schluss mit der Geschenke-Safari! Beschenken Sie einfach Ihre Lieben mit einem Reisepaket zur Messe inklusive Eintrittskarte für 129,80 Euro, bequem aus dem Schreibtischsessel online zu buchen.

Hat auch den Vorteil, dass Sie zumindest Ende Januar zuverlässig die Bude für sich haben. Vorausgesetzt Sie fahren nicht mit. So schön kann Weihnachten sein.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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