Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Schwule Kinder"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 31.08.2018 16:20 Uhr

Nr. 691

Nicht dass Sie denken, mich interessierten Äußerungen des Papstes nicht. Auch wenn ich mich zu den Ungläubigen zähle – immerhin lassen sich noch runde 23 Millionen meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger von dem Mann sagen, was sie zu glauben haben. Da kann man schon mal hinhören.

Papst Franziskus sich also nun dazu geäußert, was zu tun sei, wenn man feststellen muss, dass Sohn oder Tochter homosexuell sind. "Bei einem jüngeren Kind", sprach der heilige Mann, gebe es da "viel, das mit Psychiatrie gemacht werden kann, um zu sehen, wie die Dinge liegen". Ebenso postwendend wie berechtigterweise folgte der Aufschrei der Schwulen- und Lesbenverbände. Schließlich sei Schwulsein keine Krankheit, die man behandeln müsse – oder auch nur könne.

Aber halt! Noch war der Protest nicht ganz verklungen, da hatte der Vatikan schon das Zitat aus der Niederschrift der Papstworte gestrichen. Man habe das getan, "um den Gedankengang des Papstes nicht zu verfälschen", hieß es. Sprich: Der Oberhirte hat den Blödsinn zwar gesagt, aber nicht gedacht!

Und dafür hat er jede Entschuldigung. Zum einen fand das Ganze in einem Flugzeug statt. Aviaphobiker wie ich wissen, dass man in diesen Teufelsmaschinen nicht Herr seiner Sinne ist. Zum anderen befand sich der Papst gerade auf der Rückreise aus Irland, wo man ihm doch arg zugesetzt hatte. Sie wissen schon: Die Missbrauchsfälle. Also: Er hat sich versprochen, Schwamm drüber.

Wollte er also eigentlich sagen, das mit dem Schwulsein, das wär schon okay? Nee, das nun wieder nicht. Sondern? "Dass man vielleicht schauen muss, wie sich die Dinge auf psychologischer Ebene darstellen". Also keine Pillen oder Operationen, sondern nur Gesprächs- oder Aversionstherapie. Macht's jetzt irgendwie auch nicht wirklich besser.

Aber mal ehrlich, liebe Freunde vom Schwulen- und Lesbenverband: Was habt ihr denn erwartet? Es war doch auch dieser Franziskus, der 2016 in seiner Schrift mit dem vielversprechenden Titel "Amoris laetitia", also "Die Freude der Liebe" verkündete, für die Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit der Ehe gebe es im Plan Gottes "kein Fundament". Und soweit sich dieser Plan aus der Bibel herauslesen lässt, stimmt das wohl: Zwar hat sich Jesus zu diesem Thema nicht geäußert, aber in den Büchern Moses steht klipp und klar, was mit den gleichgeschlechtlichen Sündern zu geschehen hat. Sodom und Gomorrha, Feuer und Vernichtung, Sie erinnern sich. Und der alte Paulus schrieb dergleichen ebenfalls an die Korinther: Sünde und Verdammnis für die "widernatürliche" Liebe.

Meine Nachbarin Barscheck fragt sich ja, wie man denn "bei jüngeren Kindern" überhaupt feststellen sollte, dass sie homosexuell seien. Gute Frage, aber da haben die Freunde  des österreichischen Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl kürzlich einen Weg gewiesen. Da wurde ein junger Afghane, der wegen seiner Homosexualität um Asyl bat, abgelehnt. Begründung: "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten". Außerdem sei er "nicht gesellig" genug. Zudem hatte der Bewerber in seinem SOS-Kinderdorf sich früher wohl schon mal gekloppt. Klare Sache: "Ein Aggressionspotenzial ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre". Für Österreich nicht schwul genug – abgelehnt.

Ich kenne ein paar Schwule, die hätten dem Beamten dafür gerne mal kräftig ein paar auf die Nüsse gegeben. Ganz ohne päpstlichen Segen.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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