Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Faule Bienen"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 03.08.2018 16:40 Uhr

Nr. 687

Nicht dass Sie denken, ich wäre jetzt unter die Imker gegangen. Aber man liest ja so einiges. Und nachdem meine Nachbarin Barscheck den Gemahl einer Freundin mehrfach als "faule Drohne" bezeichnet hat, habe ich versucht, mich zu informieren. Nicht über die ehelichen Gepflogenheiten von Barschecks Freundin, sondern über die männliche Biene. Erstaunlich.

Tatsächlich führen diese Geschöpfe ein durchaus angenehmes Leben. Sie beteiligen sich an keinerlei Aufgaben, die in so einem Bienenstock anfallen, ja, sie lassen sich sogar füttern. Letzteres aber nicht etwa aus Trägheit, sondern sie sind physisch nicht in der Lage, sich selbst Nahrung zu beschaffen. Wir dürfen davon ausgehen, dass es sich, möglicherweise im Gegensatz zum oben erwähnten Gatten, dabei nicht um eine männliche Ausrede handelt. Dazu fehlt es dem Bienerich schlicht an Intelligenz.

Der summende Couch-Potatoe ist also fein raus. Aber natürlich hat die Sache einen Haken. Denn eine Aufgabe hat der Stock-Pascha ja: Die Begattung der nachwachsenden Königinnen. Wär ja jetzt auch nicht soo schlimm, aber: Der arme Kerl überlebt den Begattungsakt leider nicht. Und sollte so einer aufgrund widriger Umstände nicht zum "Stich" kommen, überlebt er das auch nicht. Er wird nämlich bei Rückkehr zum heimischen Stock nicht mehr reingelassen und verhungert in der Folge irgendwo einsam und frustriert. Was für ein Schicksal - dann doch lieber selbst mal einkaufen gehen und der Liebsten was Leckeres kochen.

Dass die unbemannten militärischen Flugobjekte auf den selben Namen hören wie der arme Bienenmann, liegt übrigens nur am Geräusch. "Drohne" kommt nunmal von "dröhnen". Seit dem 13. Juni 2018 darf unsere Bundeswehr solche Dinger nun auch neu anschaffen, am Vorabend der Fußball-WM haben Verteidigungs- und Haushaltsausschuss dem zugestimmt. Beziehungsweise erstmal leasen, von den Israelis, für knapp 900 Millionen Euro. Das Besondere daran ist das Besondere darin – die israelischen Drohnen sind bewaffnungsfähig.

Ob die Bundeswehr bewaffnete Drohen überhaupt einsetzen soll, darüber herrscht Uneinigkeit unter anderem mit der SPD. Weil aber nun dummerweise laut der Drohnenkönigin von der Leyen grade keine nicht zu bewaffnenden Drohnen auf dem Markt seien, hat sich die SPD im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die israelische Kampfdrohne erstmal zu leasen, und über deren tatsächliche Bewaffnung soll dann später entschieden werden. Immerhin hat das Oberlandesgericht Düsseldorf die Präferenz der Bundeswehr bezüglich dieses Modells ausdrücklich gelobt: "Die mögliche Bewaffnung mit geringer Wirkkraft ermöglicht […] ‚chirurgische‘ Angriffe unter weitest gehendem Schutz nicht beteiligter Dritter […]. Sie ist daher auch im urbanen Gebiet einsetzbar".

Da kriegt man doch schon mal einen Eindruck, wohin der Hase läuft, bzw. die Drohne fliegt. Und wie weitest der "Schutz unbeteiligter Dritter" nun wirklich geht, konnte, wer wollte, ja bei den "chirurgischen Angriffen" amerikanischer und anderer Drohnen in Afghanistan oder im Jemen sehen: Allein unter der Obama-Regierung sind bei diesen Operationen 470 bis 880 Zivilisten, darunter mehr als 170 Kinder als Kollateralschäden draufgegangen.

Während des Leasingvertrages läuft übrigens die Entwicklung einer eigenen europäischen Drohne auf vollen Touren. Bewaffnet oder unbewaffnet – das wird sich dann zeigen. Irgendwann. Man sollte sich ein Beispiel an unseren Honigbienen nehmen, findet meine Nachbarin. Einfach den Stock dicht machen. Und zwar möglichst, bevor diese Drohnenbrut zum Zuge gekommen ist. Das freut dann auch die weitest gehend unbeteiligten Dritten.


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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