Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Untergang"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 08.06.2018 16:20 Uhr

Nr. 679

Nicht dass Sie denken, ich sei nun doch zum Verschwörungstheoretiker geworden. Bielefeld gibt es, ich war schon mal da. Die Mondlandung hat stattgefunden, da war ich zwar noch nicht, aber bevor ich daran glaube, dass weltweit über Jahrzehnte alle Beteiligten an so einem großen Fake die Klappe gehalten haben könnten... Die Bevölkerung mit Chemtrails zu vergiften ist so uneffektiv, teuer und bescheuert, dass es nicht mal unseren Regierenden einfallen könnte, und die Erde ist nicht flach, wovon sich jeder und jede beim Strandurlaub persönlich überzeugen kann. Auch der Maja-Kalender lag ebenso daneben mit seinem Weltuntergangsdatum wie die Propheten der "Jahr-2000-Katastrophe".

Aber jetzt gibt es "Bennu", formerly known as 1999RQ36. Ein Asteroidenbrocken von knapp 500 Metern Durchmesser, der alle 1,2 Jahre an unserem Planeten vorbeirauscht und im Jahre 2135 der Erde dabei ziemlich nahe kommen wird. Näher als unser eigener Mond. So die derzeitigen Berechnungen. Die natürlich auch etwas daneben liegen könnten, schließlich ist so ein Asteroid ja auf seiner Bahn den verschiedensten Einflüssen ausgesetzt. Oder der kosmische Klumpen kriegt bei seinem engen Vorbeiflug an der guten alten Erde den entscheidenden kleinen Gravitations-Schubs, der ihn dann beim nächsten Mal auf Kollisionskurs führt. Und dann: Weltuntergang.

Bennu ist groß und schwer genug, um als "global killer" eingestuft zu werden. Die Wahrscheinlichkeit für so einen Zusammenstoß liegt irgendwo zwischen der Wahrscheinlichkeit, vier Richtige oder vier plus Superzahl im Lotto zu kriegen. Und das passiert ja auch, jede Woche. Also: Wir haben noch runde 120 Jahre.

Kann uns eigentlich wumpe sein, uns trifft's nicht mehr und unsere Kinder vermutlich auch nicht. Blöd allenfalls für diejenigen, die sich extra haben einfrieren lassen, um in der Welt von übermorgen wieder aufgetaut zu werden. Da ist dann nicht mal mehr jemand da, der ihnen das Geld zurückgibt. Aber das sind ja nun nicht soo viele. Außerdem: Was heißt schon Weltuntergang? Der Planet wird’s wohl auch diesmal wieder überstehen, nur werden dann die Kakerlaken die nächste Zivilisation aufbauen müssen. Good luck, liebe Kerbtiere, vielleicht macht ihr's ja besser. Ist ja nicht soo schwer.

Oder die NASA verhindert die ganze Apokalypse noch. Auch wenn Bruce Willis dann schon längst das letzte Unterhemd durchgeschwitzt hat. Die Weltraum-Behörde packt nämlich den Hammer aus. Das "Hypervelocity Asteroid Mitigation Mission for Emergency Response Vehicle" - die wissen schon, warum sie das auf Hammer verkürzen. Damit soll irgendwie, per Aufschlag, Atomexplosion oder Sprengung, Bennu aus der Bahn geworfen werden. Jetzt ist erstmal eine Sonde zu Bennu unterwegs, die ein paar Bodenproben einsammeln und zurückbringen soll, damit die Jungs von der NASA auch wissen, wie heftig der Hammerschlag sein muss. Klingt gut.

Besser jedenfalls, als wenn sich die Politik der Sache annehmen würde. Das sind ja noch 30 Wahlperioden bis zum Deep Impact, da kümmert sich doch jetzt kein Schwein drum. Wir kriegen es ja nicht einmal hin, wesentlich näherliegende globale Katastrophen, wie beispielsweise die Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Meine Nachbarin Barscheck vermutet ohnehin, dass einer der Herren mit den großen roten Knöpfen unsere Gattung vorher final erledigt.  Also: Genießen Sie die letzten Jahre und vergeuden Sie keine Zeit mit Verschwörungstheorien!


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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