Brunners Welt: Der Brunner (Foto: SR)

"Herrentag"

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 11.05.2018 16:40 Uhr

Nr. 675

Nicht dass Sie denken, ich sei am Donnerstag mit Bollerwagen und Bier singend durch die Lande gezogen. Am sogenannten "Vatertag"also, an dem sich die Hemizygoten selbst feiern, die stolzen Träger eines X- und eines Y-Chromosoms. Tatsächlich Vater zu sein ist ja längst nicht mehr Teilnahmevoraussetzung. Nicht umsonst heißt der Feiertag ja mancherorts schon unverblümt "Herrentag"

Und diese Herren feiern sich dann auch noch, indem sie eben das tun, was ihnen die aufmüpfige Weiblichkeit schon lange vorhält: Sie lassen – so vorhanden – Familie Familie sein, knallen sich die Rübe zu, pinkeln an Baum, Strauch und Häuserecke und grölen markiges Liedgut. Die Zahl der Schlägereien steigt an diesem Festtag des Testosterons ebenso auf Rekordniveau wie die der alkoholbedingten Verkehrsunfälle. Letztere gar auf das Dreifache des sonstigen Durchschnitts. Muss doch nicht sein.

Immerhin: Kinder, die sich am Muttertag doch erheblich anstrengen müssen mit Tisch decken, Frühstück zubereiten, Blumengestecke arrangieren und dem Klöppeln von Vasenuntersetzern aus Pfeifenreinigern, haben es am Vatertag erheblich leichter. Frühstück: Bier, Geschenk: "Kleiner Feigling" oder "Schlüpferstürmer", je nachdem, und dann ist der Erzeuger eh weg. Es ist der Brauch von alters her – den Alten siehst du heut nicht mehr. Kann ja auch mal ganz schön sein. Übrigens: Nein, diesen Text hat nicht meine Nachbarin Barscheck diktiert. Bringt aber sicher ein paar Punkte bei der Treppenabschnittsgefährtin.

Vielleicht hätte ich den freien Tag aber doch nicht damit verbringen sollen, nochmal die  Meldungen der letzten Woche auf meinen Bildschirm zu holen. Wie zum Beispiel den jüngsten Bericht des schwedischen Friedensforschungsinstitutes SIPRI  zu den Rüstungsausgaben. Die sind 2017 um 1,1 Prozent gestiegen. Klingt ja noch moderat – aber die einzelnen Zahlen bringen einen doch ins Grübeln. Amerika first – mit satten 610 Milliarden Dollar, dann kommt lange nix bis zu China auf Platz zwei mit 228 Milliarden, gefolgt von den Saudis mit immerhin noch 70 Milliarden, die damit um stolze neuneinhalb Prozent draufgelegt haben. Mit tätiger Mithilfe der Deutschen, die selbst um dreieinhalb Prozente aufgerüstet haben. Was Ministerin von der Leyen deutlich zu wenig findet - sie muss ja auch Kleidung mit funktionierenden Reißverschlüssen anschaffen und Hubschrauber, die fliegen können.

Russland dagegen hat seinen Militärhaushalt um ein Fünftel gekürzt. Schon klar, natürlich nicht, weil sich Putin zum Friedensfürsten gewandelt hätte, sondern weil die wirtschaftliche Lage so schwierig ist. Aber trotzdem: Gerade mal ein gutes Zehntel vom amerikanischen Budget? Wo doch der Russe allgemein als waffenstarrender Aggressor und internationaler Kriegstreiber gehandelt wird? Der auf gar keinen Fall, wie unser saarländischer Außenminister Maas betont, in die G7-Runde eingeladen werden darf, solange er derart den Weltfrieden bedroht. Während Mister Trump dort unangefochten das große Wort führen darf - trotz aller Völkerrechtsverletzungen, militärischer Ein- und Übergriffe und friedensbedrohender Rumpelmaßnahmen wie der Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran.

Wie wär's, liebe Herren der Welt: Ein Jahr mal die ganze Kohle statt in die Armeen in die Entwicklungshilfe gesteckt? Nur mal ein Jahr – fürs Erste. Wünsch ich mir zum Herrentag. Darauf trink ich ein paar Fläschchen mit. Notfalls auch lauwarm vom Bollerwagen.

 


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.