Computerbildschirm mit Hashtag #HASS (Foto: WDR/dpa/Lukas Schulze)

Digitale Demagogie

Ein Feature über rechte Radikalisierung und Hetze im Netz

Von Sebastian Meissner  

Sendung: Samstag 30.01.2021 17.04 bis 18.00 Uhr

Audiothek
Das ARD radiofeature
Schon kurz vor der Ausstrahlung auf SR 2 KulturRadio können Sie das aktuelle ARD radiofeature online hören oder herunterladen - in der ARD-Audiothek!


In den letzten Jahren ist in Chats, Foren und sozialen Netzwerken ein dichtes Geflecht aus rechten Influencerinnen und Incfluencern und bloggenden Demagoginnen und Demagogen entstanden. Auf ihren Kanälen verbreiten sie antisemitische und antidemokratische Verschwörungsmythen und streuen gezielt Desinformationen. Einige sprechen offen von einen Info-Krieg, in dem sie sich zu befinden glauben.

Als Folge überziehen ihre Followerinnen und Follower andersdenkende Internet-Userinnen und -USer mit Hass, Morddrohungen oder sexistischen Kommentaren. Netzwerkbetreiber wie Facebook, Twitter und Google sind zwar durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) verpflichtet, strafrechtlich relevante Beiträge zu melden und zu löschen, allerdings entscheidet darüber oft nicht ausreichend geschultes eigenes Personal und keine Juristinnen oder Juristen. Telegram als populärer Messenger-Dienst fällt gar nicht erst unter das NetzDG, obwohl es seit Ausbruch der Corona-Pandemie einen starken Anstieg an rechten und rechtsextremen Telegram-Kanälen gibt.

Einer der zentralen Prozesse, die zur Radikalisierung im Internet führen, ist das Geschäftsmodell der digitalen Plattformen: die Aufmerksamkeitsökonomie. Je länger Userinnen und User auf Facebook oder YouTube verweilen, desto größer fallen die Werbeeinnahmen aus. Algorithmen belohnen die Verbreitung von toxischen Schlagzeilen, weil diese deutlich mehr Aufmerksamkeit generieren als positive. So tragen Netzwerkbetreiber dazu bei, dass demokratiefeindliche Erzählungen an Auftrieb gewinnen. Aus Aufmerksamkeitsökonomie wird Desinformationsökonomie. Aus digitalen Kommunikationswerkzeugen werden Radikalisierungsmaschinen.

Das Feature beleuchtet, wie rechte Influencerinnen und Influencer mit missionarischem Eifer bis weit in die Mitte der Gesellschaft vordringen und mit gezielten Medienstrategien Paranoia und Ängste schüren. Zu Wort kommen Akteure, die sich dem wachsenden Hass entgegenstellen und sich für eine effektivere Strafverfolgung und für mehr Courage in der Off- und Online-Welt einsetzen.

Der Autor

Sebastian Meissner, geboren 1969 in Częstochowa (PL), studierte in Frankfurt/Main Pädagogik, Soziologie und Amerikanistik. Er arbeitet als Feature-Autor, Regisseur, Komponist und Klangkünstler.

Auch realisierte Meissner Bühnenproduktionen, Filmsoundtracks und Klanginstallationen (u. a.) für Forsythe Ballett, Transmediale Berlin, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Steirischen Herbst Graz, Lincoln Center New York, Festival of Jewish Culture Krakow und Al-Balad Theater in Amman. 2011 erhielt Meissner den Ehrenpreis der Prix Ars Electronica in der Kategorie Digitale Musik und Klangkunst.


Die Grafik ganz oben zeigt einen Computerbildschirm mit Hashtag #HASS (Bild: WDR/dpa/Lukas Schulze).


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