ARD Radiofeature Februar 2019: Übertherapie am Lebensende (Foto: WDR)

Übertherapie am Lebensende

Ein Feature über den Umgang mit Sterbenskranken

Von Martina Keller (WDR)  

Sendung: Samstag 23.02.2019 17.04 bis 18.00 Uhr

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Unser Gesundheitssystem ist gut darin, Menschen zu retten. Aber schwerkranke Menschen über ihren Zustand aufzuklären und Ihnen Behandlungsalternativen aufzuzeigen, ist oftmals nicht vorgesehen. Viele Sterbenskranke leiden unnötig. So erhalten über zehn Prozent der Krebskranken in Deutschland in den letzten 30 Tagen vor ihrem Tod noch eine aggressive Chemotherapie, die oft mehr schadet als nützt.

Dabei könnte so mancher Krebskranke dank Palliativmedizin besser, manchmal sogar länger leben. Schwer Demenzkranke bekommen noch in der letzten Lebensphase eine Magensonde gelegt, obwohl intensives Füttern ihnen gefährliche und schmerzhafte Komplikationen ersparen würde.

Die Ursachen der Überversorgung von Menschen am Lebensende sind komplex: Manche Ärzte fühlen sich Gesprächen über das Lebensende nicht gewachsen. Andere lassen sich durch falsche finanzielle Anreize zu zweifelhaften Therapien verleiten. So mancher Betreiber einer "Beatmungs-WG" setzt auf Gewinnoptimierung und lässt die Kranken an der Maschine, weil er gar kein Interesse hat, die Menschen von der Maschine zu entwöhnen, damit sie wieder selbständig atmen. Bei all dem bekommen Patientenverfügungen nicht immer die Beachtung, die ihre Verfasser sich wünschen.

Die Autorin:

Martina Keller arbeitet als freie Journalistin in Hamburg, zu Themen aus Medizin und Wissenschaft für Printmedien wie DIE ZEIT, Geo oder Der Spiegel. Außerdem ist sie Autorin für Radio-Features der ARD. 2012 gehörte sie einem Team des "International Consortium of Investigative Journalists" an, das die Verflechtungen des internationalen Leichenhandels recherchierte. 2010 erhielt sie den Feature-Preis der Stiftung Radio Basel, 2011 den Pater-Hans-Hofschneider Recherchepreis, 2012 den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus in der Kategorie Text.


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