Brunners Welt - „Alles Zufall“

„Normal Null“

Brunners Welt - die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören

Von Peter Tiefenbrunner  

Sendung: Freitag 25.11.2022 16:45 Uhr

Nr. 911

Nicht dass Sie denken, ich wüsste so ganz genau, was eigentlich „normal“ ist. Viel zu oft wird die angebliche „Normalität“ ja auch als Keule geschwungen, die dann auf das Haupt des oder der vermeintlich Unnormalen niedergeht. „Das ist doch nicht normal!“ - gerne gehörtes Stammtisch-Verdikt gegen alles und alle, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Was aber will der Saarbrücker OB Uwe Conradt zum Ausdruck bringen, wenn er öffentlich zu den Vorgängen um seinen Kumpel Martin Welker verkündet: „Das alles ist einem normalen Mensch in der Tat kaum zu vermitteln“. Im Konkreten ging es da jetzt wohl um die 1,8 Millionen Euro, die dem GIU-Chef im August als Vergleichszahlung überwiesen wurden. Und wie die zustande gekommen sein sollen. Welker habe nämlich über Jahre keine Rechnungen gestellt, und so hätten sich halt die jetzigen Summen mit der Zeit angesammelt. So wie sich ja auch die Kosten für die Sanierung des Ludwigsparkstadions mit den Jahren in immer schwindelerregendere Höhen aufgeschwungen haben.

Welker ist durch die jahrelange unentgeltliche Arbeit für Saarbrücken offenbar so klamm geworden, dass er Tag und Nacht, sommers wie winters und egal zu welchem Anlass in einer Baustellenweste herumlaufen muss. Selbst vor Gericht und in wichtigen Aufsichtsratssitzungen. Er hat halt nichts anderes. Normal ist das nicht. Zumal die Polizei ja auch schon im letzten Jahr bei einer Hausdurchsuchung in einem Welkerschen Anwesen einen Koffer mit 389000 Euro in bar gefunden hat. Das hätte doch für ein schickes Jäckchen beim Mode-Discounter gereicht. Aber nein, das war ja gar nicht sein Geld! Es war zwar sein Koffer, aber in den hat ein Übernachtungsgast heimlich die Kohle gesteckt und das Ding dann ohne Welkers Wissen in einer Abstellkammer … ja, eben abgestellt. Kennt man ja. Auch ich habe schon nach einer rauschenden Party einige seltsame Dinge unter den Betten oder hinter den Schränken gefunden, die übernachtende Gäste hinterlassen hatten. Teils echt unangenehm. Bargeld war allerdings nie dabei.

Westen-Welker ist jetzt erst mal von seinem Chefposten bei der GIU beurlaubt. Auf eigenen Wunsch, sagt er. Ist vielleicht auch besser so, dann kann er sich mal auf die ganzen Rechtsstreitigkeiten mit Baufirmen und Handwerkern konzentrieren, die er noch so an der Backe hat. Nicht zu vergessen auch die 1,7 Millionen, die er noch von der Stadt Saarbrücken bekommen möchte. Und dann hat er ja noch die Ermittlungen wegen Korruption, Vorteilnahme und Steuerhinterziehung an der Weste kleben, die ja eindeutig nicht ganz weiß ist. Sondern orange. Oder neongelb. Auf jeden Fall eine schillernde Figur mit großem Unterhaltungswert.

OB Conradt hätte den Möchtegern-Bauarbeiter ja auch gerne zum Baudezernenten der Stadt gemacht, aber da haben ihm die FDP und der Stadtrat dann doch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem hat er dem wilden Welker stets den Rücken gestärkt und zu ihm gehalten. Ein Freund ein guter Freund!

Und Recht hat er, der Uwe: Das alles kann man einem normalen Menschen nur schwer vermitteln. Meine Nachbarin Barscheck hat übrigens im Psychologie-Lexikon nachgelesen: Normalität, steht da, sei „erwünschtes, akzeptables, gesundes, förderungswürdiges Verhalten“. Barscheck  jedenfalls findet demnach dieses Saarbrücker Possenspiel alles andere als normal. Und dass es dem Herrn Welker immer wieder gelingt, seine Geschichten unserem OB zu vermitteln – heißt das nun etwa, unser OB gehört auch nicht zu den „normalen Menschen“? Aber wie gesagt: Was ist schon normal?

        

Ein Thema in der Sendung "Der Nachmittag" am 25.11.2022 und in "Der Morgen" am 26.11.2022 auf SR 2 KulturRadio.

 


Brunners Welt

Jeden Freitagnachmittag in "SR 2 - Der Nachmittag" und als Wiederholung jeden Samstagmorgen gegen 8.40 Uhr in "SR 2 - Der Morgen"!

Brunner hält für SR 2 die Augen offen. Und wenn er was nicht mitkriegen sollte, dann wird ihn Frau Barscheck, seine Nachbarin, schon mit der Nase drauf stoßen. Dann kann er sich nämlich seine Gedanken darüber machen, was wichtig ist und wo die Trends der Zeit zu spüren sind.

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