Bienen auf einer Honigwabe (Foto: picture alliance/dpa/Rainer Jensen)

Honigkonsum: Regionale Produkte gegen industrielle Massenware

David Differdange   07.12.2018 | 06:30 Uhr

Die Saarländer lieben Honig: Gut zwei Gläser wurden 2017 im Regionalverband Saarbrücken pro Person konsumiert. Der Großteil des Honigs in Deutschland wird heute aus dem Ausland importiert. Für Imker Jens Reitmann aus Saarbrücken wird bei regionalem Honig jedoch mehr auf Qualität und Eigengeschmack geachtet.

"Für manche Sorten ist sehr genaue Terminarbeit erforderlich", erzählt Jens Reitmann, der die Imkerei als sein "ernsthaftes Hobby" bezeichnet. Oft gehe es darum, die Blütezeiten bestimmter Pflanzen richtig abzupassen und die Bienenvölker zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen. Für guten Tannenhonig müsse er seine Bienenstöcke beispielsweise in die Vogesen oder den Schwarzwald bringen, erzählt Reitmann. Er und seine Frau Martina Reitmann sind hauptberuflich Musiker, Bienen haben sie seit 2011.

Honig wird größtenteils importiert

Ein fleißiges Volk: Internationaler Tag des Honigs
Audio [SR 2, Christian Avital, 07.12.2018, Länge: 02:00 Min.]
Ein fleißiges Volk: Internationaler Tag des Honigs
Niemand ist pro Jahr so viel Honig wie die Deutschen: Im Schnitt ein Kilo pro Person. Grund genug, sich am Internationalen Tag des Honigs genauer mit Imkern und Bienen zu befassen.

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen im Schnitt pro Kopf 1,1 Kilo Honig verspeist – rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Regionalverband Saarbrücken wurden laut einer Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung 377 Tonnen Honig konsumiert. Regionaler und naturbelassener Honig wie der vom Ehepaar Reitmann kann diese Nachfrage nicht decken. Schon jetzt wird laut Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft der Großteil des Honigs aus Argentinien, Mexiko und Ukraine importiert. Der Erzeugung von 28.600 Tonnen Honig jährlich steht der Import von 87.800 Tonnen gegenüber.

Doch die Unterschiede zwischen herkömmlichem Markenhonig und regionalen Produkten sind groß. In der Industrie werde Honig häufig gemischt, bis schließlich ein einheitlicher Geschmack entsteht, sagt Jens Reitmann. Vor allem der Wassergehalt ist ein Kriterium für die Qualität des Honigs. "Industriehonig darf bis zu einem Wassergehalt von 20 Prozent verkauft werden", erklärt Reitmann. Naturbelassener Honig, wie er ihn herstellt, liege da deutlich niedriger. Der Deutsche Imkerbund nennt eine Obergrenze von 18 Prozent zulässig. Ist der Wasseranteil zu hoch, kann der Honig bei weiterer Lagerung gären.

Biene wichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein

Eine Biene läuft in einem Bienenstock über die mit Honig gefüllte Wabe. (Foto: picture alliance/dpa/Fredrik von Erichsen)
Der Wert der Honigbiene lässt sich auch volkswirtschaftlich bestimmen.

Auch das Bienensterben und Umwelteinflüsse wirken sich entscheidend auf das Endprodukt aus. "In einem heißen Sommer, so wie in diesem Jahr, verkommt zum Beispiel Lindenhonig zur echten Rarität", weiß Reitmann. Besonders aufwendig ist außerdem der Umgang mit der für Bienen oftmals tödlichen Varroamilbe. Anders als in der Industrie verwendet Reitmann bei der Behandlung nur organische Stoffe wie Milch- oder Oxalsäure. Die blutsaugende Varroamilbe komme mittlerweile überall "außer in Australien" vor, sagt der Imker. Sie vermehrt sich auf der Brut und macht junge Bienen schon vor dem Schlüpfen anfällig für Viren.

Insgesamt gibt es im Saarland etwa 1.900 in einem Landesverband organisierte Imker. Deutschlandweit sind es 120.000, welche sich um bis zu 870.000 Bienenvölker kümmern. Neben ihrem ökologischen Wert lässt sich die Bedeutung der Bienen auch in Zahlen messen. Die fleißigen Insekten sind, gemessen am Umsatz aus Honig, Wachs, Gemüseanbau und der Saatguterzeugung, nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier in Deutschland. Der Bauernverband schätzt den Erlös aus Gütern, an denen Bienen "beteiligt sind", auf rund zwei Milliarden Euro.

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