Bildmontage: Saarlandkarte vor einer Laborangestellten mit Teströhrchen in der Hand (Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto | Weber/Eibner-Pressefoto)

Zahl der Neuinfektionen im Saarland hat sich stabilisiert

Melina Miller   03.05.2021 | 15:30 Uhr

Im Saarland ist die Zahl der wöchentlichen Coronaneuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche nahezu konstant geblieben. Der Saarbrücker Forscher Prof. Thorsten Lehr rechnet mit einer deutlichen Entspannung der Corona-Lage bis Juni - wenn die entsprechenden Maßnahmen nicht zu früh gelockert werden.

Die Zahl der Coronaneuinfektionen im Saarland ist innerhalb der vergangenen Woche um 0,42 Prozent gestiegen und hat sich damit nahezu stabilisiert. Insgesamt meldeten die Landkreise und der Regionalverband in den letzten sieben Tagen 1434 neue Coronainfektionen. Die meisten neuen Fälle gab es bei den 20- bis 29-Jährigen sowie bei den 30- bis 39-Jährigen.

Corona-Check: Wann entspannt sich die Lage im Saarland?
Video [SR.de, (c) SR, 03.05.2021, Länge: 01:31 Min.]
Corona-Check: Wann entspannt sich die Lage im Saarland?

Bei den Kindern und Jugendlichen ist die Zahl der Neuinfektionen dagegen im Vergleich zur Vorwoche wieder leicht gesunken. Für den Saarbrücker Professor für Klinische Pharmazie, Thorsten Lehr, ist eine mögliche Erklärung hierfür die Testpflicht in den saarländischen Schulen. Durch die regelmäßigen Tests würden Infektionen früher erkannt und Ansteckungen langfristig verhindert - auch wenn die Zahlen durch die vermehrten Tests kurzfristig angestiegen seien.

Da es gleichzeitig keine Verpflichtung zu Tests in Unternehmen gebe, sondern nur für das Testangebot, steckten sich arbeitende Menschen momentan möglicherweise vermehrt mit dem Coronavirus an. "Das könnte den Anstieg in diesen Altersgruppen erklären", so Lehr.

Infektionsgeschehen verlagert

Auch in den saarländischen Kommunen hat sich das Infektionsgeschehen etwas verlagert. In einigen Orten, die vergangene Woche noch eine hohe Inzidenz hatten, hat sich das Geschehen wieder beruhigt, während die Zahl der Neuinfektionen in anderen Gemeinden stärker gestiegen ist. Die saarlandweit höchste Inzidenz gibt es aktuell mit einem Wert von rund 437 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Lebach. In der Landesaufnahmestelle für Geflüchtete habe es dort in der vergangenen Woche mehrere positive Coronafälle gegeben, was sich auf die Inzidenz stark ausgewirkt habe, erklärte eine Sprecherin des Landkreises Saarlouis.

Nur eine Neuinfektionen gab es in der vergangenen Woche in Freisen - entsprechend hat die Gemeinde derzeit die niedrigste Inzidenz saarlandweit.

Saarland hinkt noch hinterher

Insgesamt hinkt das Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern trotz leicht abgeflachter Kurve bei den Fallzahlen aber noch hinterher: So sind die Coronafallzahlen zum Beispiel in Hamburg, aber auch im Bund teilweise bereits deutlich gesunken. Grund dafür ist laut Thorsten Lehr, dass andere Länder die Corona-Notbremse schon früher eingeführt haben als das Saarland. Hier wurden die Öffnungen im Rahmen des Saarlandmodells erst mit der verpflichtenden Bundesnotbremse zurückgenommen.

Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner

Entspannung im Juni erwartet

Allerdings rechnet Lehr auch im Saarland in den kommenden Wochen mit einer deutlicheren Entspannung der Corona-Lage. "Wenn sich die Lage so fortsetzt, dann gehe ich davon aus, dass wir möglicherweise im Juni wieder eine Inzidenz von um die 50 haben werden", sagte Lehr. Für diese Prognose sei vor allem der Fortschritt bei den Impfungen ausschlaggebend.

Aktuell sind im Saarland 31 Prozent der Menschen erstgeimpft, beide Impfungen haben bisher rund neun Prozent der Saarländer erhalten.

Lehr: Impfungen wichtiger als Wetter

Darauf hat zuletzt auch die Covid-Arbeitsgruppe der Technischen Universität Berlin aufmerksam gemacht, die ähnlich wie Lehr Covid-Simulationen erstellt. Gegen ein erneutes exponentielles Ansteigen der Fallzahlen spreche die zunehmende Durchimpfung der Bevölkerung sowie die Immunisierung durch eine überstandene Infektion mit dem Coronavirus, heißt es in dem aktuellen Lagebericht.

Aber auch das zu erwartende wärmere Wetter spiele eine Rolle, so die Forscherinnen und Forscher der TU. Wird es draußen wärmer und schöner, würden sich die Menschen eher draußen treffen statt in Innenräumen, in denen Experten die Infektionsgefahr deutlich höher einschätzen. Diesen Vorteil sieht auch Thorsten Lehr, macht aber darauf aufmerksam, dass man sich nicht auf das Wetter allein verlassen könne.

Neben diesen Faktoren sei es außerdem wichtig, dass sich die Bevölkerung verantwortungsbewusst verhalte und sich weiterhin zurücknehme. "Diese Erfolge hängen davon ab, wie wir uns verhalten", betonte er.


In unserer interaktiven Karte haben wir uns bei der Berechnung der Inzidenz an der Berechnungsweise des RKI für die Landkreise und für internationale Vergleiche orientiert. Die Fallzahlen werden dabei auf einen Wert pro 100.000 Einwohner umgerechnet und sind somit untereinander vergleichbar.

Die meisten Gemeinden im Saarland haben zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner - der Inzidenzwert ist dort also rund fünf bis zehnmal höher als die tatsächlichen Infektionszahlen. Deshalb geben wir in der interaktiven Karte neben der Inzidenz immer auch die absoluten Fallzahlen an.

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