Big Ben und das britische Parlament in London (Foto: SR)

Schüleraustausch wegen Brexit abgesagt

Julia Berdin / Onlinefassung: Axel Wagner   18.03.2019 | 19:29 Uhr

Der bevorstehende Brexit, ob weich oder hart, wird viele Auswirkungen auf das Leben in Europa haben. Und die werden auch im Saarland zu spüren sein – für die Exportwirtschaft, aber auch in der Bildung. Denn auch Kooperationen von Schulen und Universitäten stehen auf der Kippe. Aus Unsicherheit darüber, wie es mit den Briten weitergeht, wurden bereits Lehrausflüge abgesagt.

Am Otto-Hahn Gymnasium in Saarbrücken steht eine Tradition auf der Kippe: Seit 35 Jahren pflegt die Schule den Austausch mit der Robert Smyth Academy in der Nähe von Birmingham. Einmal im Jahr geht‘s für 45 Schüler für eine Woche in britische Gastfamilien. Doch dieses Jahr fällt der Austausch aus.

Video [aktueller bericht, 18.03.2019, Länge: 3:01 Min.]
Brexit wirkt sich auf Schulen und Uni aus

„Das Risiko war einfach zu groß, etwa 20 Stunden an der Grenze stehen zu müssen mit 45 Kindern im Reisebus“, so Schulleiter Thomas Diester. „Das kann man niemanden zumuten. Deswegen hab ich mich notgedrungen dazu entschieden, das Ganze abzusagen und eine Alternative mit meinen Kolleginnen zu entwickeln.“

London-Fahrt statt Woche in der Familie

Der Brexit und die Schulen
Audio [SR 2, Julia Berdin, 20.03.2019, Länge: 02:48 Min.]
Der Brexit und die Schulen

Die Schüler fahren jetzt einfach früher – bevor ein möglicher Brexit greifen kann. In diesen Tagen geht‘s auf Klassenfahrt nach London. Die Enttäuschung bei ihnen ist dennoch zu spüren.

Problematisch wird es auch für Schüler, die aus Nicht-EU-Ländern kommen. Ihnen reichte bislang eine Bescheinigung der deutschen Ausländerbehörde. Am Otto-Hahn-Gymnasium ist davon ein Neuntklässler betroffen. Schulleiter Thomas Diester: „Im Zuge des Brexit waren die Zweifel dann offenbar doch so groß bei der Ausländerbehörde, dass es einen No-Deal-Brexit gibt, dass diese Bescheinigung nicht mehr erteilt wurde, sodass diese Nicht-EU-Schüler nicht mehr nach Großbritannien hätten einreisen können.“

Erasmus-Programm betroffen

Auch die Saar-Uni ist vom Brexit betroffen. Stichwort: Erasmus-Programm. Gehört Großbritannien nicht mehr zur EU, fällt die Förderung für die Studienaufenthalte weg. Doch hier arbeiten die britischen Unis bereits an Lösungen, weiß Johannes Abele vom International Office der Universität des Saarlandes. „Die fangen schon an, Erasmus-Hochschulkooperationen durch direkte Kooperationsverträge zu ersetzen, sodass der institutionelle Rahmen fortgeführt werden kann. Eine zweite Frage ist natürlich, wie und ob die Stipendien weiter finanziert werden. Aber die Kooperation kann über Hochschulverträge fortgeführt werden.“

Für die Erasmus-Studierenden, die aktuell in Großbritannien sind, ist die Finanzierung noch gesichert. Vor dem Aus stehen aber wohl die Praktika, weil noch unklar ist, wie künftig etwa Arbeitsgenehmigungen geregelt werden. 

Über dieses Thema berichtete auch der „aktuelle bericht“ am 18.03.2019 im SR Fernsehen.

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