Verkaufsparty (Foto: dpa)

Im Wohnzimmer gekauft: Kundenrechte bei Verkaufspartys

Yvonne Schleinhege   04.04.2018 | 10:00 Uhr

Brotdosen, Putzmittel oder Küchengeräte – obwohl man eigentlich alles Online bekommt, boomen nach wie vor Verkaufspartys. Bei einem Glas Sekt, im Wohnzimmer einer meist entfernten Bekannten, kann die Ware angefasst und oft auch direkt ausprobiert werden. Doch wie sieht es mit den Verbraucherrechten bei diesen Verkaufspartys aus?

Ende der 40er Jahre bot in den USA erstmals das Unternehmen „Tupper“ Verkaufsparty im heimischen Wohnzimmer an. Einige Jahre später galten solche Veranstaltungen dann als altbacken und bieder. Mittlerweile boomt der Direktvertrieb allerdings wieder. Es werden Haushaltswaren, Kosmetik oder Dessous angeboten. Der Branchenverband Direktvertrieb meldete 2016 einen Umsatz von rund 17 Milliarden Euro.

Probleme beim Widerruf

Wie es um die Kundenrechte bei solchen Verkaufsparty steht, hat Michael Sittig von der Stiftung Warentest getestet. Anonym hat der Jurist verschiedene Verkaufspartys besucht. Vor allem diesen Fragen wollte er nachgehen: Wissen die Teilnehmer und Veranstalter über die Widerrufsrechte Bescheid? Wie verhalten sich die Unternehmen, wenn man tatsächlich etwas zurückschickt?

Das Ergebnis von Michel Sittigs Stichprobe: Nirgendwo funktionierte der Widerruf reibungslos.

Das Widerrufsrecht

Wer zu einer Verkaufsparty geht, sollte unbedingt seine Kundenrechte kennen. Dazu gehört aus Sicht des Verbraucherschützers das Widerrufsrecht. das man als Kunde hat. Generell gilt, wie auch beim Online-Handel, eine 14-tägige Frist für den Wiederruf.

Wichtig dabei ist, die Ware nicht unkommentiert zurückzuschicken, sondern den Kauf tatsächlich schriftlich zu widerrufen. Die Zeit für das 14-tätige Widerrufsrecht laufe übrigens erst, wenn man die Ware erhalten hab, sagt Sittigs. Das Kaufdatum zählt nicht.

Keine Gründe, keine Gutscheine

Wichtig ist, dass man keine Gründe angeben muss, warum man den Kauf der Ware widerrufen möchte. Die Erfahrung von Michael Sittig bei einer Verkaufsparty, dass die Verkäuferin per Telefon nach den Gründen fragte, ist rechtlich nicht zulässig. Ebenso muss der Verkäufer/Händler/Unternehmen nach einem Widerruf den Kaufpreis erstatten. Ein Gutschein reicht nicht aus.

Versiegelung und Originalkarton

Wer etwas bei einer Verkaufsparty erworben hat, darf es selbstverständlich zuhause auspacken. Der Widerruf entfällt dadurch nicht. Ebenso muss die Ware auch nicht im Originalkarton verschickt werden. Anders ist es allerdings bei versiegelten Artikeln wie zum Beispiel Kosmetika oder Sexspielzeug. Laut Gesetz dürfen Händler das Widerrufsrecht bei versiegelten Waren ausschließen, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes oder der Hygiene nicht zur Rückgabe geeignet sind.

Wer zahlt für die Retouren?

Grundsätzlich können die Unternehmen selbst regeln, ob sie die Kosten für die Rücksendungen übernehmen. Rein rechtlich können sie seit Juni 2014 auch festschreiben, dass der Kunde die Portokosten übernehmen muss. Allerdings zur positiven Überraschung von Warentester Michael Sittig zeigten sich die meisten Direktvertriebsunternehmen sehr kulant und übernahmen die Kosten.

Reklamation bei Mangel

Käufer können einen Mangel an einem Artikel, den sie bei einer Wohnzimmerparty gekauft haben, zwei Jahre lang beim Händler reklamieren. Verkäufer sind in diesem Fall aber nicht die Personen, die bei der Party die Ware vorgestellt haben, sondern das Unternehmen selbst.

Der wichtigste Grundsatz für Michael Sittig nach seinem Verkaufspartytest: Auf Verkaufspartys sollte man immer auch das Kleingedruckte lesen und vor allem im Hinterkopf haben, dass man das Recht habe, zu Hause einen Kauf zu überdenken und zu widerrufen.

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