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Werden zu viele Zahnspangen verschrieben?

  03.01.2019 | 20:49 Uhr

In Deutschland erhält rund jeder zweite Jugendliche eine kieferorthopädische Behandlung - ob das nötig ist, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebene Studie. Die Notwendigkeit von kieferorthopädischen Behandlungen wird dabei nicht bezweifelt. Was deren langfristigen medizinischen Nutzen angeht, bestehe aber noch Forschungsbedarf.

Der Mannheimer Kieferorthopäde Henning Madsen kritisiert schon seit Jahren, dass Zahnspangen zu früh und zu häufig verschrieben werden.
Audio [SR 1 Stand der Dinge 3.1.2019]
Der Mannheimer Kieferorthopäde Henning Madsen kritisiert schon seit Jahren, dass Zahnspangen zu früh und zu häufig verschrieben werden.

In Deutschland tragen rund 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen irgendwann eine Zahnspange, meistens um Fehlstellungen der Zähne zu korrigieren. Seit 1972 werden solche kieferorthopädischen Behandlungen von den Krankenkassen bezahlt. Die Ausgaben der Krankenkassen in diesem Bereich sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und haben 2017 den Rekordwert von 1,1 Milliarden Euro erreicht.

Der langfristige medizinische Nutzen für die Mundgesundheit ist allerdings noch zu wenig erforscht, besagt eine Studie des Forschungsinstitutes IGES, die das Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegeben hat. Dem zufolge belegen Studien zwar Erfolge bei der Korrektur falsch stehender Zähne und positive Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten, aber langfristige Auswirkungen auf Zahnausfall oder Parodontitis würden nicht betrachtet. Dass Zahnspangen Probleme wie Karies, Parodontitis oder Zahnverlust verringern, könne weder belegt noch ausgeschlossen werden. Erkrankungen dieser Art träten, so die Studie, normalerweise erst einige Jahre nach der Behandlung auf. Daher seien sehr lange Beobachtungszeiträume erforderlich.


Auch Thema auf SR 1 am 04.01.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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