Bundestagswahlkampf 2021: Wahlplakate von SPD und CDU (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Wahlplakate wirken

  30.08.2021 | 00:00 Uhr

Auch in Zeiten von Social Media sind Wahlplakate nicht von gestern. Es geht nicht nur darum, Gesichter und Personen bekannt zu machen, sondern dem Wähler auch ein bestimmtes Image zu vermitteln. Die großen Parteien sind dabei mehr auf Nummer Sicher gegangen, sagt Ivica Maksimovic von der HBKsaar. Nur die SPD hatte diesmal den Mut, ihre Botschaft plakativ umzusetzen.

Als wäre der Schilderwald auf unseren Straßen nicht schon dicht genug; jetzt schauen am Wegesrand noch zahlreiche Politiker auf uns herunter und auch auf den großen Werbetafeln wollen die Parteien uns ihre Botschaften vermitteln. Es ist wieder Wahlkampfzeit.

Wahlplakate sind die Königsdisziplin

Aber sind all diese Wahlplakate in Zeiten von Internet und Social Media eigentlich noch zeitgemäß? Ja, absolut, sagt Ivica Maksimovic, Professor für Werbung und Kommunikationsdesign an der Hochschule für Bildende Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken. Die Plakate sind eigentlich die Königsdisziplin, sagt er. Denn kaum jemand liest tatsächlich seitenlange, staubtrockene Wahlprogramme. Die Parteien brauchen daher ein Mittel, mit dem sie den Wählern auf anderen Wegen ihre Grundgedanken vermitteln können, und "nirgendwo findet das so zugespitzt statt wie auf den Straßenplakaten", erklärt der Werbeprofi. "Social Media wird überschätzt", sagt er, "um ein positives Image aufzubauen, werden die Straßenwahlplakate immer noch unabdingbar sein."

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Prof. Ivica Maksimovic von der HBKsaar hat sich die Wahlplakate zur Bundestagswahl genauer angesehen

Personen vermitteln Glaubwürdigkeit

Auf den Plakaten sind dabei überwiegend Personen zu sehen. Denn "Personen vermitteln mehr Glaubwürdigkeit als nur Wahlsprüche oder Grafiken", erklärt Prof. Maksimovic. Beispiel CDU: 1994 hat sie ein Bild des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl plakatiert, das ihn inmitten einer Menschenmenge zeigt, ohne Spruch, ohne Namen. "Das ist eigentlich der Höhepunkt, wenn man an der Macht ist und nur die Person zeigen kann", sagt Maksimovic, wenn das alleine also schon genügt.

Neue Wähler erreichen

Am besten hängen die Plakate dabei vor allem in den Regionen, in denen man eigentlich nicht gewählt wird: "Das ist die beste Werbung, weil sie da am meisten auffallen, dadurch überzeugen und alte Vorurteile brechen können," erklärt der Professor. Im eigenen Zielgruppenbereich lässt sich nichts erreichen, dort wirken die Plakate nur wie eine Bestätigung. "Deshalb sind die Wahlplakate auch gut, weil sie im öffentlichen Raum hängen. Und der Zufall ist da manchmal auch der Freund, dass man wirklich die Partei sich näher betrachtet und sie vielleicht auch für sich entdeckt."

Bundestagswahlkampf 2021: Wahlplakate von Bündnis 90/Die Grünen und FDP (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann)

Keine Experimente

Im aktuellen Bundestagswahlkampf zeichnen sich die meisten, auch großen Parteien dadurch aus, dass sie ihre Wahlplakate sehr traditionell angelegt haben. "Man merkt, man will keine Fehler machen. Und dann geht man auf Nummer sicher", so die Analyse des Experten für visuelle Kommunikation.

Nur die SPD hat es diesmal gewagt, neue Wege zu gehen und ihre Kampagne auf überraschende Art umzusetzen: "Die gute alte Tante SPD hat ihr plakatives Rot wiederentdeckt und ihren Spitzenkandidaten auch dank der Schwarz-Weiß-Foto-Kombination gut und plakativ darin eingebaut. Das sieht auf den ersten Blick modern aus." Dass der Wähler allerdings ungefragt geduzt wird, hält Prof. Maksimovic für respektlos und damit wieder kontraproduktiv.


Auch Thema auf SR 1 am 30.08.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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