Wildunfall (Foto: dpa)

Was tun bei einem Wildunfall?

 

Besonders in der Morgen- oder Abenddämmerung kann es jetzt passieren: Ein Wildtier läuft auf die Straße - und uns vors Auto. Wie lässt sich eine Kollision vermeiden? Was tun, wenn man doch mit dem Tier zusammenstößt?

Aufmerksam sein

In der Dämmerung ist das Wild stark unterwegs, erklärt Landesjägermeister Josef Schneider. Durch die Zeitumstellung fällt der Berufsverkehr jetzt in diese Zeit. Daher sollten sich die Autofahrer nun wieder auf die Situation einstellen, dass plötzlich ein Tier auf die Straße läuft, besonders in den frühen Morgenstunden von 5 bis 8 Uhr und abends wieder ab 17 Uhr.

Überall, wo Schilder auf Wildwechsel hinweisen, auch entlang von Waldgebieten, Hecken oder abgeernteten Feldern gilt: Fuß vom Gas, Abstand vom Vordermann halten und den Fahrbahnrand beobachten, ob vielleicht schon Wild dabei ist, die Straße zu überqueren, rät Katharina Lucà vom ADAC.

Wenn man irgendwo ein Stück Rehwild stehen sieht, muss man auch damit rechnen, dass noch weitere Tiere auf die Straße springen könnten.

Lichthupe ist tabu

Um eine Kollision mit dem Tier zu vermeiden, rät die Polizei zu bremsen und zu hupen, um das Tier zu verscheuchen. Allerdings sollte man auf keinen Fall die Lichthupe betätigen, denn davon werden die Wildtiere nicht vertrieben, sondern nur geblendet. Sie bleiben dann stehen, können die Orientierung verlieren und laufen möglicherweise sogar noch auf das Auto zu.

Wichtig ist auch, dass man das Tier im Auge behält, denn es können jederzeit noch weitere Artgenossen folgen.

Nicht ausweichen

Läuft ein Tier in die Bahn, rät Luca, auf keinen Fall auszuweichen, denn dann könnten die Folgen wesentlich schlimmer sein als beim Zusammenstoß mit einem Reh oder Wildschwein: Man fährt in den Graben, gegen einen Baum oder gerät in den Gegenverkehr und gefährdet so vielleicht auch noch andere Verkehrsteilnehmer.

Statt dessen besser scharf bremsen und im Moment des Aufpralls das Lenkrad gut festhalten. Gerade in dieser Situation ist es dann wichtig, zwischen den Autos genügend Sicherheitsabstand zu haben, damit es nicht auch noch zu einem Auffahrunfall kommt.

Wenn es doch zur Kollision kommt

Doch manchmal kann man den Zusammenstoß mit dem Wild nicht vermeiden. Dann sollte man auf jeden Fall die Unfallstelle absichern, das heißt: Warnblinkanlage einschalten, Warnweste anlegen und Warndreieck aufstellen.

Und auf jeden Fall die Polizei rufen. Wenn es die Lage zulässt, sollte man zum eigenen Schutz außerhalb des Autos warten bis die Polizei eintrifft.

Die Polizei verfügt über entsprechende Listen der Jagdreviere und benachrichtigt den zuständigen Revierförster, der für den Abtransport des Tieres zuständig ist.

Angefahrenes Tier nicht anfassen

Man sollte weder ein verletztes noch ein totes Wild anfassen, denn es besteht die Gefahr sich mit Tollwut anzustecken. Verletzte Tiere könnten auch aus Angst zubeißen.

Übrigens: Das angefahrene Tier ist kein 'Frei'-Wild. Wer es in den eigenen Kofferraum packt und mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.

Ein Fall für die Teilkaskoversicherung

Eine Kollision mit einem Wildtier verursacht in der Regel auch Schäden am eigenen Wagen. Die sind mit einer Teilkaskoversicherung abgedeckt. Deshalb sollte man auch bei Unfällen mit kleinen Wildtieren wie einem Fuchs oder Hasen immer die Polizei informieren, da die Versicherungen einen Unfallnachweis haben wollen.

Die Teilkaskoversicherung ersetzt Schäden am Fahrzeug, die durch einen Zusammenstoß mit Haarwild entstanden sind. Zum Haarwild gehören beispielsweise Wildschwein, Reh, Hirsch, Fuchs oder Hase.

Entsteht der Schaden durch einen Ausweichversuch ohne Berührung mit dem Wild, dann kann ein Aufwändungsersatz von der Teilkaskoversicherung gefordert werden. Allerdings muss das erst mal zum Beispiel durch Zeugen nachgewiesen werden.

Kann man weder nachweisen, dass der Schaden am Auto durch den Zusammenstoß mit dem Wild oder infolge von Ausweich- oder Bremsmanövern entstanden ist, kann man den Schaden nur der Vollkaskoversicherung melden. Dadurch wird man allerdings in eine ungünstigere Schadenfreiheitsklasse zurück gestuft.

Wenn wegen eines Kleintieres gebremst wird und es dadurch zu einem Auffahrunfall kommt, dann haftet der Vordermann (also der Bremsende) mit.

In jedem Fall ist es wichtig auf die Polizei oder den Jäger zu warten. Nur die können eine Wildschadenbescheinigung ausstellen, die dann für die Versicherung wichtig ist.


Auch Thema auf SR 1 am 02.11.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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