Der gedeckte Tisch an Weihnachten (Foto: pixabay/TerriC)

Weihnachten 2020: anders und trotzdem schön

  18.12.2020 | 13:50 Uhr

Dieses Jahr ist alles anders. Auch unser Weihnachtsfest verläuft diesmal nicht so wie gewohnt. Zwar gelten über die Feiertage gelockerte Corona-Bestimmungen, aber große Familienfeste sind trotzdem nicht drin. Anders heißt aber nicht gleich schlechter, meint Prof. Rauschnabel, der eine Studie zu Weihnachten 2020 veröffentlicht hat.

Niedrigere Erwartungen

Weihnachten 2020: anders und trotzdem schön
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Weihnachten 2020: anders und trotzdem schön

Was wir uns in erster Linie von unserem Weihnachtsfest erhoffen, ist, dass alles "schön" wird - aber was bedeutet das überhaupt? Marketing-Professor Philipp Rauschnabel von der Universität der Bundeswehr in München erklärt: "Schön heißt, dass Erwartungen, die man hat, erfüllt oder sogar übertroffen werden. Das Gute an diesem Jahr ist, dass die Erwartungen sehr niedrig sind. Und niedrige Erwartungen kann man sehr leicht erfüllen bzw. sogar übererfüllen."

Das bedeutet für uns also: Das diesjährige Weihnachtsfest hat durchaus Potenzial, sogar besser zu werden als sonst - gerade weil alles so anders ist. Ein typischer Negativfaktor an Weihnachten ist zum Beispiel der Vorweihnachtsstress. Da die Feste diesmal generell viel kleiner ausfallen müssen, ist auch dieser Stressfaktor ebenfalls viel geringer.

Weniger Stress

Familienfeste werden oftmals mit einer Art "Hassliebe" betrachtet, so Rauschnabel. Denn so schön sie auch sind, sie bedeuten immer auch extrem viel Stress. Durch die Corona-Beschränkungen hat man diesmal aber mehr Zeit und Energie, sich auf den engsten Familienkreis zu konzentrieren.

Vielen Menschen fällt es trotzdem schwer, diese Umstände positiv zu sehen, da sie gerne an ihrer Tradition festhalten wollen. Hinzu kommt die Unsicherheit : Was darf man machen, was nicht? Das bremst die Weihnachtsstimmung ein wenig aus. "Ich glaube aber, wenn es soweit ist, dann kommt sie kurz vor knapp und es wird trotzdem ein schönes Fest", so Rauschnabel.

Für ein schönes Fest ist es vor allem wichtig, die alten Muster zu durchbrechen, rät Rauschnabel. Man sollte daher nicht versuchen, alles so zu gestalten wie es in den letzten Jahren war. Das wird nicht funktionieren und man wird am Ende enttäuscht.

So kann man sich zum Beispiel beim Weihnachtsmenü viele Probleme ersparen: Anstatt etwas Ausgefallenes zu kochen, was nur mehr Stress und mehr Hektik mit sich bringt, sollte man sich lieber für ein einfacheres Essen entscheiden. Also kein Fünf-Gänge-Menü, das aufwändig vorbereitet werden muss, sondern am besten ein unkompliziertes Essen wählen, rät Rauschnabel, das schmeckt dann auch den Kindern gut.

Trotzdem die Regeln beachten

Im Rahmen seiner Studie hat Prof. Rauschnabel ermittelt, dass die überwiegende Mehrheit die Corona-Maßnahmen befürwortet. Gleichzeitig sagen aber mehr als 40 Prozent, dass sie sich an Weihnachten nicht an die Regeln halten wollen.

Dahinter steckt zum einen der Gedanke: Wenn sich die anderen an die Regeln halten, ist es ja nicht so schlimm, wenn ich es mal nicht tue. Andererseits ist es auch so, dass, wenn sich andere nicht an Vorgaben halten, auch unsere Hemmschwelle sinkt, die Regeln ebenfalls zu brechen, erklärt Rauschnabel. Und schließlich sorgen die emotionalen Momente des Festes dafür, dass wir auch mal über unsere eigenen Prinzipien hinwegsehen.

Dennoch ist Prof. Rauschnabel insgesamt überzeugt: "Eigentlich stehen alle Karten gut, dass wir ein schönes Weihnachtsfest haben werden."


Auch Thema auf SR 1 am 18.12.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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