ein To-Go-Kaffeebecher aus Bambus (Foto: Pixabay/Alexas Fotos)

Viele Bambusbecher setzen Schadstoffe frei

  26.07.2019 | 12:23 Uhr

Sie sollen eine Alternative zu den üblichen To-Go-Bechern sein: Bambusbecher für Kaffee oder Tee. Sie werden mittlerweile überall angeboten, sehen stylisch aus, sind nicht aus Plastik, sind Mehrweg und vermitteln so den Eindruck, umweltfreundlich zu sein. Die Stiftung Warentest warnt jetzt aber vor diesen Bechern aus Bambus.

Bambusbecher mit Schadstoffen

So ein Bambusbecher sieht richtig gut aus. Aber Stiftung Warentest hat nun festgestellt: Sie sind zwar schön, aber gefährlich. Es wurde festgestellt, dass viele von diesen Bechern Schadstoffe – Formaldehyd und Melamin - in sehr hohen Mengen freisetzen. Diese werden dann mit dem Heißgetränk zu sich genommen. Außerdem erwecken die Becher mit den Verpackungsaufdrucken den Eindruck, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, ökologisch und kompostierbar zu sein. Das stimmt in den meisten Fällen nicht.

Wirklich ökologisch?

Viele Bambusbecher setzen Schadstoffe frei
Audio
Viele Bambusbecher setzen Schadstoffe frei

Bambusbecher bestehen nicht nur aus Bambus, sondern aus einer Mischung aus pulverisierten Bambusfasern und - als Klebstoff - Melaminharz. Dieser Klebstoff wird in relativ hohen Mengen eingesetzt und macht zwischen 30 Prozent und 60 Prozent der Bechermasse aus. Deshalb könnte man auch davon sprechen, dass es eigentlich Kunststoff-Becher sind und keine ökologischen und biologisch abbaubare Produkte. Wird der Bambusbecher auf den Kompost oder in eine industrielle Kompostieranlage gegeben, wird er sich auch in Jahren nicht zersetzen.

Manche Anbieter werben auch damit, dass ihre Bamboo Cups recycelbar wären. Auch das stimmt nicht, denn die Becher lassen sich nicht in ihre ursprünglichen Komponenten aufteilen. Die einzige Möglichkeit des Recyclings wäre das thermische Recycling, also die Verbrennung. Etwas anderes kann man mit diesen Bechern nicht mehr machen.

Woher kommen die Schadstoffe?

Ist der Kunststoff ordentlich verarbeitet und werden bestimmte Bedingungen beim Gebrauch eingehalten, etwa Temperaturen unter 70 Grad Celsius, gehen keine nennenswerten Schadstoffmengen in Lebensmittel über.

Anders bei den Heißgetränken wie Kaffee oder Tee. Bei diesen Getränken wurde bei den Labortests der Gehalt von Formaldehyd und Melamin in der Flüssigkeit bestimmt - mit dem erschreckenden Ergebnis, dass sich beide Schadstoffe aus dem Becher lösen und ins Getränk übergehen. Hier ist größte Vorsicht geboten: Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nierensystem zu verursachen. Formaldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nase-Rachen-Raum verursachen.

Ergebnis

Das ernüchternde Ergebnis des Bambusbecher-Tests: Unter den zwölf getesteten Bechern fand sich nur einer des Anbieter Chic Mic, bei dem keine bedenklichen Schadstofffunde gefunden wurden und der auch nicht mehr versprochen hat als er hält.

Tipp

Wenn es ein Mehrwegbecher sein soll, dann statt eines Bambusbechers lieber einen aus anderem Material, zum Beispiel Edelstahl, Porzellan oder Keramik. Bei gelegentlichem Coffee-to-go-Konsum darf es auch mal der Pappbecher sein, dann aber bitte ohne Deckel und später im Restmüll entsorgen. Dann hat man der Umwelt auch keinen Schaden zugefügt.

Mehr zum Thema im August-Heft der Stiftung Warentest test 8/2019.


Auch Thema auf SR 1 am 26. Juli 2019 in der Sendung "Dein Vormittag im Saarland".

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja