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Große Pakete - kleine Ware

  19.02.2020 | 08:57 Uhr

Mehr Luft als Ware im Karton: Oftmals werden bestellte Produkte aus dem Online-Handel in viel zu großen Verpackungen versendet. Der Verpackungsmüll ist lästig und belastet zudem unsere Umwelt. Doch wieso gibt's überhaupt diese Riesen-Kartons?

Standardgrößen der Kartons

Große Pakete - kleine Ware
Audio [SR 1, Christian Balser, Carl Rolshoven, 19.02.2020, Länge: 02:19 Min.]
Große Pakete - kleine Ware

Grundsätzlich sind die Händler bestrebt, die optimale Verpackung für die jeweiligen Produkte zu finden. Das ist aber nicht immer möglich, denn es wird eine Vielzahl an Ware in unterschiedlichsten Formen verschickt: Vor allem runde oder längliche Produkte passen nicht immer perfekt in die quadratischen Standardkartons, die den Anforderungen der Logistik entsprechen. Daher muss oftmals eine größere Verpackung genutzt werden, die viel Luft und Platz übrig lässt, erklärt Daniela Bleimaier vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel.

Abgesehen von den verschiedenen Formen der Produkte gibt es ein weiteres logistisches Problem: Wenn ein extrem kleines und leichtes Paket zwischen mehreren großen Kartons steckt, kann es einfach vom Band fallen. Durch die Standartgrößen der Verpackungen wird das vermieden.

Zeitersparnis beim Verpacken

Beim Online-Handel steht vor allem eines im Vordergrund: Schnelligkeit. Eine Arbeitskraft, die ewig nach der besten Verpackung sucht, kostet Zeit und im Endeffekt auch mehr Geld. Für das Unternehmen ist das teurer als der größte Karton. Gibt es ohnehin nur wenige Standardgrößen zur Auswahl, geht das Verpacken um einiges schneller.

Außerdem wird der Versandpreis vom Paketdienst nicht durch Volumen berechnet, sondern durch Gewicht und Volumengewicht des Paketes. Mit dem Volumengewicht wird der Raum berechnet, den ein Paket im Vergleich zu seinem tatsächlichen Gewicht einnimmt. Das Volumengewicht wird allerdings erst dann angerechnet, wenn es größer ist als das tatsächliche Gewicht. Das passiert in der Regel nur bei wirklich großen Paketen. Daher macht ein größerer Karton als benötigt meistens keinen Preisunterschied.

Nachhaltige Alternativen

Nicht nur die Kunden ärgern sich über den unnötigen Verpackungsmüll: Auch für die Umwelt ist das ein großes Problem, gerade wenn der Müll nicht korrekt entsorgt wird. Daher suchen immer mehr Händler nach Lösungen, um die Pakete in Zukunft nachhaltiger verschicken zu können, so Daniela Bleimeier.

Ein großes Thema sind vor allem Mehrwegverpackungen: Die Hersteller entwickeln also robuste Verpackungen, die mehrmals genutzt werden können. Es gibt verschiedene Modelle, die sich je nach Produktart unterscheiden: Für Bekleidung werden beispielsweise Prototypen von recycelten Kunststofftaschen getestet. Demnach könnte der Kunde die Tasche nach Ankunft der Bestellung einfach wieder per Post zurück an den Händler schicken, wo sie dann gereinigt wird und wieder verwendet werden kann.

Dem Verpacker über die Schulter geschaut
Audio
Dem Verpacker über die Schulter geschaut
SR 1 Reporter Carl Rolshoven hat den Online-Händler 'Scooter Attack' besucht und hat sich von Vertriebsleiter Philipp Lorentz und Mitarbeiter Thomas Bost erklären lassen, wie man dort mit dem Verpackungs-Problem umgeht.

Mehrwegverpackungen: Neue Ideen von Start-Ups

Nicht nur einzelne Prototypen von Mehrwegverpackungen werden getestet: Es gibt sogar ganze Start-Ups, die sich diesem Thema widmen. So lautet die Idee von "RePack": Verpackungs-Pfand im Online-Shopping einführen. Der Käufer würde also bei seiner Bestellung einen Zuschlag für die Bestellung zahlen, welchen er nach Rückgabe der Verpackung wieder zurückerstattet bekäme. Dazu müsste er den Karton nach Erhalt der Ware einfach mit einem beigelegten Rücksendeetikett bekleben und zurück in den Briefkasten werfen.

Eine weiteres Konzept im Sinne der Nachhaltigkeit stammt von "Box at Work": wiederverwendbare Umzugskisten. Herkömmliche Umzugskartons müssen ständig neu gekauft werden, da sie schnell reißen oder unbrauchbar werden. "Box at Work" hat nun Kartons aus Plastik entworfen. Ein Plastik-Produkt zum Umweltschutz? Das klingt zunächst widersprüchlich, aber die Kisten können laut Gründer 400 mal benutzt, danach eingeschmolzen und neu produziert werden.


Auch Thema auf SR 1 am 19.02.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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