Nadelöhr A620, die Saarbrücker Stadtautobahn (Foto: ADAC Saarland)

Fragezeichen im Straßenverkehr

  18.05.2022 | 08:57 Uhr

Endlich den Führerschein in der Hand zu halten ist für viele die Erfüllung eines großen Wunsches und ein Stück Freiheit. Aber Theorie und Praxis sind zwei verschiedene Dinge. Oft genug gibt es Situationen, in denen wir uns fragen, wie jetzt zu reagieren ist oder was richtig und was falsch ist. Christian Mang ist Fahrlehrer in Saarbrücken und hilft Licht in das Verkehrs-Dunkel zu bringen und die Fragezeichen aufzulösen.

Die Spielstraße

Der Volksmund bezeichnet den verkehrsberuhigten Bereich, der durch das blaue Schild mit Erwachsenem und Ball spielendem Kind angezeigt wird, als Spielstraße.


Was heißt 'verkehrsberuhigter Bereich' genau?

In diesem Bereich gibt es keine separate Fahrbahn für Autos oder Gehwege. Vielmehr handelt es sich um eine gesamte Verkehrsfläche, die alle benutzen dürfen: Kinder zum Spielen, Fußgänger zum Laufen, Autofahrer, Radfahrer und so weiter. Natürlich sollen die Fußgänger die Autofahrer nicht unnötig behindern. Aber die Autofahrer müssen daran denken: Es gilt Schritt-Geschwindigkeit.


Wie schnell ist "Schrittgeschwindigkeit"?

Jedenfalls keine 30 km/h. Schrittgeschwindigkeit ist definiert von 4 bis 7 km/h, wobei die obere Grenze inzischen auf bis zu 10 bis 11 km/h erhöht wurde, da viele Autos im 1. Gang ohne Gas zu geben so schnell fahren. Das ist dann in Ordnung. Aber schon das Fahren im 2. Gang ist zu schnell. Rein theoretisch müssten Fußgänger neben dem Auto hergehen können. Das ist dann "Schrittgeschwindigkeit".

Wissensupdate für Autofahrer
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Parkplatz-Situationen


Der Mutter-Kind-Parkplatz

Wissenswertes über Parkplätze
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Wissenswertes über Parkplätze

Alle Mütter und Väter, Omas und Opas, Tanten und Onkel kennen "Mutter-Kind-Parkplätze". Ein schönes Angebot, denn sie sind breiter und somit ist es einfacher, die Kinder aus- und einsteigen zu lassen oder sie in den und aus dem Wagen zu heben. Auch für Kinderwagen ist mehr Platz.

Darf ich auch ohne Kind parken?

Aber viele, die ohne Kinder unterwegs sind, fragen sich: Wenn ich auf Parkplatzsuche bin und sehe, dass der "Mutter-Kind-Parkplatz" noch frei ist, darf ich dann dort parken? Wie ist die rechtliche Lage, auch im Vergleich zu Behindertenparkplätzen?

Die gute Nachricht: Man darf den Parkplatz nehmen, auch wenn die Kinder nicht dabei sind. Denn "Mutter-Kind-Parkplätze" sind normalerweise ein Angebot von den Geschäften. Rechtlich gesehen darf man daher dort parken, und der Wagen darf zum Beispiel nicht abgeschleppt werden wie von einem Behindertenparkplatz. Wie es moralisch aussieht, wenn man sich einfach auf einen Mutter-Kind-Parkplatz stellt, das muss jeder mit sich selbst ausmachen.


Parkplatz-"Diebe"

Diese Situation hat bestimmt schon jeder erlebt: Man sieht eine Parklücke, fährt daran vorbei, um rückwärts einzuparken - und dann fährt der Hintermann vorwärts hinein. Sehr ärgerlich. In solchen Situationen ist es schon zu Handgreiflichkeiten gekommen.

Parkplätze in der Stadt (Foto: Pixabay/GLady)

Wer hat Anspruch auf den Parkplatz?

Dazu Christian Mang: "Es heißt, dass derjenige, der die Parklücke als Erster erreicht, die Parklücke auch nutzen darf." Und dieses Recht bleibt im Prinzip auch bestehen, wenn man vorbeifährt, um rückwärts einzuparken. Das nützt allerdings nichts, wenn der andere sich vordrängelt. Statt es zum Streit kommen zu lassen, sucht man sich dann besser einen anderen Parkplatz, rät Mang.

Fahrradwege, Schutzstreifen, Fahrradzone


Das Fahrrad wird immer beliebter, auf immer mehr Straßen werden Linien gemalt, mal gestrichelt, mal durchgezogen. Worin bestehen denn die Unterschiede?


Der Schutzstreifen

Schutzstreifen sind auf der Straße mit gestrichelten Linien gekennzeichnet und verengen damit die Fahrbahn. Diese dürfen bei Bedarf genutzt werden, das heißt, Autofahrer können trotzdem ganz rechts fahren und den Fahrradstreifen quasi mitnehmen. Es gibt viele Straßen in Saarbrücken, wo diese Situation entsteht, wenn Gegenverkehr kommt, weil ansonsten nicht genug Platz ist.
Klar ist: Wenn Radfahrer auf dem Streifen fahren, dürfen sie nicht behindert oder gefährdet werden. Aber der Schutzstreifen darf bei Bedarf benutzt werden, natürlich nicht zum Parken, aber zum Befahren.


Der Fahrradweg

Im Unterschied zum Fahrradstreifen ist der Fahrradweg mit einer langen, durchgezogenenen Linie von der Fahrbahn abgetrennt. Dieser darf vom Autofahrer nur im äußersten Notfall benutzt werden.


Die Fahrradzone

In Saarbrücken wurde zum Beispiel im Nauwieser Viertel eine Fahrradzone eingerichtet. Wie verhält man sich als Autofahrer in diesem Bereich?

Fahrradzone (Foto: SR)

Die Fahrradzonen sollen immer auch "Anlieger frei"-Bereiche sein, damit der Durchgangsverkehr draußen bleibt. Radfahrer dürfen hier oder auf Fahrradstraßen fahren wie sie wollen. Sie dürfen auch nebeneinander und in Einbahnstraßen entgegengesetzt fahren.

Für die Autofahrer gilt hier eine besondere Vorsicht gegenüber den Radfahrern: Sie dürfen weder überholt noch behindert werden. Es gelten ganz normal die Rechts-vor-Links-Regelungen. Die Geschwindigkeit für Autofahrer ist auf maximal 30 km/h begrenzt. Also es ist eine normale 30er-Zone, in der die Radfahrer im Prinzip fahren dürfen wie sie wollen.

Auf der Autobahn


Immer rechts fahren?

Wer kennt sie nicht, die Mittelspurfahrer. Gehören die nicht nach rechts?

Bei zwei Fahrspuren ist dies definitiv so, denn die linke Spur ist nur zum Überholen gedacht, sagt Christian Mang.

Anders ist die Situation bei einer dreispurigen Autobahn. Im Gesetz heißt es: Die mittlere Spur darf dann durchgängig befahren werden, wenn auch nur hin und wieder auf der rechten Spur ein Langsamerer fährt.

Wenn ich allerdings sehe, dass die rechte Spur auf weite Sicht frei ist, dann gilt das Rechtsfahrgebot. Die beiden anderen Spuren sind dann nur zum Überholen gedacht.

Was darf ich auf der Autobahn?
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Was darf ich auf der Autobahn?


Abfahren von der Autobahn

Es staut sich auf der Autobahn und die Abfahrt kommt immer näher. Da wird gerne mal der Standstreifen genutzt, um möglichst schnell von der Autobahn abzufahren. Das ist aber verboten.

Der Standstreifen ist für den normalen Autofahrer tabu. Er ist bei einem Unfall für Rettungsfahrzeuge für die Rückfahrt gedacht.

Man muss daher zum Abfahren von der Autobahn warten, bis die Verzögerungsspur beginnt und darf nicht schon weit vorher auf diese Spur fahren.


Darf man auf der Verzögerungsspur am normalen Verkehr vorbeiziehen?

Auch wenn die Verkehrsteilnehmer langsamer sind als man selbst - ein Vorbeiziehen ist nicht gestattet und auch nicht ratsam. Zum einen ist auf dem Abbiegestreifen das Rechtsüberholen nicht erlaubt. Und zum anderen könnte sich ein Autofahrer aus dem normalen Verkehr noch kurzfristig entschließen, die Abfahrt zu nehmen. Überholt man dann rechts, ist ein Unfall vorprogrammiert.

Eine Ausnahme gibt es: die Abfahrt bei zähfließendem Verkehr, also bei 20 bis 30 km/h oder Stau. Hier ist ein Vorbeiziehen am normalen Verkehr erlaubt. Aber auch dann muss man immer damit rechnen, dass ein anderer auch auf die Idee kommt, doch noch abzufahren.


Wie ist das bei Autobahn-Verteilern?

Es gibt die normale Autobahnabfahrt und es gibt die sogenannten Autobahn-Verteiler, wenn aus einer Autobahn zum Beispiel zwei werden. Die rechte Spur wird komplett zur Abbiegespur. Hier darf ab Beginn der breiten Leitlinie im Prinzip rechts überholt werden. Das gilt aber nur, wenn es über eine andere Autobahn geht. So auch im Autobahnkreuz, wenn sich die Autobahn teilt, dann darf ab Beginn der breiten Leitlinie rechts überholt werden. So lange die Leitlinie normal gestrichelt und dünn ist, ist dies nicht erlaubt.


Auch Thema am 03.05.2022 in der Sendung "SR 1 - Die Morningshow".

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