Ein Smartphone wird in Händen gehalten und bedient (Foto: Pixabay/Pexels)

Ein Klick, und schon schnappt die Handy-Abo-Falle zu

Yvonne Schleinhege   21.10.2020 | 10:38 Uhr

Meist ist es nur ein falscher Klick und man ist ohne es zu merken in eine Falle getappt. Oft ist es Werbung mit der man sich ein kostspieliges Abo einhandelt. Dieses taucht dann erst auf der Handyrechnung auf. Auch wenn es neue gesetzliche Regelungen zum Schutz von Mobilfunkkunden gibt, gibt es mit Handy-Abofallen weiterhin viel Ärger, berichtet die Zeitschrift Finanztest in ihrer Novemberausgabe.

Bezahlen per Mobilfunkrechnung kann sinnvoll sein

Wie sich vor Handy-Abo-Fallen schüzen?
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Wie sich vor Handy-Abo-Fallen schüzen?

Grundsätzlich ist das Bezahlen über die Mobilfunkrechnung auch durchaus praktisch und sinnvoll. Etwa beim Bezahlen von Parktickets, Fahrkarten oder Zeitschriftenartikeln im Netz. Die entsprechenden Kosten werden dann zusammen mit den "normalen" Telefonkosten vom Konto abgebucht. Immer wieder beschweren sich allerdings Verbraucher bei der Stiftung Warentest oder auch bei den Verbraucherzentralen, dass auch Beträge abgebucht werden, von Dingen oder Abos, die sie gar nicht gebucht haben. Das sind dann Rechnungsposten von sogenannten Drittanbietern.

Finanztest: Grauzonen werden ausgenutzt

Obwohl es neue gesetzliche Regelungen zum Schutz von Mobilfunkkunden gibt, gebe es weiterhin viel Ärger mit solchen Verträgen und Abos, so die Beobachtung von Experte Theo Pischke. Seit Februar etwa gilt es bei Abschluss eines Abos das sogenannte Redirect-Verfahren. Wenn Kunden also bei einem Drittanbieter auf ihrem Smartphone durch Anklicken etwa abonnieren, zum Beispiel Videos, werden sie auf eine Seite des Mobilfunkanbieters umgeleitet. Hier schließen die Kunden den Kauf dann ab - per Klick über einen Button "zahlungspflichtig" bestellen. Ob und wie das tatsächlich wirkt, darüber könne man noch keine Aussage treffen, so der Experte. Doch auch wenn solche und andere Regelungen gibt, werden weiterhin Grauzonen ausgenutzt.

Drittanbietersperre als Schutz

Schützen vor solchen Betrugsfallen kann man sich mit Hilfe einer sogenannten Drittanbietersperre. Diese kann der Mobilfunkanbieter einrichten. Damit kommen die meisten Kunden allerdings erst in Kontakt, wenn sie schon in eine Abofalle getappt sind. Das Problem aus Sicht von Verbraucherschützern: Diese Drittanbietersperre ist nicht voreingestellt, sondern man muss die Einstellung per Mail, im Kundenportal oder per Post einrichten lassen. Mit so einer Drittanbietersperre ist allerdings der Abrechungsweg über die Handyrechung zukünftig komplett blockiert. Allerdings beobachtet Theo Pischke, dass Mobilfunkanbieter immer öfter auch selbst Abo-Leistungen oder ähnliches abrechnen. In solchen Fällen funktioniere so eine Drittanbietersperre nicht.

Wenn ich die Falle getappt

Wer in eine Abofalle getappt ist und auf dessen Handyrechnung ein Rechnungsposten auftaucht, der ihm komisch vorkommt, muss sich immer an den Mobilfunkanbieter wenden. Denn dieser ist verantwortlich, so der Experte von der Finanztest. Der Mobilfunkanbieter müsse sich um die Reklamation des Kunden kümmern und den Sachverhalt aufklären. Auch ist er gegebenenfalls für die Erstattung der falschen Rechnungsposten zuständig. Allerdings würden die Mobilfunkanbieter zum Teil Schwierigkeiten machen, weil sie an diesem Geschäft auch verdienen, erklärt Theo Pischke. Die Kunden sollten sich aber nicht einschüchtern lassen, sondern auf die Erstattung bestehen.

Auf die Erstattung bestehen

Zunächst sollte man sich schriftlich an den Mobilfunkanbieter wenden, und bestreiten, dass man das Abo abgeschlossen hat beziehungsweise ein Vertrag zustande gekommen ist. Musterschreiben gibt es online auf den Seiten der Stiftung Warentest: test.de/abofalle-musterbrief. Da die Handyrechnung ja in der Regel bezahlt ist, sollte man das Geld von der Bank zurückbuchen lassen. Allerdings ist es wichtig, dass man die regulären Rechungskosten dann nochmal bezahlt, und dann nur die Kosten für den Aboposten abzieht. Mit den eigentlichen Telefonkosten sollte man nicht in Rückstand geraten, weil dann der Mobilfunkanbieter im Zweifelsfall den Anschluss sperren kann.

Beweislage liegt beim Mobilfunkanbieter

Wichtig: Der Mobilfunkanbieter hat die Pflicht zu beweisen, dass der Kunde etwas bestellt und gekauft habe. Oftmals tue er dies mit sogenannten Logfiles, erklärt Theo Pischke. Die Mobilfunkanbieter würden dann eine Art Bestellprotokoll schicken. Dies ist in der Regel eine nicht plausible Zusammenstellung von Zahlen und Buchstaben. Aus Sicht des Verbraucherschützers ist das allerdings kein Beweis, dass der Kunde etwas willentlich und wissentlich bestellt habe. Auch sollte man sich nicht von Drohungen beeinflussen lassen, sondern hartnäckig sein. Hilfe gibt es zum Beispiel bei der Bundesnetzagentur, den Verbraucherzentralen oder auch bei der Finanztest.

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