Social Distancing Symbolbild (Foto: pixabay / Matryx)

Die Jugend ist vernünftiger als erwartet

  22.10.2020 | 19:47 Uhr

Die Coronakrise hat unser aller Leben verändert. Vor allem für die jüngere Generation bedeutet das: Verzicht auf Partys, Clubbesuche und eine ausgelassene Freizeit. Doch die Mehrheit der jungen Menschen nimmt die Corona-Maßnahmen erst. Das hat eine aktuelle Jugendstudie ermittelt.

Nach einem relativ enstpannten Sommer steigen die Corona-Zahlen derzeit rasant an. Jetzt gelten wieder verschärfte Maßnahmen - und immer wieder heißt es: Wenn es geht, bleibt zuhause.

Zuhausebleiben und Kontaktbeschränkungen lassen sich schwer mit dem Lebensstil jüngerer Menschen vereinbaren. Die sind meist sehr agil und kommunikativ unterwegs. Zu diesem Thema hat die TUI Stiftung jetzt eine Studie vorgestellt. Insgesamt wurden rund 6000 junge Leute in sieben europäischen Ländern befragt.

Studie: Die Jugend ist vernünftiger als erwartet
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Studie: Die Jugend ist vernünftiger als erwartet

Vernünftige junge Generation

Trotz der schweren Einschränkungen in Freizeit und Privatleben sind die meisten Befragten sehr einsichtig, erklärt Marcus Spittler vom Wissenschaftszentrum Berlin: "Eine überwiegende Zahl gibt an, dass sie sich an die Corona-Maßnahmen halten. Nur eine Minderheit von zwei Prozent sagt, dass sie sich nicht an die Regeln hält." Die Verordnungen erhalten also trotz der erheblichen Einschnitte große Zustimmung.

Das Interessenfeld der Jugendlichen ist dabei interessanterweiser stabil geblieben: Umwelt und Klima sind für die jungen Erwachsenen weiterhin das wichtigste Thema und wurden nicht etwa von Wirtschafts- oder Gesundheitspolitik überholt.

Altersgruppen-Unterschiede

Die Corona-Maßnahmen treffen die junge Generation am schwersten, so Spittler. So ist zum Beispiel der Verzicht auf Clubbesuche im Leben junger Erwachsener relevanter als für ältere Personen.

Aber nicht nur bei der Freizeitgestaltung, auch in der Bildungs- und Berufswelt gibt es Unterschiede: Die Jugendstudie hat gezeigt, dass gerade das Homeschooling ein großes Problem darstellt: "Die Gruppe, die noch zur Schule geht oder die gerade eine Ausbildung beginnt, leidet sehr stark unter dem Homeschooling", so Spittler. Erwachsene dagegen haben weniger Schwierigkeiten mit dem Homeoffice.

Eine Corona-Generation?

Angesichts der aktuellen Entwicklungen stellt sich die Frage, ob sich eine Corona-Generation entwickeln könnte, deren Leben langfristig durch die Pandemie geprägt wäre.

Diese Gefahr besteht tatsächlich, sagt Marcus Spittler: "Es ist grundsätzlich so, dass politische Ereignisse für die Altersgruppe von 15 bis 25 Jahre besonders beeindruckend sind. Da passiert wahnsinnig viel, und die Eindrücke und Sozialisationserfahrungen begleiten denjenigen ein Leben lang. Doch das müsse nichts Negatives sein, so Spittler. Wichtig sei nur, die Bedürfnisse jüngerer Menschen gerade jetzt in den Verordnungen stärker zu berücksichtigen und sich beispielsweise um Ausbildungsplätze zu kümmern, die durch die Pandemie nun weggefallen sind.

Weitere Informationen

TUI-Jugendstudie
Die Jungen nehmen Rücksicht
In einer neuen Studie geben die meisten jungen Menschen an, sich an die Corona-Beschränkungen zu halten - vor allem aus Solidarität. Ihr Blick in die Zukunft fällt allerdings skeptisch aus.


Auch Thema auf SR 1 am 22.10.2020 in der Sendung 'Stand der Dinge.'

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