Zwei Personen mit Smartphones in Händen (Foto: pixabay/terimakasih0)

TikTok : Das soziale Netzwerk aus China

  23.01.2020 | 13:45 Uhr

TikTok ist das weltweit am stärksten wachsende Netzwerk. Mit 1,5 Millarden Downloads hat die Videosharing-App inzwischen sogar Instagram überholt. Doch was genau kann die App, und was sollte man bei der Nutzung beachten?

Beim Stichwort soziales Netzwerk kommen zunächst Namen wie Facebook oder Instagram in den Sinn. Doch auf der Liste der globalen, sozialen Netzwerke darf das chinesische Videoportal TikTok nicht mehr fehlen. Mit weltweit 1,5 Milliarden Downloads und über einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer ist TikTok das am stärksten wachsende Netzwerk. In Deutschland nutzen auch schon 5,5 Millionen die App, zumeist junge Leute zwischen 13 und 20 Jahren.

Was ist das und wie geht das?

"Daten landen auf chinesischen Servern"
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"Daten landen auf chinesischen Servern"
SR-Moderatorin Kerstin Mark hat darüber mit ARD-Chinakorrespondent Axel Dorloff gesprochen.

Bei TikTok handelt es sich um ein Videoportal für die Synchronisation von kurzen Videoclips. Nutzer können kurze Videos aufnehmen und diese dann mit den Audiospuren bekannter Songs oder Filmszenen unterlegen. In den kurzen Clips wird dann häufig getanzt, um das Video möglichst kreativ, lustig und vor allem synchron an die ausgewählte Audiospur anzupassen. Die TikTok-Musikliste stellt eine Auswahl verschiedener Musikstile und Audioclips aus insgesamt 19 Kategorien zur Verfügung. Dadurch, dass die Nutzer ihre Videos mit anderen teilen können, handelt es sich zugleich um ein soziales Netzwerk. Kurz: Instagram für Musik und Videos.

Die beliebtesten Clips werden dann auf der Hauptseite angezeigt und können auch von nicht angemeldeten Nutzern angeschaut werden. Für das Erstellen eines Videos und das Interagieren mit anderen Nutzern ist eine Anmeldung jedoch erforderlich. Am häufigsten genutzt wird die App von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 20.

Kritik am Datenschutz

TikTok geriet in der Vergangenheit häufig in die Kritik, nicht ausreichend für den Datenschutz der Nutzer zu sorgen. Auch mangelnder Jugendschutz wurde stark kritisiert, insbesondere aufgrund der Beeinflussbarkeit und Leichtsinnigkeit der oft minderjährigen Zielgruppe. Der Plattform wurde unter anderem vorgeworfen, nicht ausreichend gegen Sexismus und Mobbing in den Kommentaren vorzugehen. US-Behörden verhängten 2019 aus diesen Gründen sogar eine Strafe von 5,7 Millionen US-Dollar. Um das in Zukunft zu verhindern, soll ein Sicherheitscenter in Deutschland ausgebaut werden.

Wie Eltern TikTok sicher machen können


App gemeinsam entdecken und Profil einrichten

Irene Schulz von 'Schau hin!' rät Eltern, sich gemeinsam mit den Kids die App anzuschauen. Und ganz wichtig: Das Konto auf privat stellen, dann können nur bestätigte Kontakte die Beiträge des Kindes sehen und mit diesem interagieren.

Im öffentlichen Modus können alle ZuschauerInnen das Video auch außerhalb der App sehen, z.B. auf Instagram oder Facebook. Über die Funktion „Digital Wellbeing“ kann die Bildschirmzeit beschränkt werden.

Sicherheitsregeln vereinbaren

Und dann ist es immer noch wichtig, klare Regeln für die Nutzung aufzustellen. Also: Was poste ich? Was sollte auf keinen Fall in den Videos zu sehen sein? Was sind die No-Gos und wo sind die Alarmglocken gesetzt, bei denen die Kinder auf jeden Fall ihren Eltern Bescheid sagen sollten?

Die Macht der App: Einfluss und Popularität

Durch eine Nutzerzahl von über einer Milliarde Menschen weltweit hat die App großen Einfluss auf die meist jugendlichen Benutzer. Diverse sogenannte Internet-Challenges wurden über die Videoplattform gestartet und verbreitet. Durch TikTok sind Internet-Berühmtheiten mit Millionen Anhängern entstanden. Auch etablierte Prominente, darunter vor allem Musiker, nutzen die Plattform, da ihre Musik mithilfe der kurzen Videos zu enormer Bekanntheit kommen kann.

Die Macht der App: Zensur

Inhalte, die nicht dem Interesse der chinesischen Regierung entsprechen, werden von der Plattform entfernt. So wurden Inhalte über Zwangslager in Xinjiang oder die andauernden Proteste in Hongkong effizient unterdrückt. Kritik am chinesischen Sozialismus bzw. chinakritische Inhalte im Allgemeinen werden zensiert. Videos mit homosexuellem Inhalt oder die Befürwortung von Homosexualität sind verboten. Gemäß der Richtlinien dürfen Moderatoren Videos mit Kritik an TikTok oder dem bloßen Erwähnen einer Konkurrenzfirma sofort löschen. Auch länderspezifisch wird zensiert. In der Türkei darf keine Kritik an Präsident Recep Tayyip Erdoğan geübt werden. Auch das Erwähnen nicht-islamischer Götter ist hier verboten.

Seit einigen Jahren wird in China das Social-Scoring-System aufgebaut, ein totalitäres Überwachungssystem, bei dem Datenströme aus Wirtschaft und Politik verschmelzen. Das Verhalten der Bürger wird hier laufend beobachtet und bewertet. Konformität wird belohnt, Nonkonformität bestraft. Chinesische Firmen wie ZTE und China Telecom versuchen bereits Einfluss auf die Regulierung der Felder Gesichtserkennung und Video­monitoring durch die Internationale Fernmeldeunion, einem Gremium der Vereinten Nationen, zu nehmen. Damit will China auch internationale Standards beeinflussen und gewinnt durch eine App wie TikTok enorm an kultureller "Soft Power".

Weitere Informationen

TikTok
Mehr Sicherheit für Kinder
Am besten richtet man TikTok gemeinsam mit dem Kind ein. Sicherheitsregeln und Absprachen darüber, was gepostet wird, können vor potenziellen Gefahren schützen.


Beliebte Handyspiele im Test
Spiele-Apps sind bei Kindern sehr beliebt, doch kindgerecht sind die wenigsten. 14 Handyspiele für Kinder wie Minecraft oder Fortnite hat die Stiftung Warentest überprüft, empfehlen kann die Verbraucherorganisation keines.


YouTube
Verstärkter Datenschutz für Kinder
Die Privatsphäre von Kindern bei YouTube soll in Zukunft besser geschützt werden. Bei Videos von Kindern und für Kinder werden einige Features deaktiviert. Was können Eltern außerdem tun, um ihre Kinder vor möglichen Gefahren im Internet zu schützen?


Auch Thema auf SR 1 am 23.01.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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