Schüler können sich in Schulen testen lassen  (Foto: SR)

Wie soll es an den saarländischen Schulen weitergehen?

  09.04.2021 | 22:14 Uhr

Die Landesregierung plant, ab dem 19. April zum vollständigen Präsenzunterricht zurückzukehren. Zugleich soll an weiterführenden Schulen eine Testpflicht eingeführt werden. Eltern und Lehrer sind von diesen Plänen nicht begeistert.

Präsenzunterricht und Testpflicht

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Die Kultusministerinnen und -minister beraten, wie es mit den Schulen weiter gehen soll. Wenn es nach den Plänen der Landesregierung geht, sollen ab dem 19. April alle Schulen im Saarland wieder zum vollständigen Präsenzunterricht zurückkehren. So sieht es das Saarland-Modell vor.

Zugleich soll an weiterführenden Schulen auch eine Testpflicht eingeführt werden. Das bedeutet: Alle Schülerinnen und Schüler müssen sich dann zweimal pro Woche testen lassen, sonst dürfen sie nicht in der Schule am Unterricht teilnehmen. "Die Testpflicht ist ein sehr hartes Instrument", erklärt die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. "Sie besagt: Wer sich nicht beteiligt, hat Zutrittsverbot in die Schule. Das hebt aber die Schulpflicht nicht auf. Daher muss es auch für diese Schüler ein Bildungsangebot geben." Wer sich nicht testen lässt, für den ist also Homeschooling angesagt.

Saarland will zurück zum vollständigen Präsenzunterricht
Audio [08.04.2021]
Saarland will zurück zum vollständigen Präsenzunterricht
Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot im SR 1 Interview

Zugleich bleiben die Corona-Schutzmaßnahmen weiter bestehen: "Eine Rückkehr in den vollständigen Präsenzunterricht bedeutet ja nicht einen Verzicht auf jegliche Infektionsschutzmaßnahmen", so die Ministerin, "sondern wir haben ja nach wie vor ein sehr hohes Maß an Schutzmaßnahmen, die wir umsetzen: neben den Testangeboten, die wir machen, tragen alle Schülerinnen und Schüler, alle Lehrkräfte eine Maske, es wird weiter gelüftet ... ", so die Ministerin.

Eltern- und Lehrerverbände begrüßen die Testpflicht

„Die Schüler sitzen wieder enger aufeinander, sie bewegen sich zusammen in der Schule, sie haben auch gemeinsame Schulwege", da sorgen die Tests für ein besseres Gefühl und mehr Sicherheit, sagt Katja Oltmanns, die Vorsitzende der Landeselternvertretung der Gymnasien im Saarland.

Lisa Brausch vom SLLV im SR 1 Interview
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Lisa Brausch vom SLLV im SR 1 Interview

Auch der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) spricht sich für eine Testpflicht an den weiterführenden Schulen aus, vielen Lehrkräften geht das aber noch nicht weit genug. Sie plädieren dafür, die Testpflicht auch auf die Grund- und Förderschulen auszuweiten: "Gerade in den letzten Tagen zeigt sich, dass das Infektionsgeschehen bei jüngeren Kindern dramatisch ansteigt", erklärt die SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch, und fordert darüber hinaus auch eine Impf-Priorisierung für die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen.

Außerdem soll das Testverfahren nach kurzer Zeit auf Selbsttests umgestellt werden. Es könne allerdings nicht die Aufgabe des Lehrpersonals sein, diese Selbttests zu betreuen, erklärt Brausch. Dazu werden dann medizinische Kräfte benötigt.

Maßnahmen verfrüht

Eltern und Lehrer halten die Rückkehr zum vollen Präsenzunterricht derzeit aber noch für verfrüht. Noch sei das Risiko zu groß. Zudem sei man der Auffassung, dass sich die Testpflicht erst etabliert haben sollte, bevor man über weitere Öffnungschritte nachdenkt, so Lisa Brausch vom SLLV.

Ein voller Präsenzbetrieb mit gleichzeitigen Tests aller Schüler zweimal pro Woche sei eine enorme Herausforderung, so Elternvertreterin Katja Oltmanns. "Uns wäre es lieber, noch eine Zeitlang in diesem Wechselmodell zu bleiben und dann zu schauen, sind die Inzidenzwerte gut, können wir dann vielleicht Richtung Mai in den vollen Präsenzunterricht gehen.

Zusätzliches Personal notwendig

Es ist klar geregelt, dass Schüler, die sich nicht testen lassen, nicht am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen. Das bedeutet, dass diese Kinder zuhause unterrichtet werden müssten. "Das wiederum ist gar nicht leistbar", so Brausch, "wenn alle Lehrkräfte im vollen Präsenzunterricht eingesetzt sind." Dafür bräuchte man dann mehr Personal.

Auch Birgit Jenni von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert den hohen organisatorischen Aufwand, der für die Lehrkräfte zu einer Doppelbelastung führt. Sie spricht sich weiter für Wechselunterricht aus: "Da werden die Gruppen kleiner. Und wir brauchen diesen Wechselunterricht, weil da das Infektionsgeschehen ja um das Vierfache sinkt."

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Auch Thema auf SR 1 am 08.04.2021 in der Sendung 'Hallo Saarland' und am 09.04.21 in 'Dein Morgen im Saarland'.

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