Wer seinem Kind ein Smartphone anschafft, sollte grundlegende Regeln aufstellen. (Foto: Pixabay/3dman_eu)

Beliebte Handyspiele im Test

  24.09.2019 | 12:03 Uhr

Spiele-Apps sind bei Kindern sehr beliebt, doch kindgerecht sind die wenigsten. 14 Handyspiele für Kinder wie Minecraft oder Fortnite hat die Stiftung Warentest überprüft, empfehlen kann die Verbraucherorganisation keines.

Kindgerechte Inhalte, sichere Nutzung und Verstöße melden

Rechtsextreme Spielernamen bei Fortnite und Clash of Clans, Verweise auf Pornoseiten bei Clash Royale und Brawl Stars. Auch wenn Spiele noch kindgerecht sind, die Mitspieler sind es vielleicht nicht. Namensfilter kommen aufgrund der schieren Masse oder der kreativen Schreibweise oft nicht hinterher.

Riskante Spiele-Apps
Audio
Riskante Spiele-Apps

Ebenfalls ein großes Problem sind schlecht gesicherte Chats. Spieler können oftmals problemlos untereinander kontaktieren. Bei vielen Apps gibt es weder Blockier- und Meldefunktionen, noch eine Moderation. Das öffnet sowohl Cybermobbing als auch Cybergrooming Tür und Tor. Beim Cybergrooming versuchen Täter, Minderjährige gezielt zu sexuellen Handlungen zu überreden. Aufgrund fehlender Meldemöglichkeiten lassen sie sich nur schwer zurückverfolgen.

In-App-Käufe und versteckte Werbung

Viele App-Entwickler drängen Kinder dazu, Geld auszugeben. In-App-Käufe sind dabei das größte Problem. Die Spiele selbst sind meist kostenlos und locken mit leichten Einstiegslevels. Doch mit der Zeit steigt der Schwierigkeitsgrad. Wer weiterkommen will, wird dazu angeregt, zusätzliche Items zu kaufen oder gegen eine Gebühr Wartezeiten zu verkürzen. Spieler von Angry Birds werden beispielsweise immer wieder zu teuren In-App-Käufen aufgefordert.

Zudem enthalten zahlreiche Apps Werbung, die für Kinder nicht als solche zu erkennen ist, weil sie sich mit dem Spielinhalt vermischt. In manchen Fällen werden Kinder sogar mit Belohnungen animiert, sich Werbespots anzuschauen.

Datenschutz

Während das Spielen von Pokémon Go aus Expertensicht grundsätzlich unbedenklich ist, so patzt das Spiel von Nintendo, wie auch alle anderen Testkandidaten, beim Datenschutz. Für Kinder ist die Datenschutzerklärung viel zu kompliziert und dadurch unverständlich. Genau das fordert allerdings die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Hinzu kommt, dass viele Apps unnötig Nutzerdaten erheben und diese an den Hersteller oder Dritte senden, sogar wenn das Tracking eigentlich deaktiviert wurde.

Kein getestetes Spiel unbedenklich

14 Spiele wurden getestet und das Urteil der Experten ist hart: Keines ist unbedenklich, 13 sind inakzeptabel für Kinder und eines zumindest bedenklich.
Das Spielen grundsätzlich zu verbieten ist allerdings keine Lösung findet Danielle Levèn von der Stiftung Warentest. Ihr Tipp:

Sich dafür interessieren, was die Kinder spielen. Einfach mal mitspielen und gucken was machen sie. Vertrauensbasis schaffen, erklären: Was sind In-App-Käufe, was ist Werbung, was sind bedenkliche Inhalte. [...] Nicht das Gefühl geben, es (das Kind, Anm. der Redaktion) wird bestraft, wenn es etwas tut.

Kinder schützen

Darüber hinaus haben Eltern verschiedene Möglichkeiten, ihren Nachwuchs zu schützen. So lassen sich beispielsweise Apps durch ein Passwort im Store sperren. Danach lassen sich nur Spiele mit einer bestimmten Alterseinstufung installieren. Ähnliches gilt für In-App Käufe, die sich ebenfalls durch eine Einstellung im App-Store blockieren lassen. Gleich mehrere Probleme löst das Offline-Spielen - sofern es die App erlaubt: Chatten mit Fremden wird grundsätzlich gestoppt, Einkäufe werden verhindert und auch das Datenvolumen wird geschont. Zusätzlich können Kindersicherungs-Apps die maximale Spieldauer beschränken und klare Regeln für die Nutzung festlegen.

Stiftung Warentest
Naziparolen in Kinder-Apps
Versteckte Kosten, Nazisprüche und Pornografie: 14 Handyspiele für Kinder wie Minecraft oder Fortnite hat die Stiftung Warentest überprüft, empfehlen kann die Verbraucherorganisation keines.

Thema auf SR 1 am 24.09.2019 unter anderem in Balser&Mark. Dein Morgen

Artikel mit anderen teilen


Ihre Meinung

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja