Szenenfoto aus dem SR-Tatort 'Der Pakt' (Foto: SR)

Einsatz im letzten Fall von Devid Striesow

  25.01.2019 | 14:28 Uhr

Nicht wie sonst üblich als Reporter im Hintergrund, sondern voll im Bild als Komparse - SR-Mitarbeiter Marko Völke war beim Nachtdreh zum neuen SR-Tatort 'Der Pakt' im Saarbrücker Schloss dabei. Hier ist sein Erlebnisbericht.

21 Uhr: Ich treffe am 'Tatort' beziehungsweise Drehort der heutigen Szene im Saarbrücker Schloss ein. Vor dem Wahrzeichen der Landeshauptstadt stehen ein echtes Polizeiauto und LKWs voller Equipment. Auch einige der Hauptdarsteller sind schon da und bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Bis wir Komparsen dran sind, brauchen wir dagegen noch viel Geduld.

Ursprünglich sollten wir ja schon ab 18 Uhr drehen. Doch der Plan hat sich immer weiter nach hinten verschoben. Der Warteraum wird für uns in den nächsten Stunden zum wichtigsten 'Einsatzort'. Wir sollen uns entweder dort, auf der Toilette oder im Catering aufhalten, damit er uns schnell findet, wenn wir dran sind, erklärt uns der zweite Regieassistent Marc André Misman. Er ist für uns Komparsen zuständig.

21.30 Uhr: Eine Mitarbeiterin der Kostüm-Abteilung checkt zuerst einmal unsere mitgebrachten Klamotten. Wir mimen die Gäste einer festlichen Ehrenpreis-Verleihung. Dafür sollten wir angemessene Abendgarderobe mitbringen. Während eine andere Komparsin ein komplett neues Outfit bekommt, wird mein Anzug für gut befunden. Die erste Hürde ist geschafft...

Komparse Marko Völke in der Maske (Foto: Marko Völke)

Nun heißt es erst mal: Formulare ausfüllen und meine persönliche Daten aufschreiben. Danach habe ich einen Termin bei Maskenbildnerin Sabine. Fast 30 Komparsen muss sie heute schminken. Doch die langjährige 'Tatort'-Mitarbeiterin bleibt gelassen, pudert mich ab, plaudert gut gelaunt mit mir und nimmt mir so die Aufregung.

22.30 Uhr: Wir warten weiter. Von der Studentin bis zur Zahnärztin und vom 20-Jährigen bis zum Rentner stammen meine Kollegen für heute aus den unterschiedlichsten Berufen und Generationen. Mit einigen kommt man schnell ins Gespräch. Erwin Büch zum Beispiel gehört schon zu den 'alten Hasen'. Bereits zu 'Palü'-Zeiten war er als Komparse beim SR-Tatort dabei. Inzwischen kommt er schon auf ein Dutzend Einsätze bei den verschiedenen Kommissaren. Büschs Erfahrung: „Man muss vor allem Zeit und Geduld mitbringen“, bewahrheitet sich auch heute wieder. Mit Süßigkeiten und frischen Früchten versüßt uns eine Mitarbeiterin des Catering-Teams unsere Wartezeit.

23.30 Uhr: Endlich ist es soweit. Mismann ruft uns zu unserem 'Tatort'-Einsatz. Maskenbildnerin Sabine pudert mich noch mal schnell ab. In einem Saal des Saarbrücker Schlosses wird derweil das Set vorbereitet, das Licht eingerichtet und die Kamerapositionen geprobt. Überall wuseln Mitarbeiter herum. Elisabeth Brück, die zum achten Mal die Rolle der Kriminal-Hauptkommissarin Lisa Marx spielt, wirft einen Blick in den Raum.

24 Uhr: "Ruhe bitte!“, ruft ein Mitarbeiter des Teams. Der Dreh zur Geisterstunde beginnt. Franziska Schubert spielt die junge Ärztin Dr. Bindra, die sich um Flüchtlinge kümmert. Sie steht an einem Rednerpult und spricht zu uns. Zunächst wird die Einstellung geprobt. Regisseur Zoltan Spirandelli gibt seinem Team Anweisungen. Derweil erklärt uns sein Assistent, wann wir klatschen sowie aufstehen und den Saal verlassen sollen. Immer wieder wird die Szene aus verschiedenen Kameraperspektiven gefilmt.

"Hoffentlich habe ich den richtigen Blick aufgesetzt?", frage ich mich. Immer wieder muss Bindra Franziska Schubert ihren Text wiederholen, bis alles im Kasten ist. Während draußen der Regen prasselt, wird es unter den vielen Scheinwerfern immer heißer.

1 Uhr: „Pause!“, ruft ein Mitarbeiter. Das Set wird umgebaut. Für uns heißt das: wieder warten. Devid Striesow, der Kriminal-Hauptkommissar Jens Stellbrink spielt, schaut kurz vorbei und scherzt mit einer Mitarbeiterin. „Eben hatte der aber noch keinen Gipsarm“, bemerkt eine Komparsin. Doch laut Drehbuch hatte er vor der nächsten Szene einen Unfall.

Gruppenbild vom Dreh zu "Der Pakt". (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

1.30 Uhr: Die Preisverleihung ist zu Ende und die Ärztin hat uns noch zu einem kleinen Umtrunk eingeladen. Wir sollen aufstehen und uns in Richtung Ausgang begeben, aber an der Tür stehenbleiben. Nach ein paar Probedurchläufen wird es wieder ernst.

Als auch diese Einstellung im Kasten ist, erklärt uns der Regieassistent, dass wir nun wirklich den Saal verlassen können und dabei den beiden Ermittlern Stellbrink und Marx einen überraschten Blick zuwerfen sollen, die plötzlich vor der Tür stehen. „Aber nicht zu übertrieben gucken. Es ist ja kein Mord passiert.“

Wir sollen an den beiden vorbei in Richtung der Stehtische gehen und uns dort einen Sekt nehmen, anstoßen, aber nicht trinken, gibt uns der Regieassistent Anweisungen. Und obwohl sich bei einigen meiner Kollegen nicht nur der Durst, sondern auch der Hunger breit macht, sind die auf den Tischen stehenden, lecker duftenden Schnittchen für uns vorerst tabu und nur Deko.

2 Uhr: Zu später Stunde erhalte ich noch einen 'Sonderauftrag': Während die beiden Kommissare den Mörder stellen, bekomme ich im Hintergrund einen Anruf auf meinem Smartphone und gehe aus dem Bild.

2.20 Uhr: Die letzte Klappe fällt. „Prost! Jetzt dürft ihr die Gläser austrinken“, sagt ein Teammitglied. Doch unser Einsatz ist immer noch nicht zu Ende. Jetzt werden noch Standfotos von den Darstellern geschossen, bei denen wir im Hintergrund stehen. Und danach wollen die Ton-Mitarbeiter noch Atmosphäre aufnehmen. Wir laufen murmelnd durch das Schloss.

2.40 Uhr: "Danke fürs tapfere Durchhalten bis zum Schluss!“, verabschiedet uns Marc André Mismann endgültig in den Feierabend. Als ich mich mit den anderen 'Schlossgespenstern' todmüde auf den Heimweg mache, treffe ich noch auf Elisabeth Brück, die mir zuzwinkert: „Ich habe dich zuerst gar nicht erkannt!“

Rund eineinhalb Jahre später: Ich darf endlich vorab in den fertig geschnittenen TV-Krimi reinschauen. Ich bin gespannt und überrascht! Ich hätte nicht gedacht, dass man mich so gut auf dem Bildschirm erkennt!

Fazit: Mein erster Komparsen-Einsatz war eine interessante Erfahrung. Ich habe mal einen 'Tatort'-Dreh aus einem ganz neuen Blickwinkel erlebt, war nicht nur bei Striesow letztem Fall, sondern sogar in der alles entscheidenden Szene mit dabei und kenne bereits jetzt den Mörder. Doch natürlich haben wir einen Pakt geschlossen: Das bleibt bis zur Ausstrahlung unter uns im Team…   


Video
Tatort - Der Pakt
In seinem letzten Tatort für den Saarländischen Rundfunk ermittelt Devid Striesow, als Kommissar Jens Stellbrink, im Mordfall an einer Schwesternschülerin. Die Tote scheint das Opfer einer Verwechslung geworden zu sein. Hier können Sie den Tatort in der ARD Mediathek ansehen

Artikel mit anderen teilen