Strompreise steigen (Foto: dpa)

Strompreise auf Rekordhoch

  03.04.2019 | 20:32 Uhr

Verbraucher müssen für Strom immer tiefer in die Tasche greifen: Nach Berechnungen zweier Vergleichsportale kostet eine Kilowattstunde Strom im bundesweiten Durchschnitt derzeit 29,42 Cent - so viel wie noch nie. Wo liegen die Ursachen der Teuerung und wie können die Verbraucher reagieren?

Seit Jahresbeginn haben etwa zwei Drittel der Grundversorger in Deutschland ihre Preise erhöht. Und weitere wollen noch nachziehen. Der Preisanstieg lag im Durchschnitt bei rund fünf Prozent. Für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden bedeutet das 60 Euro mehr im Jahr.

Der Strompreis

In Deutschland setzt sich der Strompreis aus vielen verschiedenen Positionen zusammen: Mehr als die Hälfte, nämlich 54 Prozent des Preises, machen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Dazu gehören unter anderem die Stromsteuer, wie auch die Kraft-Wärme-Kopplung-Umlage und die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz - kurz: EEG-Umlage - zur Finanzierung der Energiewende und zur Ökostrom-Förderung. Die Ökostrom-Umlage macht allein ein Viertel des Strompreises aus.

Knapp ein Viertel des Strompreises entfällt zudem auf Netzentgelte an die Netzbetreiber. Und nur rund 20 Prozent des Strompreises können die Versorgungsunternehmen selbst beeinflussen.

Mit über 29 Cent pro Kilowattstunde hat sich der Strompreis seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Damals bei der Einführung der EEG-Umlage lag der kWh-Preis bei 14 Cent.

Ein Preistreiber: die Beschaffungskosten

Als Hauptursache für ihre Preiserhöhungen geben die Versorger die kräftig gestiegenen Beschaffungskosten an, die jetzt nach und nach an die Verbraucher weitergegeben werden. Denn wer als Energieversorger nicht selbst Strom produziert, der muss ihn an der Börse einkaufen. Laut Bundesnetzagentur lag der Großhandelspreis im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 30 Prozent über dem Vorjahresdurchschnitt.

Einen wesentlichen Anteil daran hat die deutliche Verteuerung der Emissionszertifikate, die die Kraftwerksbetreiber pro Tonne CO2, die sie verursachen, vorhalten müssen. Zudem sind Rohöl und Kohle, die auch zur Stromerzeugung genutzt werden, ebenfalls teurer geworden.

Keine Besserung zu erwarten

Atomausstieg, Kohleausstieg, Netzausbau, Elektromobilität und mehr erneuerbare Energien - das alles kostet Geld. Viel Geld. Langfristig ist daher nicht mit einer Entlastung zu rechnen. Experten gehen vielmehr davon aus, dass die Strompreise auch in Zukunft weiter steigen werden.

Wer als Verbraucher Geld sparen will, muss also seinen Stromverbrauch reduzieren - oder zu einem günstigeren Anbieter wechseln.

Die Strompreise steigen derzeit in schwindelnde Höhen. Was tun?
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Die Strompreise steigen derzeit in schwindelnde Höhen. Was tun?


Alternative: Anbieterwechsel

Mehrere Hundert Euro im Jahr an Stromkosten sparen - damit werben Online-Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox. Denn die Stromanbieter locken Neukunden mit günstigen Tarifen und einem Bonus, das sind etwa 10 bis 20 Prozent der Gesamtjahresrechnung. Und von den Vergleichsportalen gibt es dann oft noch einen Sofortbonus. Das können dann nochmal zwischen 10 und 200 Euro sein. Den Bonus gibt es meistens schon innerhalb der ersten drei Monate. Die Stromanbieter wollen so neue Kunden gewinnen – am liebsten dauerhaft. Diese Boni gelten allerdings nur für das erste Jahr. Daher muss man darauf achten, dass der Vertrag auch wirklich ein Jahr läuft. Den Vertrag dann frühzeitig vor Vertragsende kündigen, zu einem neuen Anbieter wechseln und dort wieder die Boni mitnehmen - so kann man als Verbraucher sparen.

Wem das zu mühsam ist, der kann auch den Service von unabhängigen Tarifaufpassern oder Wechselassistenten nutzen. Die suchen kontinuierlich nach günstigeren Stromtarifen und übernehmen anschließend alle Aufgaben, die mit dem Anbieterwechsel verbunden sind. Manche Wechselassistenten sind kostenlos, andere verlangen zwischen 20 und 30 Prozent Provision. Finanztest hat neun solcher Wechselassistenten getestet. Selbst bei denen mit Provision haben die Testhaushalte über 200 Euro gespart im Vergleich zum handelsüblichen Stadtwerke-Tarif.  Bis auf zwei Anbieter haben bei Finanztest alle gut abgeschnitten. Sehr empfehlenswert sind demnach Esave, Switchup, Wechselpilot & Wechselstrom.

Übrigens: Wer seinen Vertrag zwar frühzeitig gekündigt, aber nicht rechtzeitig einen neuen Vertrag abgeschlossen hat, der sitzt dann nicht plötzlich ohne Strom da. Denn es gibt ein Grundrecht auf Stromversorgung. In solch einem Fall wird man automatisch vom örtlichen Stromversorger, z.B. den Stadtwerken, mit deren Standardtarif beliefert. Das ist dann nicht wirklich günstig, aber man hat Strom.


Auch Thema auf SR 1 am 03.04.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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