Streik in Frankreich gegen Rentenreform.  (Foto: Lisa Huth)

Nicht alle sind für Streiks, viele wollen auch Reformen

Lisa Huth   19.12.2019 | 13:26 Uhr

In Frankreich sind die Beschäftigten der SNCF auch über Weihnachten zum Streik aufgerufen. Auch in anderen Berufszweigen wird weiter gestreikt. Es gibt aber auch viele Leute, die gehen nicht auf die Straße. Viele davon sind für die geplante Rentenreform der Regierung. Von denen hört man normalerweise nichts. Der SR lässt aber auch sie zu Wort kommen.

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Nicht alle Franzosen sind für Streiks, viele wollen auch Reformen
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Nicht alle Franzosen sind für Streiks, viele wollen auch Reformen

Streik bei der französischen Bahn SNCF über Weihnachten bedeutet übervolle Züge, sofern sie überhaupt fahren, wahrscheinlich eher nicht. Auch auf den Straßen ist viel los, den die Gilets Jaunes filtern den Verkehr an vielen Kreiseln. Der Streik richtet sich gegen die geplante Rentenreform der Regierung Macron.

Lisa Huth hat bei ihren - nicht repräsentativen Umfragen - in den Straßen von Metz, Forbach, Saargemünd und Sankt Avold aber mehr Stimmen gehört, die sich für die Reform ausprechen. Sie sieht ein faktisches Renteneintrittsalter von 64 Jahren statt bisher 62 vor. Außerdem werden die 42 Sonderrentensystem unter anderem für Eisenbahner mit dem Rentensystem für alle harmonisiert.

Reformen seien notwendig

"Frankreich braucht diese Reformen", sagt ein Mann in Metz. Ein anderer meint, dass bislang alle Präsidenten angsichts des Drucks der Straße eingeknickt seien. Nach drei Jahrzehnten müsse das nun durchgezogen werden.

Die Gründe derer, die für die Rentenreform sind, sind vielfältig. Zum einen ginge es eigentlich um die ohnehin Privilegierten. Sie gehörten zu den Besserverdienenden in Frankreich, hätten schöne Einkommen, geringere Wochenarbeitszeit als alle andern, "und dann beklagen sie sich noch." Außerdem müssten auch die Franzosen länger arbeiten, weil sie älter würden als früher.

Eigeninteressen trotzdem gewahrt

Kleine Einzelhändler stellen dar, dass sie bis zu 63 Stunden arbeiten, keine Subventionen bekämen und am Ende nur eine geringe Rente erhielten. Durch die Streiks sei zudem ihre Existenz gefährdet. Nach mehr als einem Jahr Blockaden durch die Gilets Jaunes sei auch dieses Weihnachtsgeschäft in Gefahr. Wenn es schlecht laufe, könnten sie dieses Jahr den Schlüssel unter die Tür legen.

Allerdings, das kam bei den Umfragen auch heraus: Wenn es an den eigenen Geldbeutel geht, dann hört die Solidarität mit der Regierung auf. Da sind die Meinungen dann zwei geteilt: Reformen ja, aber die Streiks seien auch notwendig.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung 'Hallo Saarland auf SR 1' am 19.12.2019 berichtet.

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